Neues Dokument Hitler war womöglich in Heß-Flug eingeweiht

Wusste Adolf Hitler vom Alleinflug seines Stellvertreters Rudolf Heß 1941 nach Großbritannien? Ein nun gefundenes Dokument scheint nach SPIEGEL-Informationen diesen Verdacht zu erhärten. Historiker bezweifeln allerdings, dass Heß im Auftrag Hitlers handelte.

Nazi Heß (Foto von 1937): Reise "in Übereinkunft mit Engländern"?
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Nazi Heß (Foto von 1937): Reise "in Übereinkunft mit Engländern"?


Hamburg - Adolf Hitler war womöglich in den Alleinflug seines Stellvertreters Rudolf Heß nach Großbritannien vor 70 Jahren eingeweiht. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus einem bislang unbekannten Dokument hervor. Den Bericht hat ein deutscher Historiker im Staatsarchiv der Russischen Föderation in Moskau entdeckt.

Die Mission vom 10. Mai 1941 sei Teil von länger währenden Verhandlungen gewesen, die Berlin damals mit London geführt habe, schrieb Karl-Heinz Pintsch, der damalige Adjutant von Heß, in einer 28-seitigen, handschriftlichen Aussage.

Pintsch verfasste den Bericht 1948 in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. Nach dieser Version ist Heß' Reise in "Übereinkunft mit den Engländern erfolgt". Der prominente Nazi habe dabei die Aufgabe gehabt, "mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, wenn schon nicht ein Militärbündnis Deutschlands mit England gegen Russland, so doch wenigstens eine Neutralisierung Englands zu erreichen". Unter Historikern bestehen starke Zweifel, dass Heß im Auftrag Hitlers handelte.

Der als Kriegsverbrecher verurteilte Heß hatte am 17. August 1987 im Alliiertengefängnis in Berlin Selbstmord begangen. Er wurde im oberfränkischen Wunsiedel beigesetzt. In der rechten Szene gilt Heß als Märtyrer.

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insgesamt 177 Beiträge
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Seite 1
Ursprung 29.05.2011
1. Pathogener Zeitgenosse
Hoert sich irgendwie plausibel an. Stuetzt auch die Version, dass hoechste diplomatische Kreise in England genau das -irgend ein Arrangement mit dem Hitlerregime- nicht wollten. Der Koloss war ihnen geographisch zu nahe dran und die Psyche des pathogenen Hitlers zu unvorhersagbar. Die Art der Behandlung, wie sie es dem Hess zuteil kommen liessen, war doch eindeutig. Der stoerte nur die beschlossene Strategie in England. Hitler war da schon verloren aus heutiger Sicht aber es mussten erst noch viele Millionen mit ihm sterben. Das war wohl nicht das Ziel der Englaender, meinte man aber in Kauf nehmen zu muessen.
FrittenKing 29.05.2011
2. Kujau ick hör dir trapsen
Dann sind wir mal gespannt aus welchen Tagebüchern dieses Dokument stammt. Auf das der Spiegel damit keine "Stern"-stunde erleben wird.
HenriCross 29.05.2011
3. Wen
... interessiert das noch? Die Geschichte kann nicht zurückgedreht werden und die Millionen Toten gerade in den letzten beiden Kriegsjahren nicht rückwirkend verhindert werden.
Christian Wernecke 29.05.2011
4. Wahrheiten
Es ist sehr umstritten, ob Hess Selbstmord beging. Ihm war kurz zuvor seine baldige Entlassung in Aussicht gestellt worden, nachdem die Sowjets ihrerseits signalisierten, nicht weiter auf die Inhaftierung des Gefangenen zu bestehen.
rudihaase 29.05.2011
5. Alter Hut
Gibt man den Namen von Herrn Pintsch in Google bein, bekommt man einen EIndruck, wie lange diese Story schon durch Bücher, Köpfe und das Internet geistert. Die Zeitschrift "Der Spiegel" erzählt bereits 1963 Details des Hitlerfluges u.a. mit Verweis auf Pintsch. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46172472.html Hier ist schon alles drin incl. der Geschichte, warum Pintsch glaubt, dass Hitler eingeweiht gewesen sei.
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