Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


am Samstag reist Angela Merkel nach Andalusien, sie trifft sich mit dem sozialistischen Premierminister Pedro Sánchez in dessen Urlaubsdomizil im Nationalpark Doñana. Die beiden wollen bei dem informellen Gespräch auch über Migration reden: Beide Regierungschefs stehen in ihren Ländern wegen dieses Themas unter Druck. Sánchez hat sich bisher eher liberal gezeigt, Schiffe ankommen lassen und kaum Asylbewerber abgeschoben, denn die meisten ziehen ohnehin weiter nach Norden. Merkel erhofft sich eine bessere Zusammenarbeit, um die Zahl der Migranten zu verringern, die sich auf den Weg nach Deutschland machen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 32/2018
Wie der Klimawandel unser Leben verändert

Am Samstag tritt auch das Abkommen in Kraft, das Bundesinnenminister Horst Seehofer ausgearbeitet hat und in einigen Fällen Rückweisungen erlaubt - es wird aber wenig praktischen Nutzen haben. Da mittlerweile mehr Migranten in Spanien anlanden als in Italien, hat Deutschland ein Interesse daran, dass Sánchez Asylbewerber konsequent registriert und abschiebt - die meisten, die in Andalusien ankommen, sind keine Kriegsflüchtlinge, nur ein Bruchteil von ihnen kann auf Anerkennung hoffen.

Amerikanische Sternenflotte

AP

Die Präsidentschaft Donald Trumps fühlt sich immer mal wieder so an, als ob sie von durchgeknallten Drehbuchautoren entworfen worden wäre. Das gilt auch für die jüngste Episode, die zur Abwechslung Elemente von "Raumschiff Enterprise" enthält: Vizepräsident Mike Pence hat die Gründung einer "Space Force" bis 2020 angekündigt - sie soll das Land aus dem All verteidigen und neben dem Heer, der Marine, der Luftwaffe, dem Marineinfanteriekorps und der Küstenwache die sechste eigenständige Teilstreitkraft der USA werden.

Das Ganze hat einen ernsten Hintergrund: Es soll die Antwort auf Technologien sein, die Russland und China derzeit entwickeln. Die Regierung will für die nächsten fünf Jahre zunächst acht Milliarden Dollar beantragen. Zustimmen muss allerdings der Kongress - und ob es für die Idee dort Rückhalt gibt, muss sich noch zeigen. Diese Story wird dann aber wieder eher einer Mischung aus der Serie "House of Cards" und Reality-TV-Sendungen wie "The Apprentice" gleichen, aus denen Trumps Präsidentschaft sich sonst speist.

Kindergeld ins Ausland

DPA

Gibt es eine Zuwanderung in die deutschen Sozialsysteme? Diese Debatte wird durch die jüngsten Zahlen zum Kindergeld genährt: Rund 600 Millionen Euro zahlt die Bundesrepublik jährlich für Kinder, die im Ausland leben; im Juni waren es 268.336 Kinder - rund 25.000 mehr als Ende 2017. Das klingt nach viel, allerdings leben 98 Prozent aller Kinder, für die der Staat zahlt, in Deutschland. Mehrere Oberbürgermeister beklagen aber eine gezielte Zuwanderung von EU-Ausländern aus dem Osten, die es auf das Kindergeld abgesehen hätten - die Beweislage ist allerdings unklar.

Der deutsche Städtetag fordert nun, dass sich die Höhe der Zahlung künftig an den Lebenshaltungskosten in dem Land bemessen soll, in dem sich ein Kind aufhält. Auch die Bundesregierung will eine Neuregelung. Doch das ist aus europarechtlicher Sicht nicht ganz einfach; die EU-Kommission müsste zustimmen und sie erhält Druck aus osteuropäischen Ländern. Und tatsächlich ist es ja umgekehrt auch so, dass EU-Ausländer, die in Deutschland leben und arbeiten, gar nicht mehr in die Sozialsysteme ihrer Herkunftsländer einzahlen dürfen, selbst wenn sie das lieber wollten. Weil Europa so viele unterschiedliche Sozialversicherungssysteme hat, die alle irgendwie miteinander zusammenhängen, ist jede Änderung heikel.

