Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


heute ist der Tag, an dem wir Antworten hören wollen, von der Politik, von der Industrie. Denn die Möglichkeit von Fahrverboten muss ja vor allem Ansporn sein, Fahrverbote zu verhindern. Was wir heute hören wollen: Dass die Politik bereit ist, die Autoindustrie unter Druck zu setzen. Dass die Autoindustrie bereit ist, alte Diesel mit Hardware nachzurüsten, auch wenn das eine Menge Geld kostet. Das ist der Preis für den Betrug. Was wir auch hören wollen: Dass Konzepte für Alternativen entwickelt werden, ein besseres Bus- und Bahnangebot zum Beispiel. Was wir uns selbst vornehmen könnten: umdenken, Alternativen annehmen.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 9/2018
Macht, Gewalt und Rache in der Filmindustrie

Wir Deutschen haben über Jahrzehnte die größte Autoparty der Welt gefeiert, mit Autobahnen ohne Tempolimit, mit den dicksten, schnellsten Flotten und billigem Diesel. Es war schön, aber die Zeiten, die sind jetzt anders.

Kakao und Starkbier

DPA

Der wahrscheinlich wichtigste politische Termin des Jahres in Bayern ist der Starkbieranstich auf dem Nockherberg in München. Da gehen sie heute Abend alle hin, Seehofer, Söder, Dobrindt, Aigner, Kohnen und lassen sich beim sogenannten Derblecken durch den Kakao ziehen. Im vergangenen Jahr wurde hier Donald Trump als "hoibschariger Gschamstara" geschmäht, wovon er sich, wie wir wissen, bis heute nicht erholt hat. Ich kann Ihnen allerdings nicht sagen, wie man hoibschariger Gschamstara ins Englische übersetzt.

Pistolen und Brötchen

DPA

Dass alles immer schlimmer geworden ist, gehört zu den Konstanten, die in allen Zeiten gelten. Die alten Jahre sind stets die edlen, die neuen die fiesen. Wie Politiker heute miteinander umgehen? Ganz schlimm, schlimm wie nie, jedenfalls in Demokratien. Schulz gegen Gabriel, Söder gegen Seehofer - brutale Machtkämpfe.

Ich mache derzeit, das habe ich hier schon mehrmals bekannt, eine Ron-Chernow-Phase durch. Ich lese alle seine Biografien amerikanischer Politiker, zuletzt die von Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister der Vereinigten Staaten. Da geht es um die Gründungsjahre der ersten neuzeitlichen Demokratie.

Edle Zeiten? Man könnte eher sagen, dass es seitdem immer besser geworden ist. Wie sich Hamilton mit seinen Widersachern um Thomas Jefferson und James Madison bekämpft hat, war eher Krieg als Politik. Übelste Beschimpfungen, Intrigen, Verleumdungen, von Sex bis Korruption. Am 11. Juli 1804 wurde Hamilton in einem Duell vom amerikanischen Vizepräsidenten Aaron Burr erschossen.

Und im Hier und Jetzt: Der Mann mit den Haaren im Gesicht (Gabriel über Schulz), Emotionsbrötchen (Schulz über Gabriel). Wie süß. Wie lieb. So schlecht sind diese Zeiten nicht.

Frieden und Taliban

REUTERS

Hier ist Teil zwei meiner kleinen Rubrik "Große Sätze aus dem dpa-Tageskalender": Heute beginnt in Afghanistan die zweite Friedenskonferenz des Kabul-Prozesses. 25 Länder, darunter Deutschland, beraten, wie man sich mit den Taliban einigen und den Terrorismus bekämpfen könnte. Dpa schreibt dazu lapidar: "Das erste Treffen im Jahr 2017 war ohne konkrete Ergebnisse zu Ende gegangen." Hat man gemerkt, könnte man hinzufügen. Knapp 2300 Zivilisten sind im vergangenen Jahr bei Terroranschlägen in Afghanistan ums Leben gekommen, ein Höchstwert. Wie lebt man in einem solchen Land?

