Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

DIE LAGE am 20.2.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,

was denken Sie, wenn Sie den Begriff Weltkrieg hören? An etwas, was wirklich passieren könnte, jetzt, in unserem Leben? Die beiden Weltkriege sind fern, der Kalte Krieg auch, und in den Neunzigerjahren war von einem nahenden Weltkrieg kaum noch die Rede, erfreuliche Thesen von einem "Ende der Geschichte" kamen in Umlauf. Nun aber sind die alten Begriffe wieder da. Russlands Premier Dmitrij Medwedew sprach von einem neuen Kalten Krieg und warnte vor der Gefahr eines Weltkrieges, und im aktuellen SPIEGEL beschreiben meine Kollegen in verschiedenen Artikeln eine weltumspannende Gereiztheit: zwischen dem Westen und Russland, der Türkei und Russland, Iran und Saudi-Arabien. In einem SPIEGEL-Gespräch, das meine Kollegen Samiha Shafy und Bernhard Zand mit dem saudi-arabischen Außenminister Adel al-Jubeir geführt haben, taucht der Begriff Weltkrieg auch auf. Der Außenminister nennt die vielen Akteure, die am Syrienkrieg beteiligt sind, dann aber sagt er: "Ich glaube nicht, dass in Syrien der dritte Weltkrieg ausbricht." Damit in dieser Region ein politischer Prozess beginnen könne, müsse der syrische Präsident Baschar al-Assad abtreten. "Die andere Option ist, dass der Krieg weitergeht und Assad besiegt wird." Das ganze Gespräch finden Sie hier.

Hier in einem Schritt bestellen:

Ende der Geschichte

Das Diktum vom "Ende der Geschichte" beschreibt eine Illusion. Geschichte wiederholt sich zwar nie, jedenfalls nie eins zu eins, aber sie endet auch nie. In mehreren Artikeln im neuen SPIEGEL klingt an, wie sich zum Beispiel der Kolonialismus auswirkt auf heutige Tage: Mein Kollege Alexander Smoltczyk hat sich gemeinsam mit dem Fotografen Maurice Weiss in Paris auf die Spur des Attentäters Samy Amimour begeben, der als Busfahrer auf der Linie 148 gearbeitet hat. Entlang dieser Linie trafen meine Kollegen auf verbitterte Menschen. "Frankreich hat sich nie für den Algerienkrieg entschuldigt", sagt ein Gastwirt. Einige seiner Kunden würden deswegen nach einem Attentat nie die Trikolore aus dem Fenster hängen. Zu einem Video, das wir zu diesem Text produziert haben, kommen Sie hier.

Im Kulturteil des SPIEGEL empfiehlt mein Kollege Nils Minkmar den Roman "Der Fall Meursault". Hier schreibt der algerische Schriftsteller Kamel Daoud den berühmten Roman "Der Fremde" von Albert Camus fort und legt dar, dass der Hang zum Islamismus im heutigen Algerien als direkte Folge kolonialer Verbrechen zu verstehen ist.

Robert Mugabe Zur Großansicht
REUTERS

Robert Mugabe

Und der SPIEGEL-Afrika-Korrespondent Bartholomäus Grill porträtiert im Auslandsteil des neuen Heftes Robert Mugabe, den Staatschef Simbabwes, der einmal ein Held des antikolonialen Befreiungskampfs gewesen ist, längst aber als oberster Gewaltherr seines Landes gilt. Morgen, am Sonntag, feiert Mugabe seinen 92. Geburtstag. "Viele hoffen, dass er bald zu den Ahnen geht", schreibt Grill. "Unvorstellbar, dass ich diese Hoffnung einmal teilen würde, damals, als ich Mugabe noch bewundert habe." Hier lesen Sie das Porträt.

Anfang der Geschichte

Jede Generation findet irgendetwas, was sie partout anders machen will als die vorherige, somit will jede Generation das Ende einer bestimmten Geschichte einläuten - und fängt doch nur eine neue an. Junge Eltern möchten heute Partner ihrer Kinder sein, sie wollen aber auch Talente aus ihnen herausholen, die vielleicht gar nicht da sind. "Zahlreiche Mütter und Väter haben tatsächlich das Vertrauen verloren, dass ihr Kind schon irgendwie gut durchs Leben kommen wird. Also versuchen sie mit maximalem Einsatz, diesen Mangel an Zuversicht auszugleichen", sagt der Hamburger Kinderpsychologe Michael Schulte-Markwort im SPIEGEL-Gespräch mit meiner Kollegin Katja Thimm. Hier können Sie es ganz lesen.