Eskalation in Gaza

HAITHAM IMAD/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Der Konflikt um Gaza eskaliert gerade wieder einmal: Es gab Verletzte in Israel, Tote in Gaza. Die radikalislamistische Hamas hatte seit Mittwochabend rund 180 Raketen auf Israel gefeuert, eine landete sogar im rund 50 Kilometer entfernten Beer Scheva. Israels Armee reagierte darauf mit massiven Bombardements auf rund 150 Ziele. Die Lage in Gaza ist seit März extrem angespannt. Die Hamas will Stärke zeigen, die israelische Armee will zeigen, dass sie immer am stärksten ist. Könnte es gar zu einem neuen Gazakrieg kommen? Mein Kollege Dominik Peters erklärt hier die Hintergründe.

Stürme und Gewitter in ganz Deutschland

DPA

Die Hitze ist abends und in der Nacht mit gewaltigem Blitz und Donner zumindest vorerst vertrieben worden - und die Gewitter und Orkanböen haben in weiten Teilen Deutschlands für Schäden und Behinderungen gesorgt: Keller liefen voll, die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, Züge fielen aus und sogar der Flughafen Frankfurt musste zeitweise den Betrieb einstellen. Auch an unserem SPIEGEL-Gebäude in Hamburg hat der Wind ordentlich gerüttelt, aber nur einen Fensterputzkorb heruntergerissen. Noch bis heute Mittag stürmt es in Teilen Deutschlands, vor allem im Norden, die Luft ist vorübergehend kühler - aber die gute Nachricht: Der Sommer bleibt, nur nicht ganz so heiß wie bisher. Die schlechte Nachricht: Auch die Dürre bleibt vorerst bestehen.

Verlierer des Tages...

REUTERS

... ist die türkische Lira. Sie hat in dieser Woche einen historischen Tiefststand von 1 zu 6 im Vergleich zum Euro erreicht, damit hat sie seit Jahresbeginn etwa ein Drittel ihres Werts verloren - die türkische Wirtschaft steht damit vor einer existenziellen Krise. Im schlimmsten Fall könnten selbst Großunternehmen nicht mehr in der Lage sein, ihre Kredite in Dollar oder Euro zu begleichen. Die jüngsten US-Sanktionen haben das Vertrauen der Anleger weiter erschüttert. Zuvor hat die innenpolitische Lage in der Türkei aber schon viel zum Kurszerfall beigetragen. Wenn es so weitergeht, wird es gefährlich für Präsident Recep Tayyip Erdogan: Viele Wähler unterstützten ihn bisher auch deshalb, weil sie mit ihm einen wirtschaftlichen Aufschwung verbinden. Wenn es nun abwärts gehen sollte, hilft ihm auch sein autoritärer Regierungsstil nichts.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag und ein schönes Wochenende!

Herzlich,

Ihr Mathieu von Rohr

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StefanZ.. 10.08.2018
1. Wie sagte Reagan es so schön vor den Vereinten Nationen
Der Redenschreiber hat sich wirklich ein Dankeschön verdient. Hier die Textstelle aus der 1987 Rede: I occasionally think how quickly our differences worldwide would vanish if we were facing an alien threat from outside this world. And yet, I ask you, is not an alien force already among us? What could be more alien to the universal aspirations of our peoples than war and the threat of war? Warum kann sich Trump bei der Rechtfertigung und Ausgestaltung des Waffenprogramms für den Weltraum nicht besser an seinem großen Vorbild orientieren? Ganz im Ernst, wie groß ist die Gefahr, dass Russland oder China einen Weltraumwaffengestützten Angriffskrieg gegen die USA vom Zaun brechen werden? Wohl ums tausendfache geringer als die reale Gefahr eines massiven Meteoriten oder Asteroiden der sich in 1-2 Jahrzehnten krachend in unseren Planeten stürzt und dabei massive Zerstörungen hinterlasst.
tarelsun 10.08.2018
2. traurig...
Unglaublich traurig das die EU das letzte Wort beim deutschen Kindergeld hat... Bei was haben denn noch die Länder selbst das letzte Wort? Entmündung läuft....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.