DIE LAGE am 23.2.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,


natürlich ist die Aufregung um einen möglichen EU-Austritt der Briten groß. Es sollte aber mit dem Teufel zugehen, wenn die Wähler beim Referendum am 23. Juni tatsächlich dafür stimmen würden. Bisher hat noch keine Umfrage die Brexit-Befürworter klar in Führung gesehen. Und auch wenn sich Londons populärer Bürgermeister Boris Johnson jetzt für den Brexit ausspricht (komischerweise, denn er ist in Brüssel aufgewachsen), werden die Bürger ihm nicht folgen.

Schon seit den Zeiten der East-India-Company gelten die Briten als kühle Rechner. Sie wissen, dass Europa ihnen keine Nachteile bringt, sondern unter dem Strich ein Plus steht. Es wird viel über Europa gejammert, aber das war es dann auch. Schon die Schotten haben sich bei ihrem Sezessionsreferendum trotz großer Aufregung am Ende eiskalt für den Status Quo entschieden. So wird es wieder sein. Und das ist gut.

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Das übliche Blame Game

Zu den schlechten Angewohnheiten von Politikern gehört ein Spiel namens "Blame Game". Sprich: Man sucht Schuldige für die eigenen Fehler. In Baden-Württemberg, wo am 13. März eine Landtagswahl ansteht, hat CDU-Wahlkämpfer Guido Wolf schon damit begonnen. Er wolle Angela Merkel auffordern, sich in der Flüchtlingspolitik klarer von Grünen-Ministerpräsident Winfried Kretschmann zu distanzieren, wird Wolf in der "Welt" aus internen Unionsrunden zitiert.

Er hätte auch gleich sagen können: Wenn die Grünen hier in Baden-Württemberg stärker werden als die CDU, ist das nicht meine, sondern allein Merkels Schuld. Das wäre ehrlicher gewesen. Dabei weiß jeder: Der miese Zustand der CDU in Baden-Württemberg hat vor allem etwas mit Politikern wie Wolf zu tun. Er und seine Mit-Funktionäre haben den einstmals stolzen Landesverband mit jahrelangen Männermachtkämpfchen heruntergewirtschaftet. Deshalb können die Grünen jetzt lachen.

Verstehen Sie Sparen?

Noch einmal zum Thema Rechnen: Können Sie richtig mit Geld umgehen? Schon gut, Sie müssen nicht antworten. So oder so empfehle ich Ihnen die Lektüre des neuen SPIEGEL, der sich mit dem Thema Geldanlage beschäftigt. Eine Diagnose der Kollegen, die das Titelthema bearbeitet haben, lautet: Kaum ein anderes Volk in Europa spart so viel wie die Deutschen - und kaum eines spart so schlecht. Hier können Sie die Titelgeschichte lesen. Heute gibt es dazu bei SPIEGEL ONLINE außerdem noch einen klugen Test: Verstehen Sie Sparen?

Auch beachtenwert

# Sachsen: Tillich fordert von Bürgern mehr Zivilcourage

# WikiLeaks: NSA belauschte Merkel-Telefonat mit Uno-Chef

# Flüchtlingskrise: Slowenien setzt Armee zur Grenzsicherung ein

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Gewinner des Morgens

Ist für mich Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Obwohl es da wahrlich nicht viel zu gewinnen gibt, kümmert er sich weiterhin um den komplizierten Ukraine-Konflikt. Steinmeier ist zusammen mit seinem neuen französischen Amtskollegen Jean-Marc Ayrault in Kiew, um die dortige Regierung zur Umsetzung dringend benötigter Reformen zu bewegen. Mir gefällt Steinmeiers Beharrlichkeit: Außenpolitik ist eben kein Kurzstreckenlauf, sondern ein Marathon, bei dem man echte Ausdauer braucht, um zu Erfolgen zu kommen. Hier können Sie die Analyse des Kollegen Moritz Gathmann zur Lage in der Ukraine lesen.

Geburtstage

Wiktor Juschtschenko, Ex-Präsident der Ukraine, 62.

Karin Wolff (CDU), ehemalige hessische Kultusministerin, 57.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Roland Nelles, Mitglied der Chefredaktion, SPIEGEL ONLINE

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
belstaffini 23.02.2016
1.
..vermutlich, ist er für den Brexit, weil er in Brüssel aufgewachsen ist.
wiesnase111 23.02.2016
2. Brexit
Ich bin da fuer. Die ganze EU ist gescheitert,denn jeder sucht nur seinen Vorteil.Wenn es mal darum geht gemeinsame Staerke zu zeigen,guckt jeder lieber weg. Also... sowas brauchen wir nicht.Ich konnte vor her genauso gut reisen und Geschaefte machen.
rumans 23.02.2016
3. Brexit, die Schotten nehmen nochmal Anlauf,
treten aus GB aus, in EU u. Euro ein. England kommt wieder ohne Extrawürste. EU räumt den Finanzplatz London, und ist frei von den USA, mit denen man sich aber frei und fair wieder verbünden kann.
perutti 23.02.2016
4. Warum nur ...
... hat sich Europa dann erpressen lassen? Erst die Drohung von Cameron, nur mit einem Sonderstatus bleiben zu wollen - und jetzt: "Es wäre eine Katastrophe, wenn GB sich gegen Europa entscheidet!" Ich glaube nach wie vor, dass ein Austritt vor allem den Briten selbst schadet - sie wären also auch ohne Zugeständnisse geblieben... Schön blöd, EU!
Jobuch 23.02.2016
5. Brexit
Wenn der Autor der Meinung ist, daß es gut ist, den Status Quo zu erhalten, dann toleriere ich seine Meinung, aber ich bin anderer Meinung. Nur durch einen Brexit käme diese EU endlich ins Wanken - und für das wäre mir JEDES Mittel recht.
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