Neujahrsansprache: Merkel schwört Deutsche auf harte Zeiten ein

Das Schwerste kommt erst noch - diese Botschaft gibt Angela Merkel den Deutschen für 2013 mit auf den Weg. "Das wirtschaftliche Umfeld wird nicht einfacher", sagt die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache. Immerhin verspricht sie, die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen.

Berlin - Überschäumenden Optimismus kann man Angela Merkel in ihrer Neujahrsansprache wirklich nicht attestieren. Im Gegenteil, die Bundeskanzlerin stimmt die Deutschen auf eine schwierigere Wirtschaftslage 2013 ein. Sie wisse, dass viele Menschen "auch mit Sorgen in das neue Jahr gehen", sagte die Kanzlerin in ihrer Neujahrsansprache laut dem vorab veröffentlichten Redetext.

"Und tatsächlich wird das wirtschaftliche Umfeld nächstes Jahr nicht einfacher, sondern schwieriger", sagte sie. "Das sollte uns jedoch nicht mutlos werden lassen, sondern - im Gegenteil - Ansporn sein."

Die Deutschen bräuchten für ihren Wohlstand und ihren Zusammenhalt die richtige Balance, so die Kanzlerin weiter. Die Bereitschaft zur Leistung sei ebenso notwendig wie soziale Sicherheit für alle. "Wie wichtig diese Balance ist, das zeigt uns auch die europäische Staatsschuldenkrise." Diese sei noch längst nicht überwunden - auch weil die Welt aus der vergangenen Krise von 2008 nicht genug gelernt habe. "Doch nie wieder darf sich eine solche Verantwortungslosigkeit wie damals durchsetzen."

In der sozialen Marktwirtschaft sei der Staat der Hüter der Ordnung. "Darauf müssen die Menschen vertrauen können." Die beschlossenen Reformen würden zu wirken beginnen. Viel Geduld sei aber auch weiterhin nötig.

Positive Beispiele aus der Forschung

Immer wieder streute Merkel in ihrer Rede Geschichten von Menschen ein, deren Beispiel sie im vergangenen Jahr habe aufhorchen lassen. Da ist der fast taube Zehnjährige, der mit einem hochmodernen Implantat zum Musikfan geworden ist. Oder der Fall einer jungen Frau, die dank mitwachsender Herzklappenprothesen ein normales Leben führen und sogar Sport treiben kann.

Die Forschung bringe Deutschland nicht nur solche persönlichen Triumphe, sondern auch reichlich Arbeitsplätze. "Wenn wir etwas können, was andere nicht können, dann erhalten und schaffen wir Wohlstand", sagte Merkel.

Deshalb werde so viel wie nie zuvor in Bildung und Forschung investiert und Deutschland zu einem der modernsten Energiestandorte der Welt umgebaut. Die Bundesrepublik werde auf den demografischen Wandel vorbereitet, zudem würden die Staatsfinanzen in Ordnung gebracht. "Diese Ziele leiten uns auch 2013", fügte die Kanzlerin hinzu.

Merkel würdigte zugleich das Engagement vieler Menschen in der Bundesrepublik. "Es sind Freunde und Nachbarn, die Initiative ergreifen oder einen Missstand beheben", sagte Merkel. "Es sind die Familien, die sich Tag für Tag liebevoll um ihre Kinder und um ihre Angehörigen kümmern. Und es seien "Gewerkschafter und Unternehmer, die gemeinsam für die Sicherheit der Arbeitsplätze arbeiten".

Die Kanzlerin erinnerte zugleich an den Einsatz von Soldaten, Polizisten und zivilen Helfern an den Feiertagen. "Denken wir gerade in dieser Stunde auch an die, die für unsere Sicherheit sorgen, hierzulande und fern der Heimat." Sie leisteten ihren Dienst unter großen persönlichen Opfern. "Ich weiß von meinen Gesprächen mit ihnen, wie viel es ihnen bedeutet, wenn wir zu Hause an sie denken."

Schließlich rief die Regierungschefin die Bürger doch noch zur Zuversicht für 2013 auf. "Lassen Sie uns gemeinsam auch das neue Jahr zu einem Jahr machen, in dem wir einmal mehr unsere größten Stärken unter Beweis stellen: unseren Zusammenhalt, unsere Fähigkeit zu immer neuen Ideen, die uns wirtschaftliche Kraft gibt."

jok/AFP

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1. Eine Übersetzung
Pinin 31.12.2012
"Und tatsächlich wird das wirtschaftliche Umfeld nächstes Jahr nicht einfacher, sondern schwieriger", sagte sie. Das übersetze ich so: "Wir werden auch im nächsten Jahr die reiche (Steuerhinterzieher-) Elite im ClubMed und die Banken und Banker um JEDEN Preis retten, und ihr habt das gefälligst zu bezahlen!"
2.
johnnychicago 31.12.2012
Übersetzen kann man das mit: Blablablablablablabla....... Mal ehrlich, diese Ansprachen sind doch so nötig wie ein Kropf. Hiess es nicht früher, dass das gemeinsame Europa für alle nur Vorteile hat? Und was ist jetzt? Eine Krise folgt der Nächsten. Was soll dieses Geschwätz? Kriegt die Mittelschicht noch mehr aufgeladen? Für wen eigentlich? Wie sollen die Menschen Verantwortliche vertrauen, die es nicht mal 10 Jahre schaffen eine Vertrag aufrecht zu erhalten? Wie soll man solchen Menschen glaube, die so wenig Weitsicht bewiesen haben? Und jetzt kommt bloss nicht mit Eigenverantwortung und den üblichen dummen Sprüchen. Es gibt viele Menschen in Deutschland und Europa, die sich für die Allgemeinheit einsetzen und trotzdem den Kürzeren ziehen und schliesslich merken, dass ihr Engagement für die Katz war.
3. Danke...Tante...
grommeck 31.12.2012
Die ist sowas von flüssig diese Lügenbaronin...aber ist ja auch nur Angestellte -- beim deutschen Volk - oder der Wirtschaft? Die zahlt auch anständig!! Nicht, Herr Steinbrück..
4. Nichts tun
antikarrierist 31.12.2012
Das kann sie gut... und wir müssen dann durch die harten zeiten. Tolle führung
5. Und immer wieder...
antmanhh 31.12.2012
...die alten, gleichen Floskeln über Arbeit und Wohlstand. Damit demonstriert sie lediglich, dass sie nichts, aber auch gar nichts dazu gelernt hat und es auch nicht will. Sie glaubt weiter an die gute, heile, "soziale" Marktwirtschaft als Ideal. Dabei verkennt sie völlig, dass die Krise nicht eine des Mangels an Leistung ist, sondern eine des Überflusses. Viele sollen weiter objektiv verarmen und den Gürtel enger schnallen, während Produkte auf Halde stehen und keine Kaufnachfrage mehr finden, Milliardenfach Rechnung unbezahlt bleiben und nur die Ausdehnung der Verschuldungslogik den ganzen Apparat der kapitalistischen Verwertungsmaschine noch am Laufen hält. Armes Deutschland... Wenn die Bevölkerung nicht langsam mal aufwacht, wird sich nie was ändern.
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