Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


in Chemnitz bleibt die Lage angespannt. Rechte Schläger gingen am Montagabend in der Stadt auf Gegendemonstranten los, die Polizei hatte Mühe, die Gruppen auseinanderzubringen. Natürlich wiederholt sich Geschichte nicht, aber dass mitten in Deutschland ein rechter Mob tobt und die Staatsgewalt überfordert ist, erinnert doch im Ansatz an die Zustände in der Weimarer Republik.

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Heft 35/2018
Die richtige Flüchtlingspolitik - ein Plädoyer

Umso seltsamer ist es, dass ausgerechnet der für die innere Sicherheit zuständige Bundesminister Horst Seehofer (CSU) bislang zu der ganzen Sache kaum etwas von Bedeutung mitzuteilen hat. Mag sein, dass einige seiner Wähler in Bayern eine klammheimliche Freude empfinden, wenn Leute mit dem Ruf "Ausländer raus" durch Chemnitz ziehen. Gleichwohl kann das nicht bedeuten, dass ein Innenminister und CSU-Chef sich feige wegduckt. Oder doch? Es wird Zeit, dass Seehofer Stellung bezieht.

Donald Trump, süchtig nach Erfolgsmeldungen

AFP

US-Präsident Donald Trump hat bei seinen Wählern so hohe Erwartungen geweckt, dass er immer wieder die Verkündigung vermeintlicher Siege braucht, um sie bei Laune zu halten. So wie jetzt bei seinem "Deal" zum Handel mit Mexiko: Trump spricht von einem "großen Erfolg", es bleibt aber ziemlich unklar, wie sich das neue Abkommen am Ende vom bestehenden Handelsabkommen Nafta unterscheiden wird. Zumal sowohl Kanada als auch der US-Kongress dem Abkommen noch zustimmen müssen, damit es Nafta wirklich ersetzen kann.

Es ist also alles wieder ein bisschen so wie bei Trumps "Deal" mit EU-Chef Jean-Claude Juncker vor der Sommerpause oder bei den Nordkorea-Gesprächen mit Kim Jong Un. Trump erreicht lediglich Zwischenetappen oder vage Absichtserklärungen, spricht aber von gigantischen Durchbrüchen, weil er hofft, dass ihm das schnelle Pluspunkte bei den Wählern einbringt. Hauptsache, die Optik stimmt.

USA und Iran streiten vor Gericht

Office of the Iranian Presidency/DPA

Der Atom-Streit zwischen den USA und Iran wird jetzt auch vor Gericht ausgefochten. Mit einer Klage gegen die US-Regierung vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag will Teheran die Aufhebung der Sanktionen erreichen, die Präsident Donald Trump gegen Iran in Kraft gesetzt hat. Iran hält sie für illegal. Heute wird die offizielle Stellungnahme der Amerikaner erwartet. Die US-Anwälte haben bereits erklärt, sie erachteten das Gericht für nicht zuständig und die Vorwürfe des Iran für unbegründet. Einen Urteilsspruch aus Den Haag dürfte Washington deshalb wohl kaum anerkennen. Gleichwohl wäre ein Sieg der Iraner vor Gericht für Washington peinlich: Die USA würden dann mit den Sanktionen offiziell gegen internationales Recht verstoßen, während Teheran sich unschuldig geben darf. Ausgerechnet.

SPIEGEL-Gespräch live im Thalia Theater

DPA

Die Welt steckt in der Krise: Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht und suchen auch in der Europäischen Union Sicherheit vor Krieg und Verfolgung. Die Beziehung der EU zu Russland ist auf dem Tiefpunkt, in ganz Europa sind rechtspopulistische Bewegungen auf dem Vormarsch. Wie geht es weiter? Welche Lösungen gibt es für die Probleme? Zu diesen Fragen veranstaltet unsere Redaktion am Mittwoch, den 5. September, eine Diskussionsrunde im Thalia Theater in Hamburg, für die es noch Karten gibt. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth, Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, und der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, Autor des Buchs "Welt in Gefahr", sprechen mit SPIEGEL-Auslandsressortleiterin Britta Sandberg. Weitere Informationen finden Sie hier: spiegel-live.de.

Gewinner des Tages...

