Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


der ungeordnete Brexit ist ein Schreckensbegriff, der uns seit einer Weile begleitet, aber eher als ferne Fiktion, als unwahrscheinliche Möglichkeit, so wie einst der Brexit selbst oder ein Präsident Donald Trump. Dann kam es doch so. Auch der ungeordnete Brexit rückt näher. Gestern hat das britische Kabinett darüber beraten, wie das Land aussteigt, wenn es keinen Vertrag mit der Europäischen Union geben sollte. Heute wird dazu in Brüssel die EU-Kommission Stellung nehmen.

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Heft 51/2018
Wie unsere Vorfahren unser Leben prägen

In einem Artikel auf SPIEGEL ONLINE las ich über die britische Kabinettssitzung den Satz: "Zu den Vorbereitungen gehörten Vorkehrungen, um auf Schiffen Platz für die Lieferung von medizinischen Gütern und anderen Waren nach Großbritannien zu schaffen." Mich hat dieser Satz alarmiert, vielleicht auch weil ich gerade die neue Serie "Das Boot" gesehen habe, in der es irgendwie auch um die Versorgung Großbritanniens geht, nämlich um deutsche U-Boote, die diese Versorgung unterbinden sollten.

Das kann man nicht vergleichen, ich weiß, aber für mich klingt der zitierte Satz auch nach Notlage, nach Chaos, nach einem Zustand, der nicht mehr in unsere Zeit, nicht mehr nach Europa gehört. Lasst uns bitte im 21. Jahrhundert leben, in einer halbwegs geordneten Staatenwelt.


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Paare

DPA

Gestern war der 105. Geburtstag von Willy Brandt. Helmut Schmidt wäre am kommenden Sonntag 100 Jahre alt geworden. Brandt bleibt unvergesslich wegen seiner Ostpolitik, seiner Menschlichkeit und der Söhne, die seine und ihre Geschichte immer weiter fortschreiben. Schmidt war unvergesslich, solange er lebte (und er lebte sehr lange), weil er sich in die Debatten einmischte und die Menschen irgendwann ob seines schieren Alters und seines unermüdlichen Rauchens rührte.

Als Paar sind sie wieder aktuell, weil in den Jahren 1974 bis 1982 Helmut Schmidt für die SPD Bundeskanzler und Brandt Parteivorsitzender war. Das hat nicht besonders gut geklappt, weshalb Angela Merkel lange darauf bestand, für die CDU beide Ämter zu halten. Nach schlechten Wahlergebnissen hat sie den Parteivorsitz dann doch abgegeben, Annegret Kramp-Karrenbauer übernahm. Im kommenden Jahr werden wir noch oft lesen, was bei Merkel/Kramp-Karrenbauer und Schmidt/Brandt ähnlich oder unterschiedlich ist. So sorgt auch die Geschichte mit ihren Wiederholungen für Unvergesslichkeit.

Die Glühweinfestung

Getty Images

Heute gibt es in Berlin eine Gedenkveranstaltung zum Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz. Vor zwei Jahren fuhr Anis Amri mit einem gestohlenen Lastwagen in die Menge und tötete dabei elf Menschen. Der Weihnachtsmarkt hat inzwischen den Spitznamen Glühweinfestung. Mit Pollern, Drahtkäfigen oder Betonbarrieren versucht man, einen weiteren Anschlag dieser Art zu verhindern.

Das mag gegen Lastwagen helfen, ist aber auch absurd. Der Attentäter von Straßburg kam mit Stich- und Schusswaffen und ermordete fünf Menschen. Auch am Breitscheidplatz wäre er wohl durchgekommen.

Verlierer des Tages

DPA

Mit Freude sehe ich, dass Manchester United gestern seinen Trainer José Mourinho entlassen hat. Er ist einer der fiesesten Trainer der Welt, aggressiv, eitel, missgünstig, ruchlos, brutal. Schadenfreude sei auch keine schöne Eigenschaft, denken Sie jetzt? Aber ich freue mich wirklich. Mourinho ist der einzige Trainer, der den FC Bayern, meine Bayern, in den Griff bekommen kann, solange dort Hoeneß und Rummenigge regieren. Nun ist er frei für uns.

