Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


vor vier Jahren holte die Union in Bayern fast 50 Prozent der Stimmen, es war die Basis für Angela Merkels bislang größten Wahlerfolg. Doch die Liebe ist erkaltet, seit die Kanzlerin die Willkommenskultur erfand und den Südstaat zur wichtigsten Transitzone für ihre Flüchtlingspolitik erklärte. Viele Bürger in den Grenzregionen fühlten sich überfordert, CSU-Chef Seehofer sprach von der "Herrschaft des Unrechts".

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Heft 37/2017
Die Berliner Ruhe trügt - in Deutschland brodelt es

Heute macht Merkel Wahlkampf in Rosenheim und Augsburg, und ihre Leute fürchten, dass der Bayernzorn in einer Haltung münden könnte, wie sie einst der geniale Komiker Karl Valentin beschrieb: "Sie sind auf uns nicht angewiesen, sondern wir auf Sie. Merkens Ihnen das!"

Von Tibet lernen

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Zwölf Tage vor der Bundestagswahl gewinnt der politische Streit an Schärfe, und bei manchem Parteistrategen machen sich angesichts schlechter Umfragewerte Frust und Unmut breit. Martin Schulz kommt nicht aus dem Quotentief, die CDU schwächelt, und Liberale wie Grüne haben sich in einen Zweikampf verbissen, der sie möglicherweise mehr Stimmen kostet als er ihnen bringt.

Vielleicht sollten die Wahlkämpfer deshalb heute nach Frankfurt fahren, wo der Dalai Lama das neue Tibethaus eröffnet und sein Publikum wahrscheinlich mit Botschaften voll tiefer Weisheit und zeitloser Gültigkeit beglücken wird. Zum Beispiel dieser: "Die Dinge laufen nun einmal nicht so, wie wir uns das vorstellen."

Botschaft aus Brüssel

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Seit dem Wahlsieg Emmanuel Macrons reden plötzlich alle von Europa: von einem EU-Finanzminister, von gemeinsamen Budgets, eigenen Steuern. Eigentlich müsste das Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker freuen, doch zu seinem Leidwesen kommen die Gedankenspiele häufig ohne die Beteiligung seines vieltausendköpfigen Behördenapparats aus. Am Mittwoch wird Juncker eine groß angekündigte Rede zur "Lage der Union" halten, und es steht zu erwarten, dass er die trendigen "Mehr Europa"-Rufe um eine zweite Botschaft ergänzen wird: "Mehr Brüssel."

Die Trump-Frage

DPA

Fast ein Jahr lang war sie nach ihrer verheerenden Wahlniederlage abgetaucht. Jetzt ist Hillary Clinton wieder da. Die gescheiterte demokratische Präsidentschaftsbewerberin hat unter dem Titel "What Happened" ein Rechtfertigungsbuch geschrieben, das meinen Kollegen Georg Diez zu einem erhellenden Gedankenexperiment für SPIEGEL DAILY angeregt hat: "Was wäre passiert, wenn Clinton Präsidentin geworden wäre?"

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Verlierer des Tages...

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... ist Michael O'Leary. Der Chef der irischen Billigflug-Linie Ryanair hat seine Manager heute nach Frankfurt beordert, damit sie dort einmal mehr beklagen, dass die insolvente Fluglinie Air Berlin wahrscheinlich zu großen Teilen an den Konkurrenten Lufthansa fallen wird. Nicht zu Unrecht, schließlich droht ein Monopol auf manchen innerdeutschen Strecken. Doch weil Ryanair unter Verdacht steht, mit Hilfe fragwürdiger Leiharbeitsverträge in großem Stil Personalkosten und Sozialabgaben zu sparen, dringt die Airline mit ihrer Kritik nicht durch. Merke: Die Bürger lieben Wettbewerb, aber sie verachten Lohndrückerei.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag.

Ihr Michael Sauga

In einer früheren Version hieß es, Juncker halte seine Rede heute. Wir haben das korrigiert.

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insgesamt 1 Beitrag
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Seite 1
thequickeningishappening 12.09.2017
1. # Hillary Clinton - "What happened"
Nun wissen wir warum Sie nach der Niederlage keine Rede hielt und abtauchte; es gab kein Manuskript für eine Niederlage! Sie war sich Ihrer Sache so sicher dass Sie nur eine Siegesrede einstudiert hatte!
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