Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

DIE LAGE am 10.3.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,

am Dienstag kamen an der deutschen Grenze noch 160 Flüchtlinge an. Angela Merkels Ziel, die Flüchtlingszahlen deutlich zu reduzieren, ist damit erreicht. Nur verdankt sie das nicht ihrer Politik, sondern den Ländern der Balkanroute, die ihre Grenzen dichtgemacht haben. EU-Kommissionspräsident Donald Tusk dankte ihnen dafür per Twitter. Damit, so Tusk, seien Beschlüsse des Gipfels am Wochenanfang umgesetzt. Beschlüsse, unter denen die Unterschrift von Kanzlerin Merkel steht. Manchmal frage ich mich, warum es Politikern so besonders schwer fällt, zuzugeben, wenn sie einen Fehler gemacht haben.

Hier in einem Schritt bestellen:

Zur Großansicht
AP

Aus Versehen abgeschrieben

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen darf ihren Doktortitel behalten. Schwein gehabt, sagt man da. "Klare Mängel" stellte die Medizinische Hochschule Hannover fest, aber "kein durch Täuschungsabsicht geleitetes Fehlverhalten". Ein klarer Fall von abgeschrieben aus Versehen. "Nur" 20 Prozent der Arbeit sind fehlerhaft! Das sollte man sich mal in einem anderen Job leisten, als Journalistin zum Beispiel. Jedenfalls finde ich immer noch, dass das Ganze eine Menge Fragen aufwirft: über den Charakter medizinischer Doktorarbeiten und über den Charakter der Ministerin. Aber wahrscheinlich kann man von keiner Hochschule verlangen, dass sie eine Entscheidung fällt, die geschätzt 95 Prozent ihrer Doktortitel in Frage gestellt hätte. Was mich versöhnlich stimmt: Wir haben also weiterhin eine Oberkommandierende, die über die wohltuende Wirkung von Bädern bei Schwangeren mit Blasensprung promoviert hat. Wie das Leben so spielt.

Zur Großansicht
DPA

Rechtspopulistischer Größenwahn

Die AfD-Europaabgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell (Lebensgefährte von Parteichefin Frauke Petry) sollen aus der EKR-Fraktion des Europaparlaments ausgeschlossen werden. Dahinter wittern die beiden Verschwörungstheoretiker ein Zusammenspiel führender europäischer Staatschefs. Hinter dem Manöver ihrer Fraktionskollegen stehe, so ließen sie in einer Pressemitteilung wissen, das "Amok-Paar Merkel-Cameron", das in diesem Manöver "seine letzte Chance" wittere. Unter der Überschrift "Cameron kämpft um sein politisches Überleben" erläutern die beiden AfDler, wie Merkel mit diesem Schachzug die Landtagswahlen retten und Cameron den Brexit verhindern will. Gesunde Selbstüberschätzung, kann man da nur sagen: Think Big - auch, was deine Feinde angeht.

Auch beachtenswert

# AfD-Demo in Jena: Polizei entschuldigt sich für rechte Zeitschrift in Einsatzfahrzeug

# Österreichs Innenministerin Mikl-Leitner: "Die Balkanroute bleibt geschlossen"

# US-Republikaner: Rubio "nicht ganz stolz" auf persönliche Attacken gegen Trump

Gewinnerin des Morgens

Ist für mich die Schriftstellerin Alina Bronsky. Die vierfache Mutter hat zusammen mit ihrer Freundin Denise Wilk (sechs Kinder) in dieser Woche ein wütendes Buch herausgebracht. "Die Abschaffung der Mutter" heißt es und prangert die fehlende Wertschätzung von Müttern in unserer Gesellschaft an. Es ist ein mutiges Buch, weil Bronsky Positionen vertritt, mit denen man sie leicht in die konservative Ecke rücken kann. Dort sieht sie sich aber nicht. Ich sehe das Buch als wichtigen Beitrag auf der Suche nach einer echten Vereinbarkeit von Mutterschaft und Karriere.