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insgesamt 4 Beiträge
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Papazaca 19.12.2018
1. Mourinho, das negative Superlativ! Für die Bayern? Im Ernst?
Mou: der fieseste Trainer der Welt, aggressiv, eitel. missgünstig, ruchlos, brutal. Schlimmer kann man ihn ja kaum beschreiben. Und der soll nach München, Herr Kurbjuweit? Ihrem Verein? Weil nur er den Verein mit Rummenigge+Hoeneß in den Griff bekommt? Na gut, schöner Kommentar. Aber weder ernsthaft noch lustig. So wenig wie Mou. Oder Kalle und Uli. Aber selbst die beiden "Harten" würden sich einen Mou NIE antun. Die beiden brauchen keinen Special One, das sind Sie selbst auf Ihre eigene unvergeßliche Art!!!
jacobwhitephoto 19.12.2018
2. Brexit means Brexit, no deal is better than a bad deal
... ich denke solange Premierminister(innen) mit solchen slogans um sich werfen muss man sich auf das schlimmste gefasstmachen. Wenn man Britishe Medien genauer las und das ganze täglich verfolgte, dann erschien „no deal“ letztlich nie wirklich als ein fernes Szenario, sondern eins worauf die Britische Regierung durch ihre Haptlosigkeit regelrecht zugearbeitet hat. Der wirkliche Blödsinn der von BoJo, Davis, Jacob Rees Mogg, Micheal Gove und wie sie alle heißen (Farange!), kann doch nicht ohne Effekt gewesen sein. Viele Briten glauben diesen Clowns bis heute ... einige fangen an die Realität zu erfassen aber viele von denen denken nun es ist Brüssel der sie irgendwie „mobbt“ oder „bullied“... das liest man selbst in seriösen Zeitungen wie Forbes!
haresu 19.12.2018
3. Es mag ja sein, ...
...dass sich Kramp- Karrenbauer auch mal in Abgrenzung zu Merkel profilieren wird. Das muss ja auch so sein und ist wird möglicherweise sogar abgesprochen sein. Ansonsten erwarte ich wenig Dissonanzen zwischen den beiden Frauen. Beide sind dazu viel zu klug, nüchtern und uneitel. Kein Vergleich zu Schmidt und Brandt bei denen ja auch übrigens der Ältere noch Parteivorsitzender blieb und dem Jüngeren die ganze Macht verwehrte, die Situation also eine ganz andere war. Ohnehin drängt sich mir aber der Eindruck auf, dass dieser ganze Vergleich nur dem Zweck dient ein paar böse Worte über Helmut Schmidt loswerden zu können.
kochra8 19.12.2018
4. Restposten?
Randnotiz von der Kleinbühne: Vergleicht man die Schweiz, will sie den ganzen Kuchen. Bei ihrem Drängen auf eine Randposition hat die Schweiz bei der EU sich nun selber als "unter ferner liefen" hintangesetzt. Bislang wäre noch mehr möglich gewesen; das ist vorbei. Klar? Die Kulanz ist nicht erst seit jetzt überschritten! Der EU-Kommissar fühlt sich von der Schweiz düpiert. Sogar der Vorwurf der Lüge steht im Raum, wenn es um das Rahmenabkommen geht. Mittendrin: Bundesrat Ignazio Cassis. Nun wird EUseits erst einmal zugewartet, was mit den UK wird. Dieser Maßstab greift dann sozusagen genau nach dem 1/2 Jahr auch auf die Schweiz über. Glücklich für der Eidgenossen Land, wenn es bis dahin den EU-Platz dieser UK besetzt. Ansonsten wirds kalt, für beide. Egal ob es bis dann wieder Sommer wird.
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