Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


sie waren die Leitfiguren des vergangenen Jahrzehnts: Jogi Löw führte die Fußballnationalmannschaft zum Weltmeistertitel. Angela Merkel wurde mit ihrem nüchternen Krisenmanagement zur mächtigsten Frau des Kontinents. Doch nun stehen der Trainer und die Kanzlerin für jene Sattheit und Selbstgefälligkeit, unter der auch Wirtschaft und Politik des Landes zu leiden scheinen - und müssen um ihre Ämter kämpfen: Löw nach dem blamablen 0:2 gegen Südkorea, Merkel im erbitterten Asyl-Machtkampf mit der CSU, der am kommenden Wochenende einem neuen Höhepunkt entgegenstrebt.

Der SPIEGEL widmet dem Drama um Deutschlands Führungsfiguren seine Titelgeschichte, die Sie heute ab 18 Uhr im E-Paper lesen können. "Löw und Merkel klammerten sich an die alten Erfolgsprinzipien", so lautet die Analyse, "obwohl die Welt um sie herum eine andere geworden ist".

Der Anti-Trump

MARIO GUZMAN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

An diesem Wochenende, so sagen es die Umfragen voraus, werden die Mexikaner Andrés Manuel López Obrador zum Präsidenten wählen, einen 64-jährigen Linkspopulisten, der dem geschundenen Land nichts weniger als eine Revolution verspricht. Der charismatische Volkstribun will die Korruption ausrotten, den unterentwickelten Süden mit Straßen und Schienenwegen überziehen und jenen brutalen Drogenkrieg beenden, der jedes Jahr Tausende seiner Landsleute das Leben kostet.

Die einen halten Obrador für einen zweiten Hugo Chávez, der sein Land ins sozialistische Chaos stürzen wird. Die anderen sehen in ihm Mexikos Antwort auf Donald Trump. Und so lautet die große Frage, die von der kommenden Woche an nicht nur in Südamerika gestellt werden wird: Lässt sich Populismus mit Populismus bekämpfen?

Käßmanns Erzählungen

DPA

Wenn Prominente in den Ruhestand gehen, schwören sie gern, sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Das Problem ist nur: Kaum einer hält sich dran. Wolfgang Bosbach lächelt uns aus jeder zweiten Talkshow entgegen, die früheren Ministerpräsidenten Matthias Platzeck und Stanislaw Tillich leiten die Regierungskommission zum Kohleausstieg. Die frühere Landesbischöfin Margot Käßmann, 60, wird morgen mit einem Festgottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Vier Töchter, Scheidung, Brustkrebs, Alkohol am Steuer, Enkelkinder. Nichts hat die Führungskraft Gottes verborgen. Und jetzt? Da sagt sie in einem ihrer zahlreichen Abschiedsinterviews, sie werde "die Freiheit genießen, ein nichtöffentliches Leben zu führen". In der evangelischen Kirche werden nun Wetten abgeschlossen, wie lange es dabei wohl bleibt.

Lechts und Rinks

DPA

Am Wochenende trifft sich die AfD zu ihrem Parteitag in Augsburg, und ausnahmsweise wird es einmal nicht um Flüchtlinge gehen, sondern um die Rente. Während Parteichef Jörg Meuthen auf Eigenverantwortung und Privatvorsorge setzt, wollen viele ostdeutsche Landesverbände das gesetzliche Rentenniveau auf 50 Prozent erhöhen. Eine Marke, die auch viele Gewerkschafter anpeilen. So will die Ost-AfD bei den bevorstehenden Landtagswahlen Sozialdemokraten und Linke marginalisieren, frei nach dem Motto des französischen Front National: Links ist das neue Rechts.

Gewinner des Tages...

AP

... ist Matthew S. Levatich. Der Chef der US-Motorradfirma Harley-Davidson fühlt sich noch immer jener rebellischen Biker-Romantik verpflichtet, die seine Maschinen seit dem Kultfilm "Easy Rider" umweht. "Ewig erzählen sie dir etwas über die Freiheit des Individuums", lautet einer der Kernsätze des Films. "Aber wenn sie dann ein freies Individuum sehen, kriegen sie eine Scheißangst." Levatich dagegen ist ein furchtloser Charakter - wie seine erbitterte Fehde mit Donald Trump im Zollstreit beweist.