Zur Großansicht
DPA

Geburtstag

Hans-Peter Friedrich, CSU-Politiker und Ex-Bundesinnenminister, 59.

Mit herzlichem Gruß,

Christiane Hoffmann, stellvertretende Leiterin Hauptstadtbüro DER SPIEGEL

Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen
Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Alles auf einem guten Weg?
tolate 10.03.2016
Damit seien Beschlüsse des Gipfels umgesetzt. Geht Realitätsverweigerung noch krasser? Ja, mit dem Fazit, Angela Merkels Ziel sei erreicht. "Recht so Jungs macht nur weiter so, ihr kriegt alles noch kaputt, so der Text eines nicht sehr bekannten Schlagers. Diese Zuversicht kann man teilen, angesichts der ratlosen politischen Auseinandersetzungen, der Realität, der bereits sichtbaren Folgen der Zuwanderung und der noch bevorstehenden Zuspitzung. Eines ist sicher: Fehlentwicklungen laufen schneller ab, als sie wieder rückgängig gemcht werden können. Das jetzige Unternehmen Schutz in Deutschland ohne Limit kann das bestätigen, und dann sind die Folgen sehr lange spürbar.Die großzügigen Exporte gespendeter und gesponserter Lebensmittel und anderer Güter für das notleidende Afrika sollten da eine Warnung sein: sobald größere Teile von Gesellschaften sich darauf verlassen, ist das kaum mehr zu ändern. Auswandern heißt, hier das selbe fortzusetzen. Bereits jetzt sind manche kinderreiche Familien besser gestellt mit Hartz IV als mit einer mäßig bezahlten Erwerbsarbeit. Die negativen Folgen sind schon lange sichtbar.
2. Immerhin ...
rolf.scheid.bonn 10.03.2016
hat Frau von der Leyen mit Ihrer Promotion etwas wissenschaftlich Sinnvolles geleistet. Andere schaffen nicht mal ihr Studium und werden mit harten Drogen erwischt und machen trotzdem (oder gar deswegen?) Karriere in der Politik.
3. Papier und Bleistift gegen Unrecht und für die Wahrheit
Halcroves 10.03.2016
Warum existiert der gehobene Zeigefinger nur im Öffentlich - Rechtlichen Medien ? Kritik in privat Medien sind nicht vorhanden oder nur beschränkt. Das ist das System Geld. Die Hand die mich füttert fress ich nicht. Die SPD wäre nicht das, was sie geworden ist und die AFD gäbe es in der Form nicht. Spitzt endlich eure Bleistifte an. damit sich was ändert. Keiner will einen neo liberalen Größenwahn.
4. Schließung der Balkan-Route
Korf 10.03.2016
Ich frage mich, Frau Hoffmann, welchen Politiker Sie meinen, der welchen Fehler gemacht haben soll. Ihre Formulierung ist relativ unprofessionell nach allen Seiten offen.
5. Fabulieren ?
Xantos73 10.03.2016
Das Wort ist ein Unwort, da es eine klare Botschaft des Autors und seines Meinungsbildes über die Aussage einer anderen Person ist. Das Wort ist eines neutralen Journalisten nicht würdig Frau Hoffmann. Sie disqualifizieren sich mit der Verwendung solcher Wörter als neutrale Berichterstatterin selbst. Aber es ist zu vermuten das sie diesen noblen Anspruch an Ihre Arbeit schon länger nicht mehr haben, wenn ich an andere Artikel aus Ihrer Hand denke. Da sie aber solche Unworte nutzen, werden Sie somit für mich auch zur Unperson. Ich kann Ihre Artikel intellektuell nicht mehr für voll nehmen. Da Sie aber über eine gute Bildung verfügen scheint es mir das Sie mit diesem Umstand willendlich leben von einem gewissen Teil der Leserschaft in ihrem meinungsbildenden Sugestionsversuch durchschaut werden. Vermutlich verbuchen Sie das unter Kolateralschaden - wichtiger ist die Botschaft an sich zu verbreiten. Wie mich so etwas anwidert...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH





Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: