Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


die Trauerfeierlichkeiten für US-Senator John McCain sind das beherrschende Thema in den USA. Nach den ersten Zeremonien in seinem Heimatstaat Arizona wird der Sarg mit dem Verstorbenen heute im Kapitol in der Hauptstadt Washington D.C. aufgebahrt. Am Samstag folgt der große Staatsakt in der National Cathedral, anschließend wird McCain am Sitz der Navy-Akademie in Annapolis, Maryland, beigesetzt.

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Heft 35/2018
Die richtige Flüchtlingspolitik - ein Plädoyer

McCain hat die Trauerfeierlichkeiten in den vergangenen Monaten persönlich geplant - und bekanntlich auch festgelegt, dass US-Präsident Donald Trump daran nicht teilnehmen solle. "Präsident non grata" nennen ihn die US-Medien deshalb, den unerwünschten Präsidenten. Trump wird das Wochenende vermutlich auf dem Landsitz Camp David verbringen. Seine Berater hoffen, dass Trump es ertragen wird, ausnahmsweise nicht im Mittelpunkt zu stehen.

Kretschmer trifft seine Wutbürger

Getty Images

Alle blicken auf die Ereignisse in Chemnitz, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) macht in dieser Lage das Richtige: Er spricht mit den Bürgern. Am Abend stellte er sich den Fragen und Antworten der Chemnitzer, dabei wurde er auch mit "Buh"- und "Haut ab"-Rufen bedacht. Wie mein Kollege Max Holscher berichtet, beschwerten sich viele Redner über die Flüchtlingspolitik, immer wieder kam der tödliche Angriff auf den 35 Jahre alten Daniel H. zur Sprache. "Wir werden alles tun, damit dieses Verbrechen aufgeklärt und gesühnt wird", versprach Kretschmer. Gleichzeitig fordert er die Chemnitzer aber auch auf, sich klar von Rechtsextremisten abzugrenzen. Draußen vor der Halle demonstrierten 900 Anhänger der rechten Gruppierung "Pro Chemnitz". Die befürchtete Eskalation blieb jedoch aus.

Wird ein Bayer EU-Boss?

DPA

Die Kandidatur von Vize-CSU-Chef Manfred Weber für den Posten des Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei (EVP) bei der Europawahl - und damit für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten - nimmt konkrete Züge an. Nach Informationen des SPIEGEL kündigte Weber im Kreis von Parteifreunden an, dass er seine Kandidatur in Kürze vor der Fraktion in Brüssel erklären werde. Auch bei einem Treffen Webers mit Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin brachte die Kanzlerin nach Informationen des SPIEGEL keine grundsätzlichen Einwände gegen eine Spitzenkandidatur Webers vor. Die EVP will ihren Kandidaten für die Europawahlen Anfang November in Helsinki küren. Seit der vergangenen Europawahl sind die Chancen, dass der Wahlsieger danach auch Kommissionspräsident wird, deutlich gestiegen.

Berliner Flughafen - wieder ein Chef im Anflug

DPA

Lange nichts gehört vom Berliner Großflughafen BER. Was waren das für schöne Zeiten, als der versemmelte Start des Airports Deutschlands größtes Problem zu sein schien. Inzwischen wird das Drama von den meisten Menschen wohl nur noch mit einem ratlosen Achselzucken zur Kenntnis genommen. Gleichwohl wird natürlich weiter an dem Projekt gearbeitet. Angeblich soll der Flughafen nun 2020 in Betrieb gehen. Heute tagt der Aufsichtsrat der Berlin-Brandenburger Flughafengesellschaft und will entscheiden, den Bauingenieur Carsten Wilmsen vom Flughafen München als vierten Geschäftsführer anzuheuern. Ob er weiß, worauf er sich einlässt? In Berlin kennt doch jedes Kind den Spruch: Das Einzige, was am BER bislang fliegt, sind die Chefs.

Verlierer des Tages...