Auch beachtenswert

# Italien: Schriftsteller Umberto Eco ist tot

# Brüssel: EU einigt sich mit Briten auf Reformpaket

Meryl Streep Zur Großansicht
AFP

Meryl Streep

Die Gewinner des Tages

… werden am Samstagabend in Berlin ausgezeichnet: Auf der Berlinale verleiht die Jury unter dem Vorsitz von Hollywoodstar Meryl Streep goldene und silberne Bären. Wer gewinnt? Die Favoriten vieler Kritiker waren in diesem Jahr zwei großartige Dokumentarfilme: "Zero Days" von Alex Gibney zeigt, wie Computerhacker der NSA und aus Israel das iranische Atomprogramm sabotierten. Und der italienische Regisseur Gianfranco Rosi dokumentiert in "Fuocoammare" den Alltag der Bewohner von Lampedusa und das Leid der Flüchtlinge, die vor der Mittelmeerinsel in Seenot geraten.

Wenn für die Preisvergabe der Applaus des Publikums den Ausschlag geben würde, müsste sich Meryl Streep allerdings selbst einen Bären verleihen. Jeder ihrer öffentlichen Auftritte in Berlin wurde umjubelt; Journalisten freuten sich, dass die Schauspielerin um neun Uhr morgens gemeinsam mit ihnen im Kino saß. "Ich dachte ja, meine Karriere wäre mit 38 Jahren vorbei", erzählte Streep, mittlerweile 66, bei einem Podiumsgespräch im Theater Hebbel am Ufer. "Normalerweise bekam man ab 40 nur noch Rollen als Hexe oder alte Schreckschraube angeboten", Kunstpause, "ich aber habe erst vor zwei Jahren in der Musicalverfilmung ,Into the Woods' eine Hexe gespielt."

Immer also kommt es anders. Aus der Geschichte lässt sich viel lernen, die Zukunft aber können wir nie sehen.

Insofern wünsche ich Ihnen ein Wochenende voller Zuversicht und eine spannende Lektüre des SPIEGEL,

herzlich

Ihre

Susanne Beyer

Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen
Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ...
olivier-jrk 20.02.2016
Ausgerechnet bei so einem Thema auf eure Bezahl App zu verweisen?! - Ich bin übrigens SPIEGEL Abonnent!
2. Es stimmt schon
jkrose 20.02.2016
Putin ist nur so mächtig wie der Westen schwach ist. Es wird Zeit dass die Nato und damit auch Deutschland in Syrien eine Flugverbotszone erklärt und durchsetzt. Durchsetzt auch indem man nötigenfalls eindringende russische Flugzeuge abschiesst. Nur wenn man Putin vom hybriden Krieg weg zu einer direkten Konfrontation zwingt, nur dann wird er sich zurückhalten. Weil Russland nicht so stark ist wie wir glauben sollen. Der Westen muss nur den Mut finden mutig aufzutreten und nicht immer nur ans Geschäft zu denken.
3. Ja,ja die Geschichtsvergessenen:Chamberlain unterschrieb
analyse 20.02.2016
1938 das Münchner Abkommen und wurde zu Hause jubelnd aks Friedensbringer begrüßt.In den 1.Weltkrieg ist Europa nach neuesten Erkenntnissen "hineingeschliddert",Kein Einzelereignis war Kriegsgrund !Und in der Gegenwart?:Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion,schwafelten die Journalisten von der anbrechenden Friedenszeit und später jubelten sie über den arabischen Frühling:Dort bricht jetzt die Demokratie aus,lauter gut ausgebildete junge moderne Leute,werden dafür sorgen Und wer hätte gedacht,daß Rußland in Syrien eingreift,und dieTürkei ein russisches Flugzeug abschießt? Alles nicht so schlimm in Nordkorea,ist ja noch nicht mal ne richtige Wasserstoffbombe !
4. Der nächste Weltkrieg wäre auch der letzte Weltkrieg.
event.staller 20.02.2016
Und ein Krieg ohne Sieger. Das weiß auch Herr Medwedew. Anstatt dafür zu sorgen, daß aus dem Kalten Krieg ein Warmer Frieden wird, facht er allein mit seiner "Warnung" die Glut der weltweiten Brandherde weiter an. Aus der Geschichte nichts gelernt.
5. Wie erfrischend...
arthurspilgrims 20.02.2016
...früh aufzuwachen und zu lesen, was wirklich in der Welt geschieht. Endlich mal nichts über Brexit, die Frittenattacke von Frau Merkel, Afd, Pegida, die allesfalschmachenden Griechen und natürlich die Flüchtlinge. Ich habe - und dass als Mann - schon immer gesagt, das Frauen die besseren Redakteure sind. Vielen Dank Frau Beyer. Ich wünsche mir das Sie öfters diese Kolumnen in die Hand nehmen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr dazu im SPIEGEL


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: