Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


Angela Merkel redet gern über die digitale Zukunft, nicht zuletzt, um die triste Gegenwart zu überdecken. Obwohl sich in der Bundesregierung ein Kanzleramtschef, drei Minister, eine Sonderbeauftragte sowie 482 Beamte in 76 Abteilungen und 244 Teams mit Online-Techniken befassen, liegt Deutschland bei der Einführung von schnellem Internet oder elektronischen Verwaltungsdiensten im Vergleich der Industrieländer weit zurück. Heute reist die Kanzlerin zum Start des Breitbandausbaus in ihren Wahlkreis nach Nordvorpommern, und wahrscheinlich wird es wieder heißen: Digitaltechnisch gesehen ist die Republik nicht Neuland, sondern Niemandsland.

Facebooks deutsche Freunde

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Heft 13/2018
Wie der allmächtige Konzern noch zu stoppen ist - und wie sich die Nutzer schützen können

Es ist noch gar nicht lange her, dass die Netzwelt munkelte, Facebook-Chef Mark Zuckerberg bereite sich auf eine Kandidatur zur US-Präsidentschaft vor. Doch spätestens seit dem Datenskandal um die Kommunikationsfirma Cambridge Analytica gilt das weltgrößte soziale Netzwerk nicht mehr als Chance, sondern als Gefahr für die Demokratie, wie mein Kollege Thomas Schulz in der Titelgeschichte des aktuellen SPIEGEL schreibt. Zuckerberg, so wird Justizministerin Katarina Barley heute Facebooks Europa-Politik-Chef Richard Allan erläutern, ist hierzulande nicht länger der harmlose Freund aller Freunde, er ist eher: Big Brother.

Ende einer Dienstfahrt

DPA

Nachdem der frühere katalanische Regionalpräsident Carles Puigdemont auf einer Autobahnraststätte in Schleswig-Holstein festgenommen wurde, muss ein deutscher Richter heute darüber entscheiden, ob der Separatistenführer in Haft bleibt. Die spanischen Behörden werfen Puidgedemont Rebellion vor; der wiederum erwägt, in Deutschland einen Asylantrag zu stellen. Richter sollen Recht sprechen, so lautet ihr Auftrag. Im Fall der katalanischen Unabhängigkeits-Kontroverse aber haben sie längst eine andere Aufgabe übernommen: Sie machen Politik.

Tausendundeine Macht

DPA

Selten ist eine politische Bewegung so furchtbar gescheitert wie der demokratische Aufbruch Nordafrikas vor gut sieben Jahren. Heute tobt in Syrien und Libyen ein mörderischer Bürgerkrieg, und in vielen anderen Ländern haben autoritäre Regimes die Macht zurückerobert, mit mehr oder weniger heimlicher Billigung des Westens. In Algerien setzen die Europäer auf den greisen Machthaber Abdelaziz Bouteflika, um das Land vor dem Chaos zu bewahren. In Ägypten hoffen sie bei den heute beginnenden Präsidentschaftswahlen auf den Sieg von Präsident Abdel Fattah el-Sisi, der jede Opposition gegen seine Herrschaft grausam zu unterdrücken pflegt. Fazit: Im Nahen Osten wird nicht mehr "arabischer Frühling" gespielt, stattdessen heißt das Stück: "Der Herbst der Patriarchen".

Gewinner des Tages ist...

DPA

... Robert Habeck. Der grüne Parteichef, der sich heute in Berlin der Hauptstadtpresse stellt, mischt seit zwei Monaten die Republik mit dem sanft-rebellischen Charme der Jever-Pils-Reklame auf. Habeck will das kalte Hartz-IV-System durch eine "solidarische Grundsicherheit in allen Lebenslagen" ersetzen. Er lobt "die unfassbare Energie" in der eigenen Parteizentrale und hat sich das Ziel gesetzt, die Grünen zu einer neuen Volkspartei für "die Breite der Gesellschaft" zu machen.

Offenbar mit Erfolg, wie kürzlich sogar die linksalternative "taz" feststellte, als sie Volksmusik-Sängerin Stefanie Hertel auf Habeck ansprach. Was sie denn von seiner Feststellung halte, wonach Heimat als "Raum zu begreifen" sei, "in dem wir leben und den wir zusammen gestalten, gleich, wo wir herkommen", wollte die Zeitung wissen. Das sei "ein unheimlich schöner Satz", antwortete Hertel, "das sehe ich ganz genauso."

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Ihr Michael Sauga

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insgesamt 3 Beiträge
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michael_pfeiffer 26.03.2018
1. Erbärmlich!!;
Ich wohne in einer wirtschaftsstarken Metropolregion. DSL-Höchstgeschwindigkeit: 16.000 Im Dezember 2017 wurde eine Erhöhung auf DSL 100.000 angekündigt. Vorbestellung ging gleich raus. Geplanter Ausbau sollte Mitte Februar 2018 abgeschlossen sein und das schnelle Internet zum 28.02.2018 starten. Bis heute ist der Ausbau nicht abgeschlossen und alles, was man von Seiten der Telekom hört ist: "Wir wissen auch nichts Genaues. Sie müssen halt warten!" ERBÄRMLICH!!!
haralddemokrat 26.03.2018
2. Zeiten und Horizont Wende
bei den Grünen. Habeck vermittelt eine neue Richtung und Sichtweite. Weg vom gemufften Sonnenblumendenken, hin zur Realpolitik. Bin zwar kein Grüner aber mur gefällt auch diese Aussage über den Begriff Heimat.
lathea 26.03.2018
3. Den Satz, die Heimat als.....
...... "Raum zu begreifen, on dem wir leben und den wir zusammen gestalten, gleich, wo wir herkommen" finde ich auch schön. Denn Heimat hat sehr viel mit sozialen Kontakten, der Akzeptanz und dem Wohlfühlen innerhalb einer Gesellschaft zu tun. Dort, wo ich angenommen werde und mich wohl fühle, bin ich zu Hause und angekommen. Ein Raum, den ich mitgestalten kann, ist geeignet, das Gefühl dazuzugehören, wecken oder verstärken. Wer dazu gehört, ist nicht mehr fremd, sondern kann eine Heimat finden und diese auch leben.
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