Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


Andrea Nahles wird heute die SPD-Ministerliste vorstellen, und wenn daraus eines spricht, dann das Machtbewusstsein der designierten Parteichefin. "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden", steht im SPD-Grundsatzprogramm.

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Heft 10/2018
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Nun, wo die weibliche Herrschaft in der SPD beginnt, wird klar, dass dies eher ein Spruch fürs Poesiealbum ist. Nahles hatte schreckliche Jahre als Generalsekretärin unter Sigmar Gabriel. Nun hat sie dafür gesorgt, dass der nicht im Kabinett sitzt, sondern auf den hinteren Bänken des Bundestags. Nahles ist ganz offenkundig eine Frau, die Rache kalt zu genießen weiß.

Profiteur Maas

Getty Images

Der Profiteur des Abgangs von Sigmar Gabriel heißt Heiko Maas. Der Mann, der dreimal hintereinander eine Landtagswahl im Saarland verloren hat und dank Gabriel in die Bundespolitik wechseln durfte, wird nun Außenminister der Bundesrepublik. Nahles hätte auch Katarina Barley ins AA schicken können, die Familienministerin hatte zuletzt deutlicher ihr Interesse bekundet, als es sich eigentlich schickt. Aber ganz offenkundig wollte Nahles nicht, dass ihr eine neue und ernst zu nehmende Gegnerin erwächst. Sie hat in den vergangenen Monaten am Beispiel von Gabriel erlebt, wie schnell das Außenamt die Popularitätswerte eines Politikers in die Höhe heben kann.

Das geschrumpfte Amt

FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Über diesen Effekt wird sich sicher auch Maas freuen dürfen; nur hat er eben in der Vergangenheit nie den Willen erkennen lassen, sich ganz nach oben zu boxen. Gabriel schätzte Maas auch deshalb, weil dieser klaglos seine Positionswechsel mitmachte. Maas wurde im Jahr 2013 Justizminister, weil er die SPD als Rechtsstaatspartei profilieren sollte. Das war der Plan. Aber dann fand Gabriel, dass die SPD besser beraten sei, wenn sie auf law and order setze. Er machte eine Wende um 180 Grad und sprach sich für die Vorratsdatenspeicherung aus, die Maas zuvor noch so hingebungsvoll bekämpft hatte.

Eigentlich hätte Maas zurücktreten müssen, aber er entschied sich dafür, die Sache auf sich beruhen zu lassen. Wenn er ähnlich resolut gegenüber der Kanzlerin auftritt, wird der Bedeutungsverlust des AA fröhlich voranschreiten.

Gewinner des Tages...

REUTERS

... ist Markus Söder. Mein Kollege Marc Hujer hat den bayerischen Finanzminister in den vergangenen Monaten begleitet, er hat mit Söders Ziehvater Edmund Stoiber gesprochen und war dabei, als Söder vor seinem Auftritt im fränkischen Fasching im Nürnberger Opernhaus zum Prinzregenten Luitpold geschminkt wurde. Hujer erlebte einen Politiker, der ständig über sein Image nachdenkt und doch nie so richtig gemocht wurde. Am vergangenen Samstag spielte Hujer, zum Abschluss der Recherche, eine Partie Tennis mit Söder. Dessen Helden der Jugend waren Boris Becker und John McEnroe, aber heimlich verehrte er Brad Gilbert, der ganz ohne Eleganz spielte und dennoch alle Großen geschlagen hat. Gilberts Motto lautete: "Winning Ugly". Im neuen SPIEGEL können Sie Hujers Text über Söder lesen, der in der kommenden Woche zum bayerischen Ministerpräsidenten gewählt wird.

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
haresu 09.03.2018
1. Beleidigte Leberwurst am Morgen
Ist hier jemand beleidigt? Tritt jetzt Pfister nach, statt Gabriel? Ist ein ganz normaler Vorgang jetzt Rache und der Neue ein Profiteur? Und muss man den hier als prinzipienlos hinstellen? Und was ist daran eigentlich wichtig? Das Außenamt ist längst bedeutungslos geworden, Gabriel hat auch gehorcht und Maas wird auch die übliche Beliebtheit zuteil werden und er damit zu einem möglichen Rivalen für Nahles. So what? Irgendwie hat man das Gefühl hier etwas zu lesen, das man nie wissen wollte.
auf_dem_Holzweg? 09.03.2018
2. Mitläufer und Kopfnicker
sicher gehört diese Personalbesetzung zum Merkel-Deal dazu, ebenso wie die schwarze Null zum Finanzministerium. Deutschlands Aussenwirkung wird immer unbedeutender, es begann bei Westerwelle und läuft steil nach unten bis heute, obwohl das schon kaum zu unterbieten war. Das AA wird eines der vielen Opfer sein, die Merkel für ihre Kanzlerschaft bringt. Die Deutsche Zukunft dürfte ihr nach diesen 4 Jahren auch wirklich egal sein, dann geht es zu Gasprom, oder gar zu VW,?
hausfeen 09.03.2018
3. Wüste Spekulationen über das AA und Nahles.
Maas macht keinen Rückschritt mit dem AA. Und Nahles Platz ist weiterhin ein Schleudersitz. Die Neuköllnerin, die könnte die erste passende Besetzung eines SPD-Postens werden. Z.Z. und seit einiger Zeit füllen nur Platzhalter in ständig wechselnder Besetzung die top-SPD-Posten. Nach meiner Meinung läuft es auf ein Spitzenduell zwischen Maas und Giffey hinaus. Wenn sie schlau wären, würden sie ein Spitzenduo bilden.
fatherted98 09.03.2018
4. Das AA ist...
....seit jeher Bedeutungslos. Nur....die Minister sind meist innenpolitisch aus der Schusslinie....insofern sind sie beliebter. Was hat Gabriel denn großes als AM geleistet?....die Freilassung eines Journalisten aus türkische Haft....gegen (wahrscheinlich) einen Panzerdeal...der sich gegen die Ex-Verbündeten gegen den IS richtet.....na dann...gratuliere. Und Maas....als Justizminister keine Leuchte....Gesetzte wie Vorratsdatenspeicherung (obwohl erst dagegen) durchgedrückt und nur von den Gerichten gestoppt. Ansonsten regelmäßige Auftritte bei Will und Co. mit unseeligen Äußerungen zu den Vorfällen in der Kölner Sylvesternacht....soweit ich weiß bisher noch nicht zurückgenommen wurde von ihm, dass es sich um kriminelle organisierte Gruppen handelte die sich über das Internet zur Massenvergewaltigung verabredeten (von der Polizei zwischenzeitlich widerlegt). Außer einer prominenten Freundin hat Herr Maas weder von Statur noch Profil etwas zu bieten....genau richtig für diese Amt.
rieberger 09.03.2018
5. Hurra, alles wird gut!
"die weibliche Herrschaft in der SPD beginnt" Hurra, jetzt wird alles wirklich gut und nicht nur das, alles noch viiiiel besser. Und wenn nicht, ganz klar, dann hat das die Ursache an maskuliner Sabotage. Auf ein fröhliches Re(a)gieren! Im übrigen wünsche ich allen Personen, die es in ein Ministeramt schaffen, ein glückliches Händchen und gute Entscheidungen für unsere Repuiblik. Und dabei ist es mir sch...egal, ob diese guten Entscheidungen femininer oder maskuliner Provenienz sind.
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