Neujahrsansprache Schröder ruft zur Eigenverantwortung auf

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse forderten in ihren Neujahrsansprachen den verantwortungsbewußten Bürger und mahnten die Parteien zur Integrität.


Die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers
DPA

Die Neujahrsansprache des Bundeskanzlers

Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die Bürger aufgerufen, an der Schwelle zum 21. Jahrhundert die Zukunft in die eigenen Hände zu nehmen und mehr Verantwortung zu tragen. "Wir können nicht dasitzen und abwarten, was der Staat, was die Politik tun können", betonte Schröder in seiner am Freitag im Fernsehen gesendeten Neujahrsansprache.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse hat Politiker und Parteien gemahnt, ihre Glaubwürdigkeit nicht zu verspielen. "Wie selten zuvor stehen Kompetenz und Glaubwürdigkeit in der Politik auf dem Prüfstand", sagte Thierse in seiner Neujahrsansprache am Samstagabend im Deutschlandfunk.

Kanzler Schröder forderte ein Umdenken in der Gesellschaft. "Wir werden unsere Ansprüche überdenken und mehr Verantwortung übernehmen müssen." Zudem gehe es um Mitgefühl und Interesse für den anderen. "Ich denke, wir brauchen keine Gesellschaft, in der viele fast alles über die Börse in Bangkok wissen - aber keiner mehr mitbekommt, wenn beim Nachbarn seit Wochen der Briefkasten nicht mehr geleert wurde."

Als sein "dringendstes politisches Anliegen" im neuen Jahr bezeichnete der Kanzler die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit sei immer noch "erschreckend hoch", auch wenn die Wirtschaft sich auf gutem Wachstumskurs befinde.

Bundestagspräsident Thierse warnte in seiner Botschaft zum neuen Jahr: "Politik darf nicht zu einem unlauteren Geschäft verkommen. Dies sollte sich jeder Politiker, jede Partei vor Augen halten." Es gebe genug Probleme, die nur eine vertrauenswürdige und handlungsfähige Politik lösen könne.

Der SPD-Politiker plädierte für Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit und warnte vor den Gefahren des Rechtsextremismus. Er rief dazu auf, diejenigen zu unterstützen, "die sich aktiv für unsere Demokratie engagieren".



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