Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


als US-Botschafter Richard Grenell im vergangenen Sommer sein Amt in Berlin antrat, machte er als Erstes ein paar deutliche Ansagen: Er wies deutsche Unternehmen per Twitter an, ihr Iran-Geschäft herunterzufahren und erklärte bei der rechten Plattform "Breitbart" seine Unterstützung für eine konservative Machtübernahme in Europa.

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Heft 2/2019
Das neue Berufsleben - zwischen Freiheit und Selbstausbeutung

Nun hat mein Kollege Konstantin von Hammerstein für den neuen SPIEGEL ein Porträt von Trumps Mann in Berlin geschrieben. Weil Grenell sich weigerte, ihn zu treffen, schickte Hammerstein schriftlich einen Fragenkatalog an die Botschaft. Die Antwort kam prompt: "Jede Ihrer sieben Fragen beruht auf erfundenen Geschichten", schrieb Grenell, "jede einzelne Frage geht von etwas aus, das falsch ist. Konstantin von Hammerstein benutzt die gleiche Taktik wie Claas Relotius, um eine falsche Geschichte mit anonymen Quellen zu belegen."

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AfD für Deuxit?

DPA

Eine der wenigen Parteien, deren Vertreter sich gern mit Grenell treffen, ist die AfD. Den US-Botschafter und die Rechtspopulisten verbindet unter anderem eine herzliche Abneigung gegen die EU, die in der AfD gern mit der Sowjetunion verglichen wird. Von heute an wird die Partei auf ihrer Europawahlversammlung im sächsischen Riesa ihr Programm für die Wahl Ende Mai festlegen und weitere Kandidaten bestimmen.

Immerhin: Die meisten AfD-Funktionäre wollen die EU von innen heraus verändern. Unter den zwölf Kandidaten, die schon im Dezember gewählt wurden, fand sich nur eine Verfechterin eines Deuxits, eines schnellstmöglichen Austritts Deutschlands aus der EU.

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Europadämmerung

Auch anderswo in Europa formieren sich die Kritiker und Gegner der EU. Das Zitat der Woche kommt für mich von Italiens Innenminister Matteo Salvini. Bei seinem Besuch in Polen warb er am Mittwoch für ein "neues Europa". "Polen und Italien werden Teil des neuen europäischen Frühlings sein, der Renaissance europäischer Werte", sagte der Chef der rechtspopulistischen Lega in Warschau. Ihm schwebt so etwas wie eine polnisch-italienische Achse als Gegengewicht zur deutsch-französischen Achse vor. "Das Europa, das im Juni Gestalt annehmen wird, wird uns alle führen", sagte er.

Gewinner des Tages...

DPA

ist Friedrich Merz. Gut einen Monat nachdem er auf dem CDU-Parteitag mit einer öden Rede seine Chance auf die Merkel-Nachfolge verspielte, ist nun endlich eine Rolle für den Hoffnungsträger der Konservativen in der Partei gefunden. Nachdem Merz erst nicht für das Parteipräsidium kandidieren wollte, sich dann als Minister ins Spiel brachte, aber im Freundeskreis ausschloss, in ein von Angela Merkel geführtes Kabinett einzutreten, war es zuletzt etwas schwierig geworden. Doch eine Reihe von Telefonaten mit der neuen Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer brachte schließlich die rettende Idee. Nun ist die Erleichterung riesig: Merz wird einem Expertenkreis angehören.

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Herzlich,
Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
sam46 11.01.2019
1. Dieser " Botschafter" lügt ebenso flüssig ....
wie sein Chef. Damit entspricht er natürlich dem Niveau der AfD und der UKIP .
friedrich_eckard 11.01.2019
2.
Leider muss man ja wohl damit rechnen, dass die Krrräfte derrr nationalen Errrneuerrrung bei den Wahlen zum EU-Parlament ein Spitzenresultat einfahren werden, und zwar unabhängig davon, wen sie ins Rennen schicken und was sie der staunenden Öffentlichkeit bis zum Wahltage noch alles an Schauspielen bieten werden. Sie haben bei diesen Wahlen nun einmal alle Trümpfe auf der Hand: es ist mit einer Wahlbeteiligung zu rechnen, die sämtliche Negativrekorde schlagen wird, und die rechten Sümpflinge haben einen gar nicht zu überschätzenden Mobilisierungsvorteil: "besorgte Bürger", Nur-Nein-Sager, Ausländerfeinde, "Denkzettelwähler" - die alle werden wählen. Man sollte das aber zu gegebener Zeit nicht überschätzen und sich nicht verücktmachen lassen. Einen Schritt zur Machterrrgrrreifung werden sie bei dieser Wahl nicht tun.
jimbofeider 11.01.2019
3. Tanz
Man hat Merz einen Expertenposten zukommen lassen, unsd die Merkelfraktion hofft damit den Wertekonservativen Flügel ruhig gestellt zu haben. Das ist reines Wunschdenken der Tanz mit und um Merz beginnt erst und Merkel und A.K.K konnen sich schon mal warm anziehen.
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