Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


"Stell dich nicht so an!" Das ist ein Satz, den Depressive immer noch hören müssen. Als könnten sie es leicht ändern, wenn sie furchtbar traurig und niedergeschlagen sind. Ein Fünftel der Deutschen glaubt, eine Depression lasse sich mit einer Schokolade heilen.

App der Robert-Enke-Stiftung
Maria Irl/ DER SPIEGEL

App der Robert-Enke-Stiftung

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 11/2018
Depression: Wie gerät man hinein - wie kommt man heraus?

So ist es natürlich nicht. In unserer Titelgeschichte "Das düstere Ich" erzählen Veronika Hackenbroch und Kerstin Kullmann von Menschen, die in eine Depression gerutscht sind und wieder herausgefunden haben. Es sind Geschichten, die traurig beginnen und optimistisch enden. Eine Voraussetzung: Man muss akzeptieren, dass eine Depression eine echte, oft schwere Krankheit ist, die einer Behandlung bedarf.

Im Video: Wie helfe ich Depressiven?

DER SPIEGEL

Alles wackelt

Nichts fürchtet eine Exportnation mehr als einen Handelskrieg, und der steht nun vor der Tür, angezettelt von Donald Trump, der amerikanischen Industrien mit Zöllen auf Importe helfen will. Das mag sich die Europäische Union natürlich nicht gefallen lassen und kündigt ihrerseits höhere Zölle an. Schon droht die gefürchtete Kettenreaktion, die alles teurer macht und den Wohlstand mindert.

Xinhua /Sipa USA

In einem großen Report untersuchen wir, ob nicht Donald Trump ein bisschen Recht haben könnte mit seiner Empörung und was der neue Konflikt vor allem für die deutsche Industrie bedeuten könnte. "Dann wackelt alles", sagt einer der interviewten Experten.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Hässlicher Sieg

Marcus Söder, Marc Hujer
Tanja Sterian

Marcus Söder, Marc Hujer

Eine ganz besondere Recherche ist meinem Kollegen Marc Hujer gelungen. Er wollte wissen, wie Markus Söder so ist, und kam auf die Idee, dass er das vielleicht auf dem Tennisplatz herausfinden kann. Eine gute Idee. Söder und Hujer trafen sich zu einem kleinen Match in Nürnberg, und rund um diese Begegnung hat Hujer eine wunderbare Geschichte gestrickt. Sie finden sie unter der Überschrift "Winning Ugly" im Heft. Das war das Motto des ehemaligen Tennisprofis Brad Gilbert, den Söder bewundert hat.

Im Video: "Er hat immer etwas Provinzielles"

Michael Tinnefeld / Agency People Image

Winning ugly heißt soviel wie: mit schmutzigen Tricks gewinnen. Wie das Match gelaufen, wie es ausgegangen ist, können Sie im neuen SPIEGEL lesen.

Die Wut der Leser

Unseren Dialog mit den Lesern führen wir auch in dieser Woche weiter. In der vergangenen Ausgabe hatte Isabel Hülsen über wütende Leser berichtet, Bürgerinnen und Bürger aus der Mitte der Gesellschaft, die den Medien nicht mehr trauen, auch dem SPIEGEL nicht. Mehr als 2500 Leserinnen und Leser hat das angeregt, uns zu schreiben, ihre Kritik, ihr Lob, ihre Vorschläge, was wir besser machen könnten.

Auf drei Seiten dokumentieren wir im neuen SPIEGEL einen Teil dieser Zuschriften. Am 25. Mai werden wir dann auf einer Leserkonferenz in Hamburg mit den Leuten diskutieren, die uns geschrieben haben. Und natürlich freuen wir uns auch weiterhin über Ihre Reaktionen.

Konkurrenz um Schlafplätze

Pole Piotr P.
Mauricio Bustmamante/ DER SPIEGEL

Pole Piotr P.