AFP

... ist Jeremy Corbyn. Der Chef der britischen Labour-Party beweist, dass es nicht nur bei den Rechten, sondern auch bei vielen Linken seltsame Geschichtsbilder und Verschwörungstheorien gibt. Erst wurde ihm und seiner Partei Antisemitismus vorgeworfen. Und nun ist auch noch ein Video aufgetaucht, in dem er den linken Gassenhauer verbreitet, dass die Nato gegründet worden sei, um "einen Kalten Krieg mit der Sowjetunion anzufeuern". Das ist natürlich Quatsch, weil es bei der Gründung der Nato darum ging, den Expansionismus der Stalin-Gulag-Sowjetunion einzudämmen. Aber: geschenkt. Normalerweise wären Corbyns Äußerungen keine Erwähnung wert. Doch der Mann ist Chef der größten Oppositionspartei auf der Insel und könnte sogar Premierminister werden. Wenn er sein merkwürdiges Gerede politisch überlebt. Wladimir Putin würde es bestimmt freuen.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
ansv 31.08.2018
1.
Ach, nur ein paar Wutbürger? Schönes Schlagwort. Wirkt immer, um einer Kundgebung jede Bedeutung zu nehmen. Richtig ist das nie, aber es klingt so schön einfach. Neben den paar Wutbürgern dann noch ein bisschen überforderte Polizei. Das kennen wir seit den 90ern. Schon in Hoyerswerda war die Polizei überfordert und hat lieber nur zugesehen.
gedu49 31.08.2018
2. Mal ganz anders gesehen
Da muss sich ein Mandatsträger mit einer empörten und frustrierten Menschenmenge auseinandersetzen während die Massenmedien wieder mal ihr Sensationssüppchen am Feuer wärmen. Mit eiskalter Logik betrachtet ergibt sich ein etwas anderes Bild: Die AfD nutzt einen Mord um sich indiekt zum Schirmherren für Recht und Gesetz aufzuwerten, gewaltbereite Chaoten veranstalten eine Menschenhatz , Politiker fordern die "schweigende Mehrheit" auf sich mit linken Steinewerfern zu verbünden um klare Kante gegen Rechts zu zeigen und die Presse zeigt wahrheitsgemäß alles was GEGEN die Demonstranten verwertbar ist. . Zunächst zur Presse : Welchen Sinn macht es friedliche Demonstranten mit den rechten Chaoten gleichzusetzen ? Wo sind die Bilder von den FRIEDLICHEN Demonstranten, wo die Interwievs mit diesen Menschen ? Wo blieb die Stellungnahme der Bürgermeisterin zu ihrem Vorwurf wer da mit demonstriere sei Rechter ? FALSCHE Schlussfolgerung : Wer sich bei den Rechten mitbewegt ist ein Rechter, wer sich dagegenstellt unterstützt die Mörder ? NEIN - richtig ist wohl eher, dass nicht nur die Rechten ihr eigenes Süppchen wärmen und die Wahrheit schon wieder durch tendenziöse Berichterstattung verbogen wird. Da hilft auch ein groß aufgemachtes Bürgergespräch wenig, man muss endlich bereit sein unbequeme Wahrheiten auszusprechen, das wird der AfD mehr schaden als alle Kritik. Frage : Wie soll ein Politiker eine Wahl gewinnen, wenn große Teile der Bevölkerung gegen die Politik eingestellt sind die er vertritt (vertreten muss ) ? Die Nazikeule wird wenig helfen und pauschale Beschimpfungen aller Teilnehmer an den Protesten wird die AfD nur stärken..
burlei 31.08.2018
3. Zitat: "Das ist natürlich Quatsch, weil es bei der Gründung ...
... der NATO darum ging, den Expansionismus der Stalin-Gulag-Sowjetunion einzudämmen." Die Nato wurde am 4. April 1949 in Washington D.C. gegründet und ist der Nachfolger des Brüsseler Vertrags vom 17. März 1948, der sich gegen eine erneute deutsche Aggression richtete. Im März 1947 hatte die Trump-Guantanamo-USA bereits eine Schutzmachtrolle über Griechenland und der Türkei übernommen, was damals einer militärischen Besetzung gleich kam.. PS: "Trump-Guantanamo-USA" ist natürlich völlig daneben. Ebenso völlig daneben wie die Bezeichnung "Stalin-Gulag-Sowjetunion". Wir wissen schließlich alle, dass die Sowjetunion eine Diktatur war, in der man schnell ohne Anklage, ohne Anwalt, ohne Richter in irgendwelchen Lagern verschwinden konnte. So wie eine Ähnlichkeit mit irgendwelchen von den USA gesuchten Personen ausreichte, um ohne Anklage, ohne Anwalt, ohne Richter in Guantanamo zu verschwinden.
thequickeningishappening 31.08.2018
4. Randnotiz
Der Oelpreis hat heute Den hoechsten Stand seit 5 Jahren erreicht (Tapis knapp 80 Dollar/Barrel).
wiseguyno1 31.08.2018
5. Frage:
Zitat von gedu49Da muss sich ein Mandatsträger mit einer empörten und frustrierten Menschenmenge auseinandersetzen während die Massenmedien wieder mal ihr Sensationssüppchen am Feuer wärmen. Mit eiskalter Logik betrachtet ergibt sich ein etwas anderes Bild: Die AfD nutzt einen Mord um sich indiekt zum Schirmherren für Recht und Gesetz aufzuwerten, gewaltbereite Chaoten veranstalten eine Menschenhatz , Politiker fordern die "schweigende Mehrheit" auf sich mit linken Steinewerfern zu verbünden um klare Kante gegen Rechts zu zeigen und die Presse zeigt wahrheitsgemäß alles was GEGEN die Demonstranten verwertbar ist. . Zunächst zur Presse : Welchen Sinn macht es friedliche Demonstranten mit den rechten Chaoten gleichzusetzen ? Wo sind die Bilder von den FRIEDLICHEN Demonstranten, wo die Interwievs mit diesen Menschen ? Wo blieb die Stellungnahme der Bürgermeisterin zu ihrem Vorwurf wer da mit demonstriere sei Rechter ? FALSCHE Schlussfolgerung : Wer sich bei den Rechten mitbewegt ist ein Rechter, wer sich dagegenstellt unterstützt die Mörder ? NEIN - richtig ist wohl eher, dass nicht nur die Rechten ihr eigenes Süppchen wärmen und die Wahrheit schon wieder durch tendenziöse Berichterstattung verbogen wird. Da hilft auch ein groß aufgemachtes Bürgergespräch wenig, man muss endlich bereit sein unbequeme Wahrheiten auszusprechen, das wird der AfD mehr schaden als alle Kritik. Frage : Wie soll ein Politiker eine Wahl gewinnen, wenn große Teile der Bevölkerung gegen die Politik eingestellt sind die er vertritt (vertreten muss ) ? Die Nazikeule wird wenig helfen und pauschale Beschimpfungen aller Teilnehmer an den Protesten wird die AfD nur stärken..
Sie kritisieren zurecht die falsche Schlussfolgerung, daß man nicht einfach pauschal jeden Demonstranten bei einer rechten Demonstration zum "Rechten" bzw "Nazi" stempeln darf, weil sich ddarunter gewaltbereite Chaoten befänden. Gleichzeitig behaupten Sie hier aber vollmundig, Politiker forderten die "schweigende Mehrheit" dazu auf, sich bei Gegendemonstrationen mit "linken Steinewerfern" zu verbünden (Eindeutiger Beleg hierzu?) Differenzierung, werter Forist, funktioniert in beide Richtungen!
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