Hamburg/Köln - Er zieht es vor zu schweigen: FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnt es nach wie vor ab, die Sexismus-Vorwürfe gegen ihn öffentlich klarzustellen. Dem Wähler scheint dies offenkundig nicht zu gefallen. In der Rangliste der beliebtesten Politiker muss Brüderle nach einer Erhebung für den neuen ARD-Deutschlandtrend herbe Verluste hinnehmen. Im Vergleich zu Anfang Januar sinkt sein Wert um neun Punkte auf 28 Prozent.
Für den designierten Spitzenkandidaten der Liberalen ist dies der schlechteste Wert seit Juni vergangenen Jahres. Damals lag er bei 26 Prozent. Ende Januar liegt Brüderle nach der Umfrage nun auf dem vorletzten Platz des Rankings, das 14 Politiker umfasst. Schlusslicht ist nach wie vor FDP-Parteichef Philipp Rösler. Der liegt jetzt bei 22 Prozent - immerhin eine Steigerung um fünf Punkte. Infratest dimap befragte im Auftrag der ARD von Montag bis Dienstag 1007 Wahlberechtigte.
Spitzenduo Rösler/Brüderle verschlechtert FDP-Chancen
Die Wähler schreiben dem liberalen Führungsduo Rösler/Brüderle nur wenig Erfolgsaussichten zu. Die Mehrheit der Befragten - 51 Prozent - glaubt, dass sich die Chancen für die FDP bei der Bundestagswahl eher verschlechtert haben. Nur 32 Prozent sehen eine Verbesserung. Auf die Frage, ob das FDP-Spitzenteam bis zur Abstimmung im September halten werde, antworten 49 Prozent der Befragten mit Nein; 46 Prozent sagen ja.
Brüderle steht massiv in der Kritik. Er soll sich gegenüber der "Stern"-Redakteurin Laura Himmelreich anzüglich verhalten haben. Konkret geht es um ihre Begegnung mit dem Politiker am 5. Januar 2012, dem Vorabend des traditionellen Dreikönigstreffens der FDP in Stuttgart. Brüderle habe dabei unter anderem zur ihr gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen." Der Artikel von Himmelreich war kurz nach der Kür des FDP-Politikers zum Spitzenkandidaten seiner Partei in der vergangenen Woche erschienen - und hatte eine heftige Sexismus-Debatte ausgelöst.
Kanzlerin Merkel baut Vorsprung vor Steinbrück aus
In der sogenannten Sonntagsfrage verharren die Liberalen bei vier Prozent. Die Union verliert im Vergleich zur Vorwoche zwei Punkte und erreicht 40 Prozent. Die SPD bleibt bei 27 Prozent, die Grünen können dagegen einen Punkt auf 15 Prozent zulegen. Die Linke liegt nach wie vor bei sechs Prozent. Die Piraten verzeichnen laut der Umfrage vier Prozent.
An der Spitze der beliebtesten Politiker steht weiterhin Bundeskanzlerin Angela Merkel. Mit ihrer Arbeit sind 71 Prozent der Befragten zufrieden - das sind sechs Punkte mehr als Anfang Januar. Es ist außerdem der beste Wert für die CDU-Chefin seit September 2009. Ihr folgt auf dem zweiten Platz Finanzminister Wolfgang Schäuble mit 63 Prozent. Den dritten Platz teilen sich die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und Verteidigungsminister Thomas de Maizière.
SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kommt nur auf eine Zustimmung von 37 Prozent, eine leichte Verbesserung um einen Punkt. Könnten die Befragten ihren Regierungschef direkt wählen, würden sich 59 Prozent für Bundeskanzlerin Merkel entscheiden (plus vier Punkte), 28 Prozent für Steinbrück (minus zwei Punkte). Damit hat die Amtsinhaberin einen satten Vorsprung - sie liegt 31 Punkte vor ihrem Herausforderer.
Der neue ARD-Deutschlandtrend beschäftigt sich auch mit der Debatte um mögliche Kampfdrohnen für die Bundeswehr. Verteidigungsminister de Maizière (CDU) spricht sich klar für eine Anschaffung der unbemannten Flieger aus. Nach der Erhebung von Infratest dimap sehen das die Befragten anders: Zwei Drittel (65 Prozent) lehnt den Kauf ab. Nur 32 Prozent finden, die Bundeswehr sollte solche Drohnen einsetzen.
heb
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