Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


den Eiertanz des Tages wird die CDU aufführen. Seit gestern sitzt man in Berlin bei einem sogenannten Werkstattgespräch zusammen, um über Flüchtlingspolitik zu diskutieren. Heute werden am Nachmittag die Ergebnisse präsentiert. Die neue Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hatte diese Debatte angeregt, auch um Kritik an Angela Merkels Politik der offenen Grenzen aufzufangen. Es gilt aber als unschicklich, die Kanzlerin offen zu kritisieren. Kramp-Karrenbauer plädierte zum Auftakt für europäische Lösungen, was eine versteckte Kritik an Merkel war. Die hatte den Alleingang gewählt.

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Heft 7/2019
Besser umgehen mit der Trennung - Vorstoß für ein neues Familienrecht

Das gleiche Thema diskutieren seit gestern die Staats- und Regierungschefs der Afrikanischen Union in Addis Abeba. Aus Afrika oder über Afrika kommen die meisten Migranten nach Europa. Was heute in Addis Abeba besprochen wird, könnte für Deutschland wichtiger sein als die Debatte in Berlin.

Weltmacht Islam

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Das Regime in Iran feiert heute den 40. Jahrestag der Revolution mit Großdemonstrationen und einer Rede von Staatspräsident Rohani. Am 1. Februar 1979 war der Ayatollah Khomeini aus seinem Exil in Paris nach Iran gereist, ein paar Tage später brach die Herrschaft von Schah Reza Pahlavi endgültig zusammen.

Zunächst wurde die Revolution von einem breiten Bündnis getragen, aber dann machte Khomeini Iran zum Gottesstaat, der alsbald die USA und den Westen herausforderte. Islamischer Fundamentalismus etablierte sich als weltpolitische Macht.

Der Historiker Frank Bösch zählt diese Revolution in seinem lesenswerten Buch "Zeitenwende 1979 - Als die Welt von heute begann" zu den drei prägenden der Weltgeschichte, neben der französischen von 1789 und der russischen von 1917. Einer der größten Besserwisser aller Zeiten hat sich in diesem Punkt übrigens geirrt. Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte damals: "Die Ayatollahs können das Land auf Dauer nicht regieren."

Auf den Menschen kommt es an

DPA

Es wird oft kritisiert, der politische Journalismus personalisiere zu stark. Ich bin allerdings der Ansicht, dass es tatsächlich auf die Menschen ankommt, die Politik machen. Ein Beispiel ist die Weimarer Republik, für die lange galt, dass sie eine schlechte Verfassung hatte, und vor allem daran gescheitert ist.

In der aktuellen Debatte rund um das 100-jährige Gründungsjubiläum der Weimarer Republik etabliert sich eine andere Sichtweise, zum Beispiel in dem Buch "Die Weimarer Verfassung" von Udo di Fabio. Seine These: Die Verfassung war gar nicht so schlecht, sie bot die Mittel, um einen Hitler abwehren zu können. Und ein Friedrich Ebert (im Bild) hätte das wohl auch getan. Unter dem ersten Reichspräsidenten Ebert, gelernter Sattler und Sozialdemokrat, hatte die Republik einen holprigen Start, stabilisierte sich aber nach drei, vier Jahren.

Als Ebert 1925 an einer verschleppten Blinddarmentzündung gestorben war, wurde Paul von Hindenburg sein Nachfolger, ein ehemaliger General und kein Freund der Republik, weshalb er sie schließlich an Hitler auslieferte. Es kommt also sehr darauf an, wer über das Schicksal eines Landes bestimmt (aber nicht nur, klar).

Heute würdigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den ehemaligen Parteikollegen Ebert mit einer Matinee im Schloss Bellevue.

