Neues SPD-Design "Umbra", die Farbe des Erfolgs

Eigentlich sollte der Wahlkampf der SPD diesmal anders werden. Wenig Design, viel Inhalt, hatte Parteichef Franz Müntefering versprochen. Doch als Erstes änderten die Genossen nun ausgerechnet ihre Farbe.

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Franz Müntefering vor Umbra-Hintergrund: "Gute und richtige Wahl"
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Franz Müntefering vor Umbra-Hintergrund: "Gute und richtige Wahl"

Berlin - Seit Wochen predigt die SPD-Spitze, dieser Wahlkampf werde anders als die Bundestagswahlkämpfe 1998 und 2002. Von einer neuen Ehrlichkeit ist die Rede. Vor allem in einer Hinsicht ist man sich einig: Es soll weniger auf das Design ankommen, mehr auf die Themen.

Umso überraschter waren die Journalisten, als sie am Montag ins Willy-Brandt-Haus kamen, wo Müntefering das soeben beschlossene SPD-Wahlmanifest vorstellte. Vertraut war auf der großen Stellwand im Foyer nur das rote SPD-Logo. Der Hintergrund hingegen erstrahlte in einer ungewohnten Farbe. "Umbra", eine Art Beige, war an die Stelle des alten Blaus getreten. Pressekonferenzen, Broschüren, das Wahlmanifest - alles hat plötzlich einen umbrafarbenen Hintergrund.

Der neue Ton, auch Erdbraun oder brauner Ocker genannt, hat nichts mit Ikea oder Feng Shui zu tun, auch wenn er stark daran erinnert. Er ist aber auch nicht zufällig gewählt worden, sondern auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse. "Studien" hätten ergeben, dass Umbra die Inhalte der SPD am besten transportiere, sagte Bundesgeschäftsführer Kajo Wasserhövel heute in vollem Ernst. "Wir haben eine Farbe gewählt, die die Aussagen des Wahlkampfs unterstützt."

Was genau er damit meint, erklärte der SPD-Chefstratege nicht. Man kann also nur spekulieren. Soll der weiche Braunton der neuen "sozialen Sensibilität" der SPD Ausdruck verleihen? Will man sich vom kalten Blau der Ackermänner absetzen? Wasserhövel zeigte sich jedenfalls überzeugt: Umbra sei "eine gute und richtige Wahl". Sie hebe die Aussagen der SPD stärker hervor.

Schon der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Al Gore, der immer als steif und unnahbar galt, hatte sich für seine Neuerfindung als netter Mensch von nebenan eines ähnlichen Tricks bedient. Im Wahlkampf gegen George W. Bush 2000 kleidete sich Clintons Vizepräsident plötzlich vermehrt in Erdfarben - was ihm allerdings vor allem Spott eintrug und am Ende keinen Sieg.

Was bedeutet das Orange der CDU?

Die SPD ist nicht die einzige Partei, die an die politische Farbenlehre glaubt. Auch der CDU ist die Verpackung der Botschaft wichtig. Sie plant nach Angaben eines Sprechers allerdings keinen Relaunch ihres Auftritts, wenn sie am Montag ihr Wahlprogramm vorstellt. Man vertraut weiterhin der alten "Corporate Identity", die auf dem Leipziger Parteitag im Juni 2003 eingeführt worden war.

Müntefering und Schröder vor vertrautem Blau (Archiv)
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Müntefering und Schröder vor vertrautem Blau (Archiv)

Lange hatte die CDU kein einheitliches Erscheinungsbild. Es herrschte vielmehr großes Kuddelmuddel: Einige Landesverbände stellten die drei Lettern CDU schräg, andere favorisierten sie gerade. Auch bei den Farben herrschte "Vielfalt", wie die CDU es damals euphemistisch ausdrückte. Erst unter Generalsekretär Laurenz Meyer wurde mit der Vereinheitlichung begonnen.

Inzwischen gibt es Empfehlungen auf der Homepage der Bundes-CDU, wie das Logo auszusehen hat. Die Schriftart soll Kiwvit sein, die Hintergrundfarbe Orange. Ein kurzer Blick auf verschiedene CDU-Websites verrät jedoch: Mit dem einheitlichen Erscheinungsbild hapert es immer noch. Lässt die Farbenvielfalt Rückschlüsse auf die Inhalte zu? Der CDU-Sprecher sieht keinen Zusammenhang. "Unser Regierungsprogramm steht für die Inhalte."



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