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Ihr Michael Sauga

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insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
maier2206 29.06.2018
1. Sprechen wir es mal offen aus:
Kein Politiker der Nachkriegsära hat Deutschland so geschadet wie Merkel. An den Folgen der unüberlegten Grenzöffnung werden wahrscheinlich noch Generationen zu tragen haben. Finanziell, gesellschaftspolitisch und erst Recht kulturell haben wir große Probleme bekommen. Die innere Sicherheit in Deutschland ist Geschichte. Europa, Deutschland und unsere Gesellschaft wurden durch die Politik von Frau Merkel gespalten. Ich denke Deutschland bewegt sich extrem schnell auf das Niveau eines Dritte Welt Land zu. Der Gedanke unser Wohlstand regnet von alleine vom Himmel ist eine Illusion. Jetzt wird durch die Politik von Frau Merkel das zerstört was Generationen von Menschen in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben. Unser Wohlstand, unsere liberale und weltoffene Gesellschaft und unsere Freiheiten sind in Gefahr!
seine-et-marnais 29.06.2018
2. Links ist da neue Rechts
Zitat: "Während Parteichef Jörg Meuthen auf Eigenverantwortung und Privatvorsorge setzt, wollen viele ostdeutsche Landesverbände das gesetzliche Rentenniveau auf 50 Prozent erhöhen. Eine Marke, die auch viele Gewerkschafter anpeilen. So will die Ost-AfD bei den bevorstehenden Landtagswahlen Sozialdemokraten und Linke marginalisieren, frei nach dem Motto des französischen Front National: Links ist das neue Rechts." Es geht mir nur um den Satz 'Links ist das neue Rechts'. Dazu nur zwei Punkte: https://www.lexpress.fr/actualite/politique/fn-et-pcf-la-petite-phrase-de-hollande-qui-agace-les-communistes_1672845.html 1. Hollande hatte Marine Le Pen 2015 vorgeworfen dass der FN das Programm des PCF der 70er Jahre vertrete. Und das stimmte und stimmt. https://www.lexpress.fr/actualite/politique/fn-et-pcf-la-petite-phrase-de-hollande-qui-agace-les-communistes_1672845.html 2. In Frankreich will Macron die deutsche Politik von Schröder und Merkel im Eildurchgang durchpeitschen, und da vertritt plötzlich die Rechte die Positionen der Linken. Der PS ist kaputt, France Insoumise immer mehr eine Sektiererpartei und eine halbwegs funktionnierende Opposition gibt es nur rechts. Also fordern die Republikaner eine Erhöhung des staatlichen Mindestlohns um 20% / http://www.atlantico.fr/decryptage/augmenter-smic-20-pour-cent-guillaume-peltier-appelez-camarade-lr-eric-verhaeghe-3429005.html also kritisiert ein Milliardär 'Pinault' die Sozialpolitik Macrons. Das war letzte Woche Erst gestern hat Xavier Bertrand, ex LR, die Sozialpolitik Macrons nicht gutgeheissen, und der ex-UDI (mitte-rechts) Parteipräsident Borloo hat die Sozialpolitik Macrons als viel zu elitistisch und unsozial gegeisselt und vor einem missratenen 'Nudelauflauf'gewarnt. http://www.francesoir.fr/politique-france/borloo-et-le-gratin-de-nouilles-son-tacle-macron-sur-le-plan-banlieue Auch in der Rentenfrage bringt sich die Rechte gerade in Stellung gegen Macron wegen einer beabsichtigten Reform für die Witwenrente, lt "Regierungssprecher" Castaner gibt es da 'Winner' und 'Loser' https://www.lesechos.fr/politique-societe/gouvernement/0301892169364-pensions-de-reversion-castaner-evoque-des-baisses-et-des-augmentations-2188050.php In Frankreich ist zumindest zur Zeit das Links/rechts-Schema nicht mehr gültig. Und was von Herrn Sauga ironisch gemeint war, ist hier in Frankreich die Realität, die Republikaner vertreten Standpunkte die früher mal vom PS, von PCF und den Gewerkschaften vertreten wurden. Fûr Deutschland könnte gelten 'Links ist das neue Rechts' ist das Motto der konservativen Kanzlerin Merkel. Auch nicht schlecht.
dirk.resuehr 29.06.2018
3. SPONs Leiden
Wachstum, Beschäftigung, Haushalt ganz gut.Wohlstand auch. Ok, es gibt Arme und Reiche, wie ungerecht, es gbt Gebildete und Ungebildete, es gibt Linke und Rechte, Oben und Unten, nur wann war denn Frau Merkel mächtig? In Europa hat sie bei wichtigen Fragen 1 Stimme von 27 0der früher 28. Merkel und Löw haben beide ein Führungsproblem, das eine Frage der Loyalität ist. Bei Löw die Frage, wie motiviert man Menschen, die alles haben und sehr satt sind zu Leistung? Bei Frau Merkel die Frage nach Loyalität und Führung von Illoyalen, die das von Haus aus sind. Beides ist schwierig, für beide kommt nur eine Trennung in Frage. Bei Löw von ehemals verdienten Spielern, bei Frau Merkel Trennung von egomanischen Spielern. Voll ins Risiko und in den Neuanfang, dem ja angeblich ein Zauber innewohnt
kleinsteminderheit 29.06.2018
4. Alternativlos
Merkel und Löw sind angeschlagen, aber es gibt für beide Posten keine erkennbare Alternativen. Und so werden sie weitermachen. Angeschlagen und geduldet. Alternativlos wird nun aber auch eine verbesserte Sozialpolitik. Wenn sich die AfD neuerdings national und sozial gibt, greift sie mit der Altersarmut eine Frage auf, welche von den etablierten Parteien nicht befriedigend beantwortet wurde.
ellge 29.06.2018
5. Völlig abgehoben
Merkel und Löw haben versagt. Das schmälert keineswegs ihre Verdienste in der Vergangenheit, aber heute ist heute und beide müssen zurücktreten. Sie sind außerstande, die vor uns liegenden Probleme auch nur ansatzweise zu lösen. Ein Verbleib in ihren Ämtern vergrößert den angerichteten Schaden nur noch. Das zu erkennen, geht über deren Horizont, politisch und sportlich.
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