Der Streit um die Essener Tafel hat den Blick auf eines der traurigsten Probleme unserer Gesellschaft gelenkt: die Konkurrenz der Ärmsten um Ressourcen. Bruno Schrep schreibt diese Geschichte fort. Er hat sich auf Hamburgs Straßen umgesehen, wo besonders viele Obdachlose aus Osteuropa gestrandet sind. Sie konkurrieren um Schlafplätze, um milde Gaben, und es sind so viele geworden, dass die Stadt sie wieder loswerden will.

Der humanitäre Ansatz führt hier zu dem Problem, das wir spätestens seit der Flüchtlingskrise kennen: Je menschlicher man sich zeigt, je mehr man hilft, desto mehr Bedürftige werden angelockt, desto mehr Zweifel an der Humanität kommen auf.

Gewinner des Tages

Per Mertesacker
Henrik Knudsen/ DER SPIEGEL

Per Mertesacker

Gegen Markus Söder Tennisspielen ist eine Sache, gegen Per Mertesacker im Fußball anzutreten eine ganz andere. Das kann weh tun. Er ist ein Fußballspieler der robusteren Art, ein Verteidiger, der keine Grätsche auslässt. Deshalb war es sicherlich weise, dass ihn meine Kollegin Antje Windmann in einem Londoner Restaurant traf, zu einem Gespräch, wie es das selten gegeben hat zwischen einem Fußballspieler und einer Journalistin. Einem offenen Gespräch.

Aktive Fußballspieler lassen fast nie in ihre Seele blicken. Sie müssen und wollen Helden sein und werden zu Kunstfiguren in einer künstlichen Welt, werden so wie ihre Avatare auf der Playstation. Antje Windmann hat Mertesacker den Vorschlag gemacht, mit ihr wie ein echter Mensch zu reden, und er ließ sich darauf ein. Was meine Kollegin da erfahren und aufgeschrieben hat, ist sehr bewegend, ist eine Rarität, ist ein Dokument über das Leben in einer gnadenlosen Welt. Lesen!

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,

Ihr Dirk Kurbjuweit

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Shantam 10.03.2018
1. Die Kunst nicht Depressiv zu werden.
Was gibt es denn in unserer Gesellschaft was Aufbauend und Förderlich ist? Turbo Kapitalismus in der Endphase, schneller , Globaler Wirtschaftswettbewerb, keine Zeit für garnichts, Noch mehr Rechnungen, weniger Geld, schneller! Arzt Medikament, keine Zeit! Schneller, schneller die 5 % brauchen noch mehr , Optimierungen ohne Ende, schneller. Was für eine bescheuerte Welt!
couprevers 10.03.2018
2. Depressionen - kein Wunder
Wenn die gesammte Politik und die Medien die Deutschen nur noch beleidigen, verunglimpfen, entrechten und beschuldigen für alle Mißstände der Welt und der Geschichte verantwortlich und regresspflichtig zu sein. Und dann noch die illegale Masseninvasion junger muslimischer Männer. Aber die Heilung ist in Sicht. Die Depression wird sich im weiteren Verlauf in nackte Angst verwandeln. Dann wars das mit der Depression.
Marhaus 10.03.2018
3. Kann ich nicht bestätigen
Schlechte Laune hatten die Menschen auch schon, als es noch keine Depressionen gab. Der Gentleman zog sich dann in seine Räumlichkeiten zurück und versuchte nicht -wie heute- den aufgeputschten Affen zu spielen.
Rassek 10.03.2018
4. Oft..
Lügen die Medien nicht, sondern verknappen die Wahrheit dadurch, daß eine Geschichte ohne ihre Entstehung erzählt wird. Flüchtlinge, die "einfach so" kommen, ohne die Erzählung, wer dort die Kriege anzettelt.Rüpelhafte Arme an der Tafel ohne die Entstehung von Hartz4. Im Sport würde sich das niemand trauen nur zu zeigen, wie der Ball über die Linie kullert...
jokermanex 10.03.2018
5. Diagnose Depression
Eine solche Diagnose (eine solche muss vorliegen, sonst wird Depression mit schlechter Laune vermischt und schön geredet) wünsche ich niemanden. I. d. R. liegt die Ursache einer diagnostizierten Depression viel, viel tiefer als "nur" die Auswüchse unserer Gesellschafts- und Wirtschaftsform.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.