Gewinnerin des Tages

DPA

Heute ist nicht der Valentinstag, der ist immer am 14. Februar, aber damit alle mitbekommen, dass der Valentinstag bevorsteht, nimmt die Bundeskanzlerin schon heute "einen Blumengruß des Zentralverbands Gartenbau entgegen", wie dpa so schön im Tageskalender für heute schreibt. Ich habe ja den Verdacht, dass der Zentralverband Gartenbau den Valentinstag und die damit verbundene Blumengrußpflicht aus nachvollziehbaren Gründen erfunden hat, aber da kann ich mich täuschen. Da es immer eine Freude ist, Blumen geschenkt zu bekommen, ist die Bundeskanzlerin meine Gewinnerin des Tages.

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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
dirkcoe 11.02.2019
1. Ich bin der Meinung
was die CDU da als Aufarbeitung veranstaltet ist einfach nur peinlich. Klar, AKK hat das Problem sich profilieren zu müssen - aber nachdem Merkel nicht kommt - der Partei praktisch den Stinkefinger gezeigt hat - ist es doch mehr ein Spiel im Sandkasten.
K:F 11.02.2019
2. CDU dem Gestern zugewandt
Aufarbeitung 2015 in Werstattgesprächen. Was wird das ändern? Eine Kanzlerin die einsame Entscheidungen trifft? Wohl kaum. Wann widmet die CDU sich der Zukunft? Nun bedeutet "konsrvativ", an bewährtem festhalten. Bedeutet das in die Vormerkelzeit zurückzukehren? Kohl sprach von geistig -moralischer-Wende. Und ist gescheitert, an seiner Spendermoral. Merkel ist gescheitert an ihren elenden, einsamen Entscheidungen. AKK will was?
stefan7777 11.02.2019
3. Es gibt keine Gesetze oder Verfassungen
die gegen einen schlechten Charakter oder Zeitgeist bestehen können. Es ist unerlässlich den Charakter von Verfassungen oder Gesetzen auch von den Organen gelebt werden. Beiderseitigkeit ist Voraussetzung! Seht Euch Trump oder die Akteure im aufkommenden Brexit an, Rupert Murdoch, Boris Johnson, Nigel Farage, im Hintergrund als "Berater" Steven Bannon. Solche Menschen orientieren sich doch nicht an Verfassungen oder Gesetzen. Es geht um eine Ideologie die vollkommen ohne den Einschränkungen auskommt und mit aller Macht verfolgt und Menschen verführt. Keine Lüge ist groß genug, dass sien nicht angewendet wird so lange es das Ego dem Ziel näher bringt. Oder glaubt ernsthaft jemand, es geht Rupert Murdoch, Boris Johnson oder gar Nigel Farage um Groß Britanien? Nein es geht um Einfluss, um Macht und vor allem um das Gefühl zu sehen, man(n) hat etwas bewegt im eigenen puren egoistischen Sinne, nicht wichtigerweise im Sinne des Gemeinwohls! Die Geschichte zeigt, es sind oft vermeidliche Nichtigkeiten, kleine seelische Verletzungen, immer ausgelöst durch persönliche mächtige Emotionen, die manche (leider) Männer dann zu ihren oft tragisch folgenreichen Handlungen treibt. Nicht umsonst spricht man vom regelrechten Rausch der Macht.
thequickeningishappening 11.02.2019
4. # Werkstattgespräch
Ich höre Dieses Wort zum Ersten Mal. Ist Dies Der Versuch, Etwas einzudeutschen Was sich nicht sinnvoll uebersetzen laesst? Workshop Conversation oder Garage Talk gibt's nicht. Workshop Meeting koennte man noch mit "Arbeitstreffen" umschreiben wobei "Workshop" Ein Wort ist Dass man nicht uebersetzen kann wie umgekehrt es kein exaktes Wort für "Doppelgänger" gibt.
testuser2 11.02.2019
5. AKK Sozialdemokratin
AKK Sozialdemokratin. Sind so schön diese Freudschen Versprecher. Nicht dass ich die Sozialdemokratie schlecht finde, aber es war schon lange klar, dass ein paar Schein-Aktionen AKK und Merkel nicht zu CDU-Frauen machen. Ich wette, AKK hatte eigentlich an anderer Stelle ihre Verbundenheit mit der Sozialdemokratie ausdrücken wollen. Es ist ihr am falschen Ort entwichen.
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