Gewinner des Tages

DPA

Heute nimmt die Deutsche Eishockey-Liga ihren Spielbetrieb wieder auf, und ich gebe zu, dass ich das früher nicht erwähnt hätte. Aber nach dem magischen Olympiaturnier kann der Gewinner des Tages nur das deutsche Eishockey sein. Meine Güte, das waren herrliche Spiele, so unerwartet, so spannend und am Ende so entsetzlich. Nur 55 Sekunden. Aber egal. Es war großartig, danke.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL-Plus-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Mittwoch,

Ihr Dirk Kurbjuweit

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 15 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
unbekannt5555 28.02.2018
1. Völlig Falsch!
Was soll diese Indoktrinierung? Warum diese Meinungsmache? Nichts hat sich geändert. Es kann Verbote geben. Es kann, nicht es wird. Was sich auch nicht geändert hat: Es gibt immer noch keine ordentlichen Belege für die Schadhaftigkeit, da die Grenzwerte reine willkürliche von unwissenden Politiker erdachte sind. Die Messungen sind Jahrzehnte alt und werden zu Recht wegen unwissenschaftlicher Methoden angezweifelt. Wo ist da der Sinn? Stickoxide müssten erstmal geklärt werden, dafür würde allerdings VW fertig gemacht, als die es versucht haben. Feinstaub ist genauso ideologisch missbraucht, da er sonst wo entstehen kann und hier her geweht wird. Wo ist der Sinn in dem Ganzen?
Kein Besserwisser 28.02.2018
2. Und wieder ist der Autofahrer der Dumme!
Keine Frage, die Umwelt und die Gesundheit sollen Vorrang haben. Aber die Folgen und die Kosten der Autoindustrie Betrügereien bitte nach dem Verursacherprinzip! Die Autoindustrie betrügt mit falschen Schadstoffwerten. Die Regierung und insbesondere die vergangenen Verkehrsminister entschieden fast immer nur zum Vorteil der Autoindustrie und immer gegen die Autofahrer. Der Betrug der Autoindustrie wurde ja nur möglich weil die Regierung (auf "Wunsch" oder "Anraten" der Autoindustrie) schwammige Gesetze formuliert hat, die der Autoindustrie in die Hände spielten; deshalb ist es z. B. in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern wie z. B. in den USA nicht möglich, die Autohersteller wegen der falschen Schadstoffwerte Angaben in Deutschland wegen Betrug zu verklagen. Dobrindt &Co sind diese erlaubte Betrügerei zu verdanken! Die Autoindustrie hat sich mit Lug und Betrug Milliardenvorteile verschafft und die Umwelt geschädigt mit Ihren falschen Angaben. Die Regierung und die Politik haben sich unglaubwürdig gemacht mit der Erfüllung der Autoindustrie Anforderungen nach "schwammigen" Gesetzen bzgl. der Schadstoffgrenzen bei Verbrennungsmotoren. Da die Autoindustrie in Ihrer Haltung (dank einer damaligen schwachen Regierung) juristisch nicht angreifbar ist, ist die neue Regierung gefordert. U. a. um den größten Schwätzer, nämlich der ehemalige Verkehrsminister und jetziger VDA Präsident Hr. Wissmann in seine Schranken zu verweisen. Unfassbar mit welcher Arroganz Herr Wissman von sich gibt, dass Software Updates sinnvoller sind als Hardware Updates. Lt. Grundgesetz hat die Regierung nicht nur das leibliche Wohl der Bevölkerung zu beachten, sondern auch das Eigentum der Bewohner zu schützen. Die Abwälzung der Folgen der Betrügereien der Autoindustrie auf die Bürger ist somit verfassungswidrig. Die Politik hart damit nur eine Möglichkeit, nämlich die Folgen der Betrügereien der Autoindustrie derselben aufzuerlegen. Sprich, Umrüstung und Folgen der Betrügereien müssen von der Autoindustrie bezahlt werden - und nicht vom Bürger. Und da ich jetzt schon von der Autoindustrie die Mär von einem dann notwendigen Arbeitsplatzabbau vermute, möchte ich diesen zurufen: Hättet Ihr nicht betrogen, wäre es gar nicht zu dieser Situation gekommen. Auch die Folgen eines möglichen Arbeitsabbau (an den ich wirklich nicht glaube da die Hardware Nachrüstung Personal braucht und nicht umgekehrt!) müssen von der Autoindustrie getragen und damit bezahlt werden. Und liebe Politiker: Ihr seid für das Wohl des Bürgers gewählt worden und nicht um Eure Geld- und Machtgelüste zu befriedigen!
T2000T 28.02.2018
3. Wie verkläre ich die Wirklichkeit
Wir Deutschen haben über Jahrzehnte die größte Autoparty der Welt gefeiert, mit Autobahnen ohne Tempolimit, mit den dicksten, schnellsten Flotten und billigem Diesel. Es war schön, aber die Zeiten, die sind jetzt anders. Autobahnen ohne Tempolimit gibt es nur noch vereinzelt und auch da ist aufgrund fehlender baulicher Massnahmen nur noch nachts oder am Wochenende eine fahren mit mehr als 150 möglich, Benzin ist im weltweiten Vergleich exorbitant teuer aufgrund der Versteuerung, nur weil Diesel eine geringere Steuerlast hat ist es nicht billig. Aber es ist verständlich, dass jemand so eine Ansicht vertritt wenn man den Luxus hat in einer Grossstadt wie Hamburg zu leben, einen netten Büroarbeitsplatz im Zentrum der Stadt hat und das nötige Einkommen hat eine Wohnung startnah zu bezahlen. Man könnte auch sagen, arbeiten und kommentieren aus dem Wolkenkuckucksheim.
omanolika 28.02.2018
4. Lange Tradition
Gerade, wenn man Antworten hören will, bleiben die Gefragten ja leider gerne still, und die Politik hat, wie halt die Industrie, dafür dann auch die passende Stretegie, und die lautet schlicht und ergreifend, eben, den anderen an der Sache Schuld zu geben. Und leider denke ich, es ist das, was uns droht, bei diesem richtig ominösen Diesel-Fahrverbot, denn liefe es gut, wäre man selbst derjenige, der es grandios kann, wenn es schlecht läuft, ist natürlich jemand andres Schuld daran... Das klingt wie Spott und Hohn, hat aber aine lange Tradition ;)
ronald1952 28.02.2018
5. Es ist genauso gekommen
wie viele Bürger es befürchtet haben.Der Dumme Deutsche Michel soll mal wieder die Zeche bezahlen die uns Industrie und Politiker/innen uns Eingebrockt haben.Ich Leben in einem Dorf mit etwa 1700 Einwohnern und die Hälfte davon fährt nicht nur Diesel sondern müssen auch nach FFM und anderen Städten zur Arbeit fahren.Die Anbindung an Öffentliche ist gelinde gesagt unter jeder Sau, man möge mit diese Worte verzeihen aber es trifft den Nagel auf den Punkt.Wer hier schnell weg will muss ein Auto haben so ist es überall auf dem Land.Dieses Gericht spottet doch jeder Beschreibung, anstatt mal eine klare Kante zu ziehen wieder nur WischiWaschi, aber zu lasten der Bürgerganz klar.Im Grunde ist es doch so, würde man eine Sachbeschädigung begehen vielleicht an einem Gartenzaun, würde man vor Gericht schuldig gesprochen werden so die Gesetzeslage. Aber man könnte ja auch sagen, was stellt der mir seinen Gartenzaun in den Weg, soll der Geschädigte doch zusehen wie Er oder Sie fertig wird.Das ist Beutekapitalismus der übelsten Sorte. Dasselbe machen Industrie und Politiker/Innen mit uns Deutsche. Geht den Bürgen an Ihre Autos und es wird jede Menge neue Stimmen für die AFD geben, denke Ich mal. Ich hoffe mal wirklich die Dieselfahrer klagen was das Zeug hält. schönen Tag noch,
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.