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DIE LAGE am 12.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich in der Chefredaktion die Geschäfte führe, wie in dieser Woche, lese ich jeden Text, also viele tausend Sätze. Am meisten beschäftigt mich diesmal dieser: "Das Land ist dabei, ein neues Syrien zu werden." Mein Kollege Christoph Reuter hat diesen Satz geschrieben, nach einer Reise durch Libyen. Fesselnd beschreibt er ein Land, das von einem Bürgerkrieg verschlungen wird. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.) Der IS breitet sich aus, Chaos, Elend. Und Libyen hat eine lange Mittelmeerküste. Man ist schnell in den Booten, die nächste Flüchtlingswelle steht bevor. Nun muss sich zeigen, ob die Weltgemeinschaft gelernt hat. Es war ein Fehler, die Dinge in Syrien laufen zu lassen. Es war ein Fehler, nur kurz in Libyen einzugreifen und das Land dann im Stich zu lassen. Eingreifen und lange, lange bleiben ist die Strategie, die noch nicht ausprobiert wurde.

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REUTERS

Merkels Spielchen

Der Versuch, sein Gesicht zu wahren, ist immer eine gute Gelegenheit, sein Gesicht zu verlieren. Beim Gipfel in Brüssel kämpfte Angela Merkel darum, dass der Satz "Diese Route ist nun geschlossen" nicht im Abschlusskommuniqué auftaucht. Der Satz ist wahr. Österreich und andere Staaten haben die Balkanroute für Flüchtlinge geschlossen. Aber Merkel wollte genau das vermeiden und ist damit gescheitert. Nicht das ist peinlich, sondern der Versuch, die Wahrheit zu kaschieren. Im Kommuniqué steht jetzt: Bei den Migrationsströmen "ist nun das Ende erreicht". So klingt es nicht mehr nach aktiver Politik, sondern nach höherer Macht. Das ist Kinderkram, Zeitverschwendung. Meine Kollegen aus Berlin, Brüssel und Paris erzählen im neuen Heft, wie Merkel Macht und Ansehen in Europa einbüßt, auch mit solchen Spielchen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Reich macht traurig

Unsere Titelgeschichte befasst sich in dieser Woche mit den Armen und den Reichen und stellt fest: Die Reichen werden reicher. Die Frage ist: Was haben sie davon? Eine interessante Antwort gibt die Anthropologin Wednesday Martin im Gespräch mit meiner Kollegin Susanne Amann. Martin lebte über Jahre in der Upper East Side von New York, unter den Superreichen. Als Anthropologin hat sie alles genau beobachtet, vor allem die Frauen, die durchschnittlich im Jahr 95.000 Dollar für ihr Aussehen ausgeben. Diese Frauen, sagt Martin, seien "eigentlich tieftraurig". Ich bin, hoffe ich, frei von Sozialneid, aber wenn das so ist, bin ich entschieden für mehr Umverteilung. Alle hätten etwas davon, die Armen und die Reichen. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

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Gewinner des Morgens

Meine Lateinkenntnisse sind trotz eines Großen Latinums bescheiden. Aber den Satz Homo homini lupus habe ich mir gemerkt. Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen. Man ist nicht nett miteinander. Beispiele: täglich in den Zeitungen. Nach der Lektüre eines Textes meines Kollegen Hubert Gude im neuen SPIEGEL dachte ich, dass der Satz auch sinnvoll ist, wenn man das mittlere Wort austauscht. Homo lupo lupus. Der Mensch ist ein Wolf für den Wolf. Gude beschreibt, wie die Regierung von Niedersachsen dem Wolf Kurti einen Denkzettel verpassen will. Er hatte sich Menschen genähert und soll, damit das nicht wieder vorkommt, vergrämt werden, wie es unter Wolfsexperten heißt, mit Brüllerei und Gummigeschossen. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.) Kurti aber hat alle Vergrämungsversuche souverän ins Leere laufen lassen, ist deshalb jetzt ein Vorbild für mich und mein Gewinner des Morgens.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr

