Neujahrsansprache Merkel fürchtet Spaltung Deutschlands

Kanzlerin Merkel ruft die Deutschen für das kommende Jahr zu Zusammenhalt und Zuversicht auf. In ihrer Neujahrsrede wendet sie sich erneut gegen die Hasserfüllten und Menschen mit kalten Herzen. Und lobt ausdrücklich jene, die Willkommen sagen.


Kanzlerin Angela Merkel hat trotz aller Probleme die Chancen unterstrichen, die mit den nach Deutschland kommenden Flüchtlingen verbunden sind. "Richtig angepackt ist auch die heutige große Aufgabe des Zuzugs und der Integration so vieler Menschen eine Chance von morgen", sagte Merkel in ihrer am Mittwoch vorab veröffentlichten Neujahrsansprache. "Es steht völlig außer Zweifel, dass der Zuzug so vieler Menschen uns noch einiges abverlangen wird. Das wird Zeit, Kraft und Geld kosten."

Man müsse aus den Fehlern der Vergangenheit lernen. "Von gelungener Einwanderung aber hat ein Land noch immer profitiert." Angesichts des Zulaufs für Fremdenfeinde appellierte Merkel an den Zusammenhalt der Gesellschaft: "Es kommt darauf an, dass wir uns nicht spalten lassen. Nicht in Generationen. Auch nicht sozial und nicht in Alteingesessene und Neubürger."

"Es kommt darauf an, denen nicht zu folgen, die mit Kälte oder gar Hass in ihrem Herzen ein Deutschsein allein für sich reklamieren und andere ausgrenzen wollen", mahnte sie. Deutschland solle weiter ein Land bleiben, "in dem wir selbstbewusst und frei, mitmenschlich und weltoffen sind".

Ausdrücklich bedachte sie die Menschen, die sich für andere Menschen einsetzen. "Ich danke den unzähligen freiwilligen Helfern für ihre Herzenswärme und ihre Einsatzbereitschaft, die immer mit diesem Jahr 2015 verbunden sein werden", so Merkel. Sie danke aber auch den hauptamtlichen Helfern, Polizisten, Soldaten sowie Mitarbeitern der Behörden im Bund, in den Ländern und in den Kommunen.

Deutschland habe "noch immer von Einwanderung profitiert"

Es sei zwar eine "besonders herausfordernde Zeit, in der wir leben", sagte die Kanzlerin. Merkel wiederholte aber ihren Satz, den sie in der Flüchtlingskrise im Sommer geprägt hatte: "Wir schaffen das, denn Deutschland ist ein starkes Land."

Zur Integration der Flüchtlinge sagte die Kanzlerin, "unsere Werte, unsere Traditionen, unser Rechtsverständnis, unsere Sprache, unsere Gesetze, unsere Regeln" seien die "Grundvoraussetzung für ein gutes, ein von gegenseitigem Respekt geprägtes Zusammenleben aller". Merkel erinnerte zugleich daran, dass Deutschland von "gelungener Einwanderung" wirtschaftlich und gesellschaftlich noch immer profitiert habe.

Die Kanzlerin versicherte, dass die Fluchtursachen bekämpft würden und so die Zahl der Flüchtlinge "dauerhaft spürbar" verringert werden solle. Auch werde mit Partnern daran gearbeitet, den Schutz der EU-Außengrenzen zu verbessern. Merkel hob aber angesichts des Krieges in Syrien und der "bestialischen Morde" der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) erneut hervor, dass es "selbstverständlich" sei, den Menschen zu helfen und die aufzunehmen, die in Deutschland Zuflucht suchen.

Die Neujahrsansprache der Kanzlerin wird in diesem Jahr erstmals online auch mit arabischen und englischen Untertiteln gezeigt. Die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Joachim Gauck ist bereits mit arabischen und englischen Untertiteln verfügbar.

ler/dpa/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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kritischer-spiegelleser 31.12.2015
1. Ist das schon Alterssturheit?
Dass sie absolut nicht einsehen will wie sie Deutschland mit ihren Flüchtlingen schadet? Dass sie Deutschlands Souveränität und den Rechtsstaat missachtet? Sie darf doch auch als Kanzlerin nicht alles persönlichen Interessen opfern!
frankfurtbeat 31.12.2015
2. das ist bereits ...
das ist bereits geschehen und nicht bezogen auf Ost-West sondern durch die Gesellschaft geht ein Riss ... dabei ist es egal ob es sich um gebildete oder wie manch politische Pappnase meint um weniger gebildete Menschen handelt. Das Problem kommt noch ... aber da verweilen die meisten Verantwortlichen nicht mehr auf diesem Planeten ...
Rainer Heidelberg 31.12.2015
3. Am Problem vorbei
geht die Rede von A. Merkel. Das Problem ist der dramatische Missbrauch unseres Asylsystems und die völlig außer Kontrolle geratene Zuwanderung in unsere Sozialsysteme. Eine geordnete Einwanderung dagegen wäre von Vorteil. Die Sicherung unserer Grenzen bedeuten für A. Merkel Strichlisten. Das ist keine Politik, die unserem Land würdig ist.
karljosef 31.12.2015
4. Spaltung Deutschlands,
auf der einen Seite - äußerst kreative Manipulationen der Arbeitslosenstatistik, - keinerlei Chancen für >45-Jährige auf dem nichtprekären Arbeitsmarkt, - Rente mit 67, auf der anderen - schwurbeln die Arbeitgeber über spezielle Mindestlohnbeträge für Flüchtlinge, - umgehen diese Arbeitgeber den Mindestlohn durch fiese Tricks Es gibt viel zu tuen, aber wir schaffen das, oder?
bwk 31.12.2015
5. Spaltung Deutschlands
Wenn Merkel eine - mehrfache- Spaltung Deutschlands befürchtet muß sie sich die Frage stellen, welchen Beitrag sie dazu geleistet hat. Unsere sozial schlechter gestellten Mitbürger werden immer ärmer, die Wohnungsnot z.B. immer gößer. Ein Grund, aber nicht der einzige ist der Zustrom von Millionen Flüchtlingen, für die oh Wunder auf einmal Geld da zu sein scheint. Merkel tritt den Rechtsstaat mit Füßen. Besonders traurig dabei ist, dass die Abgeordneten des Bundestages, die doch nur ihren Gewissen folgen sollten, dabei kräftig Unterstützung leisten. Ja, die Spaltung wächst, so darf es nicht weitergehen.
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