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DIE LAGE am 14.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,

in drei Ländern haben die Bürger gewählt - das Ergebnis erschüttert die Republik. Die Kanzlerpartei CDU hat überall verloren, Hoffnungsträgerin Julia Klöckner ist entzaubert, die AfD etabliert sich als neue Rechtspartei. Regiert wird künftig vor allem in Großen Koalitionen oder exotischen Dreierbündnissen mit Beinamen wie "Kenia" oder "Jamaika". Noch etwas hat das Wahlergebnis gezeigt: Man kann mit der Flüchtlingspolitik von Angela Merkel Wahlen gewinnen. Nur in der CDU sollte man dann nicht sein.

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Windfall-Profit

Für eine Partei, die in zwei Bundesländern hinter die AfD zurückgefallen ist, herrschte bei der SPD am Wahlabend gespenstisch gute Laune. Von "aufgeräumter Stimmung" berichtete mein Kollege Horand Knaup aus dem Willy-Brandt-Haus. Viel Parteiprominenz, großes Gedränge. Selbst SPD-Chef Sigmar Gabriel wirkte entspannt, Malu Dreyer sei Dank. Gabriel hat in den vergangenen Wochen in die unterschiedlichsten Richtungen geblinkt, sie hat Kurs gehalten - und ihrem Parteichef so womöglich den Job gerettet. In der Wirtschaft würde man das wohl einen Windfall-Profit nennen.

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Die GröWaZ

Im TV-Wettbewerb der beiden AfD-Frontfrauen Frauke Petry und Beatrix von Storch (die eine bei Anne Will, die andere bei Maybrit Illner) machte die adlige Rechtspopulistin die bessere Figur. Sie dozierte, wo die andere zankte und gefiel sich sichtlich in der Rolle der GröWaZ, der größten Wahlgewinnerin aller Zeiten.

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Dieselgate

Es haben schon viele Konzernlenker der Deutschland AG ihren Job verloren, weil sie mit den US-Behörden nicht klarkamen: der frühere Siemens-Boss Heinrich von Pierer, der einstige Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain. In der Dieselgate-Affäre gerät jetzt VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch unter Druck. Am Wochenende wurde bekannt, dass er viel früher über die Manipulationen an der Abgas-Software informiert gewesen sein könnte als bislang bekannt. Pötsch glaubt immer noch, den Skandal ohne weitere personelle Konsequenzen überstehen zu können. Das wird nicht funktionieren. Die Treppe wird von oben gekehrt - so lautet die Philosophie der amerikanischen Bürokratie.

Armes, reiches Land

Nur zehn Minuten vom Berliner Regierungsviertel entfernt, im Soldiner Kiez im Bezirk Wedding, organisiert Politiklehrer Herbert Weber Nachhilfekurse für Kinder aus bildungsfernen Schichten. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Beitrag im Kampf gegen die wachsende Spaltung zwischen Arm und Reich, dem der SPIEGEL in dieser Woche seine Titelgeschichte widmet. Der Staat gibt zwar jedes Jahr Hunderte von Milliarden Euro für soziale Gerechtigkeit aus. Doch Webers Projekt steht auf der Kippe, die Finanzierung ist nicht gesichert. Merke: Nicht überall, wo Sozialstaat draufsteht, ist auch Sozialstaat drin.

Auch beachtenswert

# Nach Anschlag in Ankara: Erdogan kündigt entschlossenen Kampf gegen Terroristen an

# Hannover: Unbekannter erschießt 21-Jährige bei Hochzeitsfeier

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Gewinner des Morgens...

ist Winfried Kretschmann. Der baden-württembergische Ministerpräsident ist auf dem besten Weg, zum zweiten grünen Staatsmann nach Joschka Fischer aufzusteigen Der gelernte Umwelt-Experte zeigt sich als Genosse der Bosse und gibt so überzeugend den knurrig-konservativen Landesvater, dass sich Ältere schon an Erwin Teufel erinnert fühlen. Jetzt will ihm ausgerechnet die Teufel-Partei mit einem hinterlistigen Plan die Macht entreißen, indem sie mit SPD und FDP die sogenannte "Deutschland-Koalition" schmiedet. So muss man es machen, wenn man dem Wähler den Mittelfinger zeigen will.

Geburtstage

Boris Pistorius (SPD), niedersächsischer Innenminister, 56.

Bernhard Worms (CDU), Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit unter Norbert Blüm, 86.

Ich wünsche Ihnen einen gelassenen Start in die Woche, Ihr

Michael Sauga, Leiter Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Erschüttert?
Crossi71 14.03.2016
Ich sehe überall nur Jubel in BW! Die Grünen jubeln (wie lange noch), sogar die CDU jubelt (hinterlistig), die SPD jubelt (für andere), die AfD (zu Recht), nur die Linken heulen, für die gab es wirklich in keinem Land was zu holen.
2. Olaf Scholz for Kanzler!
tobilechat 14.03.2016
Bei mir sieht es so aus: Frau "Yezzz, we can" und Mr. "Sozusagen" traue ich sozusagen nichts mehr zu. Nächstes Jahr braucht es unverbrauchte Köpfe, beispielsweise Olaf Scholz. Und warum nicht den ersten deutschen Kanzler mit Migrationshintergrund: Cem Özdemir. Diese GroKo wird bis zu den nächsten Bundestagswahlen noch Mal kräftig unter die Räder von Rechtsaußen geraten, wenn nicht komplett überrolt werden. Ich möchte ein emanzipiertes und vor allem souveränes Deutschland und nicht Obamas Chiwauwau sein.
3. Ach ja, mal wieder Köln!
Spiegelleserin57 14.03.2016
Und dieses Mal waren es keine Flüchtlinge. Da zeigt sich doch dass in dieser Stadt wohl andere Sitten auch unter den Deutschen herrschen. Also sollte man auch die anderen Ereignisse mal kritisch untersuchen. Es scheint so dass Randalieren, Pyrotechnik etc, natürlich gepaart mit Alkohol etc. dort gängige Praxis sind. Bin sehr gespannt wann sich die ersten Damen wegen Übergriffen melden, die dürften doch auch stattgefunden haben!
4. Billiger Alarmismus
Bueckstueck 14.03.2016
Republik erschüttert? Quatsch. Wahlen gewonnen? Wer denn, die afd? Gewonnen!? Quatsch. Jetzt, da Merkel die Lösung des Problems weit nach südosten verschoben hat und die "Flüchtlingsinvasion" von einem Tag auf den anderen gestoppt ist, ist der Schaden für ihre Partei zwar längst da, aber der Rechtspartei gehen jetzt auch schleichend die Argumente verloren - sonst haben sie ja keine Themen mehr. Und wer auf Protestwähler baut, baut auf Sand. Der Frauke, der braunen Braut, wird das Grinsen wieder aus dem Gesicht fallen, nur eine Frage der Zeit...
5. Es ist vielmehr..
ikarus2015 14.03.2016
...eine Flüchtlingspolitik die die Bürger seit Monaten erschüttert und der angestrebte fragwürdige Deal mit der Türkei habe der CDU isb in Baden Württemberg und Rheinland Pfalz den Rest gegeben! Ich denke nicht dass all zu viele Bürger über dieses Ergebnis so erschüttert sein werden, ging es doch darum einen Denkzettel zu geben.
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