REUTERS

... ist Warren Buffett, der Investor und Börsen-Guru aus den USA. Bei Twitter stiehlt er derzeit vielen anderen die Show. Über den Account @warrenbuffet99 werden seit Tagen Lebensweisheiten verbreitet, die viele Menschen liken und teilen. Der einzige Haken an der Sache: Laut dem Sender ABC handelt es sich um einen Fake-Account. Buffett hat mit der Sache nichts zu tun. So oder so sind die Sprüche klasse. Zum Beispiel der hier: "Gute Führung zeichnet sich durch zwei Dinge aus: Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Beides fällt schwer, deshalb gibt es so wenige gute Anführer."

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insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
ulrics 28.08.2018
1.
Seehofer erscheint völlig überfordert. Er schafft es bei Sami A. nicht die Zusicherung wegen Folter vorzulegen, reagiert wie irre, weil ein Punkt von vielen nicht durchgesetzt wird bei seinen Antimigrationsvorschlägen und jetzt noch das. Seehofer sollte endlich seine Ausreise nach Bayern arrangieren. Gegen eine Neo-SA muss man vorgehen.
StefanZ.. 28.08.2018
2. Verdienter Gewinner
Ganz erstaunlich, daß @warrenbugget99 bei der doch beachtlichen Anzahl von Tweets anscheinend keine Patzer dabeihat. Ich vermute, daß hier jemand seine sehr sorgfältig erstellte Sammlung im Schnellverfahren teilt. Und mit Patzer frei meine ich dann natürlich auch das Auskommen ohne jedwede verquere irreale Verweise auf Religionssprüche. Im üblichen Alltag nehmen wir uns kaum noch Zeit über das große Ganze und genauso wichtig das ganz persönliche Leben, seine Werte, seinen Sinn nachzudenken. Daß dieses Nachdenken, die Besinnlichkeit und die resultierenden Erkenntnisse und Verhaltensweisen fehlen zeigt sich dann bei offener Gewaltanwendung, Haß und Respektlosigkeit gegenüber Mitmenschen und der gesamten Natur.
jojack 28.08.2018
3. Eskalierender Journalismus
Der Spiegel sollte sich fragen, inwiefern die hysterische Berichterstattung dazu beiträgt, dass die Mitte der Gesellschaft sich immer weiter an den Rang gedrängt fühlt. Es sollte doch niemandem entgangen sein, dass in Chemnitz neben den üblichen Verdächtigen aus der radikalen Neonazi- und Antifa-Szene auch ganz normale Chemnitzer Bürger demonstriert haben. Wenn man deren friedlich vorgebrachten Unmut über eine aus ihrer Sicht ignorante Politik nun in einen Topf mit Ausschreitungen von Rechtsextremen wirft, dann sorgt das für Verbitterung und erhärtet das Vorurteil über die "Lügenpresse". Die Medien haben bei der G20-Berichterstattung fein säuberlich zwischen friedlichen Protestierenden und dem schwarzen Block unterschieden. Bei den Demonstrationen in Chemnitz dagegen wird eine Phobie gegen Ostdeutsche mit pauschalisierender Berichterstattung vermischt. Und um auf G20 zurück zu kommen: da hat ein krimineller Mob linksextremer Straftäter unprovoziert ganze Straßenzüge demoliert. Dagegen haben in Chemnitz die Menschen der Region aufgrund eines Mords (!) demonstriert - verübt durch kriminelle Asylanten, die durch die Politik der Bundesregierung ins Land gelangt sind.
dirkcoe 28.08.2018
4. Was sagt Seehofer?
Richtig, nichts. Unser Superhorst hat sich scheinbar endgültig in den Alkoholdunst der. Bierzelte zurückgezogen. Es ist Wahlkampf in Bayern - was interessiert den Seehofer da schon der Rest der Republik? Dabei resultieren die Zustände in Chemnitz aus vielen Jahren Dauerversagen der Union. Die panische Angst unseres Innenministers vor der AfD nimmt groteske Züge an.
echoanswer 28.08.2018
5. Wer erwartet
von Seehofer außer bierseligem Kneipenhinterzimmergeschrei etwas anderes? Die bayrische Pfeife hat außer leerem Geschwätz in seiner politischen Laufbahn noch nichts geliefert.
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