Dirk Kurbjuweit, stellvertretender Chefredakteur DER SPIEGEL

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1. Stimmt nicht
rgw_ch 12.03.2016
Entschuldigung, aber "Eingreifen und dann lange bleiben" ist die Strategie, die mit desaströsem Ergebnis in Irak und Afghanistan durchgeführt wurde. Die einzige Strategie, die jahrzehntelang nicht mehr ausprobiert wurde ist: "Keine Waffen liefern, keine Geschäfte mit Despoten machen, und andere Staaten ansonsten in Ruhe lassen." Die sollte man vermehrt wieder anwenden.
2. eher war es ein Fehler, sich in Syrien und Libyen überhaupt einzumischen.
unalom 12.03.2016
Wir haben kein Rezept, diese Länder zu befrieden und sollten deswegen uns aus den innerarabischen Konflikten heraushalten. Alles, was wir in militärischer Hinsicht tun, macht die Lage noch schlimmer. Diejenigen, mit denen wir heute unsere Probleme haben, die waren vor kurzem noch unsere Verbündeten im Kampf gegen die jeweiligen Diktatoren. Aber gibt es überhaupt ein arabisches Land, das keine Diktatur ist.? Und würde die vom Westen forcierte Demokratisierung der arabischen Welt dort nicht ebenso als Vergewaltigung empfunden werden, wie wenn wir zum Islam zwangsbekehrt werden würden?
3.
herr wal 12.03.2016
Die Bildfolge Bild 1, Bild 2 ist sehr aufschlußreich. Man sollte sie mehrmals hintereinander abspielen und auf sich wirken lassen. Die Härte gegenüber seinen Gegnern ist ein wichtiger Teil seiner Kandidatur. Seine Anhänger lieben an ihm das Autoritäre, und Wolf Kurti versucht nicht zuletzt mit der öffentlichen Demütigung von Protestlern, das Image des starken Anführers zu unterstreichen. Zuletzt schien er Konflikte auf seinen Veranstaltungen regelrecht anstacheln zu wollen.
4. Am Montag nach der Wahl
localpatriot 12.03.2016
Die Kanzlerin hat Schwierigkeiten neue Einsichten zu absorbieren und die Erkenntnis mit welcher Vehemenz die von ihr ausgelöste Völkerwanderung stattfindet, dämmert offensichtlich nur langsam. Libyen läuft bereits und Tunis fängt gerade an. Eine weitere Völkerwanderung findet unter ihren Wählern statt: Der rechte Flügel bricht ab und stärkt die neue Randpartei. Politische Treue geht in beide Richtungen. Man mag Menschen mit einer derartigen Gesinnung nicht positiv gegenüber stehen, aber wer auf sie als Wähler angewiesen muss sich mit dem Entfremden etwas zurückhalten.
5. lieber herr Kurbjuweit,
gehirngebrauch 12.03.2016
da liegen sie aber auf der ganzen linie daneben, denn.........lange, lange bleiben ist die Strategie, die noch nicht ausprobiert wurde......diese strategie haben die russen schon 1945 in osteuropa und 1979 in afghanistan ausprobiert. im ersten fall 45 jahre okkupation und momentaner zusammenbruch des "ostblocks" mit unbekannter zahl von toten bei aufständen und am "eisernen vorhang", im zweiten fall ungefähr 14.000 tote okkupanten und unbekannter anzahl zivilopfer. die gleichen fehler wurden im iraq und lybien gemacht, wo demokratisch zusammengebombt wurde. dabei ging es dort nur um erdöl und erdgas. in syrien hat sich zum pech des westens russland eingemischt. merkel hat als führungskraft deutschlands voll versagt, das war schon vor jahren erkennbar. politik hat eben nichts mit physik zu tun. bei diesem dreckigen geschäft kann man eben nicht mit sauberen physikformeln arbeiten. na und der wolf ist seit jahrhunderten schon ein ziemlich großes raubtier und kein kuscheltierchen. übrigens ist deutschland auch ganz gut ohne den wolf ausgekommen. die gentechnologien erlauben es vielleicht einmal den säbelzahntiger neuzuerwecken, der ist dann bestimmt nicht so scheu dem menschen gegenüber.
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