Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


bei der CDU ist also alles klar, Angela Merkel führt die Partei zum vierten Mal in den Wahlkampf. Die CSU grummelt noch, wird aber wohl oder übel mitspielen. Es ist ein mauer Start ins Superwahljahr, Merkel wirkt matt, ihre Partei ideenlos. Merkels größter Vorteil ist: Bei der SPD sieht es nicht besser aus. Die Partei scheint nicht mal zu wissen, wer nun eigentlich der bessere Kanzlerkandidat wäre: Sigmar Gabriel oder doch Martin Schulz? Gute zehn Prozent trennen Union und SPD in den meisten Umfragen, einen solchen Abstand aufzuholen, ist so gut wie unmöglich. Eine echte "Wechselstimmung" ist im Wahlvolk auch nicht zu spüren.

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Heft 49/2016
Die Geldmeister

Das Wahljahr 2017 wird aufregend, weil sich die Parteien hart bekämpfen werden. Aber wird es auch Veränderungen in Berlin bringen? Mein Tipp, Stand jetzt: eher unwahrscheinlich.

Im Geister-Dorf

Kennen Sie Zorge? Das Dorf im Harz ist ein besonders drastisches Beispiel für die bundesweite Strukturkrise. Dort ist zu sehen, was mit einer überalterten Gesellschaft fern urbaner Zentren passiert: eine ganze Region, mitten in Deutschland, überaltert, schrumpft, verfällt. Knapp 1800 Einwohner hatte das Dorf in den Siebzigern, für 2020 rechnet man mit noch 900 Bürgern. Mein Kollege Peter Maxwill war in Zorge und hat einfach aufgeschrieben, was dort geschieht. Hier können Sie seinen erschütternden Bericht finden.

DER SPIEGEL

Was für ein Jahr

2016 ist das Jahr der Überraschungen, nicht alle davon angenehm: Die Briten stimmen für den Brexit, Donald Trump wird zum US-Präsidenten gewählt und der türkische Präsident versucht, einen deutschen Satiriker wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht zu bringen. Es gab aber auch kuriose Überraschungen, zum Beispiel den Literaturnobelpreis für Bob Dylan. Wenn Sie diese wichtigen Ereignisse noch einmal nachlesen wollen oder sich von anderen Themen selbst überraschen lassen möchten, empfehle ich Ihnen die neue SPIEGEL CHRONIK 2016. Das Heft ist von heute an im Handel (und hier als digitale Ausgabe) erhältlich.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

AFP

Gewinner des Tages

Vor einigen Jahren begegnete ich auf der Beerdigung von Ariel Scharon in Jerusalem US-Vizepräsident Joe Biden. Er trug seine typische dunkle Sonnenbrille und war der mit Abstand coolste Kerl unter den vielen abgebrühten Weltpolitikern, die sich an Scharons Sarg versammelt hatten. Viele US-Demokraten hätten sich gewünscht, dass dieser Biden gegen Donald Trump angetreten wäre. Er ließ aber Hillary Clinton den Vortritt. Nun sagt Biden, er schließe nicht aus, 2020 anzutreten. Dann wäre er zwar schon stolze 78 Jahre alt, aber das stört ihn offenbar nicht, trotzdem mit dem Gedanken zu flirten. Mutig.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Mittwoch, Ihr

Roland Nelles

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
Schneem 07.12.2016
1. Seien wir froh.
"Angela Merkel wirkt erstaunlich ideenlos." Was rauskommt, wenn die Frau alle Jahre wieder mal eine Idee hat, sah man ja bei dem hysterischen Atomausstieg und bei dem völlig durchgedrehten Willkommensgewedel mit Teddybären auch für islamische Terroristen und Kriminelle.
thequickeningishappening 07.12.2016
2. # Zorge im Harz
Geisterdoerfer werden zur Regel! Keine Laeden, keine Kneipen, kein Handwerk, keine Busverbindungen! Die Jungen sind weg, die Alten allein gelassen - tolle neue Welt?
mum_23 07.12.2016
3. Niedergang und Niedergang
ist ( noch ) Ansichtssache. Besuchen Sie mal mein Dorf. Abgase und Lärmbelästigung als gäbs kein Morgen. Und es wird weiter geplant: noch ne Neue Mitte, noch ne Firmenerweiterung. So geht Fortschritt. Geht so Fortschritt? NEIN ! Falls Sie jemals über mein Dorf berichten, wünsche ich mir , dass jeder den Bericht kostenlos zu Ende lesen darf, ohne dass nach ein paar Teaser-Zeilen das Klingelbeutel-Zeichen erscheint.
basecape-man 07.12.2016
4. noch nie wäre die merkel cdu so einfach zu schlagen wie jetzt ....
ihre müde parteitagsrede hat gezeigt nix neues von merkel nur weiterso.jetzt wäre es an der zeit von seiten der spd einen linken gegenentwurf zu presentieren.und wirklich links und nichthalb merkel halb gabriel.dabei liegen die themen auf der hand.bürgerversicherung,infastrucktur ,schulen und bildung,rechtsstaatlichkeit,u.s.w.und vorallem der mut zu sagen ja wir wollen und wenn es nötig ist auch mit der linken.nur wenn glaubhaft der eindruck ensteht das man auch regieren will kann man gewinnen.
werner_s 07.12.2016
5. Gute Überschrift
Diese Frage sollte sich Deutschland tatsächlich mal stellen. Oder besser noch: überhaupt darüber nachdenken. Und das parteienübergreifend. Momentan entsteht der Eindruck, als wenn Merkels Bereitschaft fürs Kanzleramt bereits das Wahlergebnis 2017 vorwegnimmt. Wenn von "Verlängerung" die Rede ist, suggeriert es ja quasi schon den Sieg. Zum Glück ist die Politik nicht der Profi-Fussball. Da ist es ja seit langem leider so, dass der FCB am Ende Meister wird. Egal wie sehr sich der Rest bemüht. Ein Leipzig würde der Politik gerade jedenfalls gut tun.
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