Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


wer Angst hatte, die Kanzlerin würde in diesem Jahr möglicherweise ganz im Sommerloch verschwinden, kann heute in Jena seine Nerven beruhigen. Dort wird Angela Merkel einen Bürgerdialog abhalten, es ist der erste größere öffentliche Auftritt nach ihrem Urlaub, den sie dieses Mal nicht zusammen mit ihrem Mann Joachim Sauer in Südtirol verbracht hat.

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Heft 33/2018
Wie der Reisende zerstört, was er liebt

Es gab in diesem Sommer keine Bilder von Merkel in Funktionskleidung, keine Fotos, wie sie mit grimmiger Miene im Sessellift den Gipfel erklimmt. "Wo steckt die Kanzlerin eigentlich?", fragte zwischendurch ausgerechnet die "Bild" - jenes Blatt also, das doch noch kurz zuvor, auf dem Höhepunkt des Asylstreits mit der CSU, auf manche wie das publizistische Sprachrohr der "Merkel muss weg"-Bewegung wirkte. Merkel wird sich einmal mehr in ihrer Meinung bestätigt gefühlt haben, dass man es der Presse nicht recht machen kann, egal, was man tut.

Bei Geld fängt die Freundschaft an

DPA

An diesem Samstag wird sich Angela Merkel auf Schloss Meseberg, dem Gästehaus der Bundesregierung, mit Wladimir Putin treffen. Es ist die Wiederaufnahme einer wunderbaren - nun ja - Arbeitsbeziehung. Vier Jahre lang hat sich der russische Präsident nur dann in Deutschland blicken lassen, wenn es sich gar nicht vermeiden ließ. Merkel wiederum verspürte auch kein gesteigertes Bedürfnis, einen Präsidenten zu beehren, der so brutal das Völkerrecht gebrochen hatte. Nun aber führt der nackte Sachzwang die beiden wieder zusammen: Merkel weiß, dass sie ohne Putin bei keinem außenpolitischen Thema vorankommt. Und Putin hätte gerne, dass die Pipeline Nord Stream 2 endlich fertig wird, die ihm jene Devisen in die Kasse spülen soll, die er so dringend braucht. Bei Geld hört die Freundschaft auf, heißt es ja oft. Bei Putin fängt sie da erst an.

Eine Übung in Weltpolitik

REUTERS

Auch die Türkei muss sich nach neuen Freunden umschauen, nachdem US-Präsident Donald Trump Sanktionen gegen das Land verhängt und damit die türkische Lira auf Talfahrt geschickt hat. Heute trifft sich der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in Ankara. Die beiden wollen einen Syrien-Gipfel Anfang September vorbereiten, an dem Merkel und Putin teilnehmen sollen, außerdem der türkische Präsident Erdogan und der französische Staatschef Macron - nicht aber Trump. Wenn man so will, wollen die vier schon mal üben, wie sich Weltpolitik ohne die USA anfühlt.

Gewinner des Tages...

Getty Images

... ist Jens Spahn. Dem Gesundheitsminister wird in Berlin ein etwas überschießender Ehrgeiz nachgesagt, besonders im Kanzleramt, wo man genau verfolgt hat, wie er sich im Asylstreit auf die Seite der CSU geschlagen hat. Aber eines kann man Spahn nicht vorwerfen: dass er in der Stunde der Not seine Freunde vergisst. Bei Merkels Leuten macht man sich inzwischen gerne lustig über die Bayern, deren große Revolte so kläglich scheiterte. Spahn, der forsche Konservative, weiß dagegen, wie gelebte Solidarität aussieht: Heute spricht er in Nürnberg, der Heimatstadt des gebeutelten bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

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insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 14.08.2018
1. Wer kann sich von wem was abschauen?
Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich menschliche Meinungen zu diesem Treffen am Samstag ausfallen können. Von meiner Perspektive aus hat Frau Merkel außenpolitisch in den letzten Jahren in etwa Null Nachhaltiges zuwege gebracht. Nachdem nun unter Trump die Konsequenzen von vielen Jahren der Willfährigkeit gegenüber US-amerikanischer Regierungsweltsicht, ihren Forderungen und ihren Intervention nicht mehr vermittelbar sind, bekommt Frau Merkel langsam kalte Füße. Staatschefs der EU Länder wollen schon lange nichts mehr von ihren Vorschlägen hören, solche die neue Kredite oder gleich Bargeld auf Kosten Deutschlands bringen mal ausgenommen. Damit wären wir auch beim Thema Geld, bei dem für Frau Merkel die Freundschaften Anderer anfangen. Und wie Sie schon wissen, auch meine Meinung dazu, welche Staatsmänner und Staatsfrauen sich beim Brechen von Völkerrecht besonders hervorgetan haben ist eine andere. Mögen dazu in Zukunft weise Menschen zu abschließenden Beurteilungen kommen.
spon-41d-frm9 14.08.2018
2.
wenn mans nicht besser wüsste, könnte man meinen auf dem Foto ist ein Brautpaar abgebildet
rwinter77 14.08.2018
3. Verantwortung
Joachim Gauck hat während seiner Zeit als Budespräsident immer wieder gefordert, Deutschland müsse mehr internationale Verantwortung übernehmen. Meist wurde darunter mehr militärisches Engagement verstanden, von Afghanistan bis Somalia. Der geplante Syriengipfel zeigt wie schon die Teilnahme am Iran-Deal einen anderen Weg zu mehr Verantwortung - eigenständige Beiträge zur Konfliktlösung. Wenn Deutschland dabei bleibt und sich nicht auf unsinnige Rüstungsausgaben und militärische Abenteuer festlegen lässt, bin ich dafür - mehr Verantwortung übernehmen!
haresu 14.08.2018
4. Solidarität ist ja ohnehin Spahns großes Thema
Mit einem offenen Herzen für die Schwachen, auf nach Bayern, da braucht man ihn. Merkel war übrigens nie weg, sondern in der Oper, nochmal in der Oper, nochmal in der Oper und gerade erst in Spanien. Arbeiten. Immerhin hat unsere weise Königin Angela uns so schon mal ein klein wenig daran gewöhnt, dass sie nicht immer da sein wird. Wo ist eigentlich Seehofer, der "please, please, please"- James Brown der deutschen Politik? Weg? Darf der eigentlich noch Wahlkampf machen in Bayern oder wird deshalb der Spahn eingeflogen? Man will es nicht wissen. Wie so vieles andere auch.
chaosimall 14.08.2018
5. Warum
Herr Spahn ein Gewinner sein soll, erschließt sich mir nicht. Weil er konsequent für eine Position eintritt, die der CSU nichts eingebracht hat, aber die AFD nachweislich stärkt. Wer nichts dazulernt gehört eher zuveen Verlierern.
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