Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


das hat man selten erlebt. US-Präsident Donald Trump gibt klein bei und beendet die unwürdige Trennung von Einwandererkindern von ihren Eltern an der Grenze zu Mexiko. Natürlich wäre Trump nicht Trump, wenn er nicht auch noch versuchen würde, diese plötzliche Kehrtwende als Erfolg zu verkaufen. Im Weißen Haus unterzeichnete er gewohnt schwungvoll ein Dekret, das die Praxis beendet und verkündete: "Wir werden eine sehr, sehr starke Grenze haben. Aber wir halten die Familien beisammen."

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Heft 25/2018
Wie gehen wir mit Migranten um? Die Flüchtlingskrise gefährdet Merkels Kanzlerschaft

In Wahrheit ist die Änderung natürlich eine Schlappe für Trump, weil er diese brutale Politik selbst erst vor einigen Monaten begonnen hatte und bis zuletzt so tat, als könne er sie nicht zurücknehmen. Sein Versuch, die Verantwortung dafür wieder einmal auf andere abzuschieben, misslang diesmal jedoch.

Wie es nun genau für die Familien weitergeht, ist noch nicht klar, viele Details sind ungeklärt. Und natürlich bleibt es sowieso falsch, Kinder einzusperren - auch mit Eltern. Aber es zeigt sich: Der gigantische Proteststurm gegen den Präsidenten und seine "Null-Toleranz-Politik" hat etwas bewirkt. Amerika ist noch lange nicht verloren - und es gibt genug Leute, die Richtig von Falsch unterscheiden können. Vielleicht funktioniert das ja auch bei den nächsten Wahlen.

Italiener sagen "No"

AP

Vermutlich schon am Sonntag wollen sich Deutschland und andere vom Flüchtlingsthema besonders betroffene Staaten treffen, um über eine mögliche europäische Regelung des Rückführungsproblems zu diskutieren. Angedacht ist, dass sie sich auf einen Mechanismus einigen, der sicherstellen soll, dass Flüchtlinge in die Länder zurückgeschickt werden können, in denen sie erstmals registriert worden sind.

Mit einer solchen Regelung in den Händen könnte Angela Merkel vielleicht den aktuellen Koalitionskrach mit der CSU entschärfen. Fraglich ist jedoch, welche Länder den Plan mittragen. Der italienische Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega sprach sich gegen eine Rücknahme von Flüchtlingen aus. Statt zu nehmen, sei seine Regierung nur bereit, zu geben. Das ist launig formuliert und entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Bei der Bewältigung der Eurokrise ist es bei den Italienern ja bekanntlich genau umgekehrt.

Die Kanzlerin besucht Jordanien

DPA

Während sie sich in Deutschland die Köpfe heiß reden über den Krach in der Koalition, besucht Kanzlerin Angela Merkel Jordanien. Das klingt erst mal abwegig, hat mit dem aktuellen Streit aber eine Menge zu tun. In Amman trifft sie König Abdullah II., mit ihm will sie unter anderem über die Lage der Flüchtlinge in seinem Land sprechen. In Jordanien leben fast 700.000 Vertriebene aus Syrien. Um zu verhindern, dass sie sich auf den Weg nach Europa machen, will Merkel die finanziellen und logistischen Hilfen für Jordanien aufstocken. Ähnliches gilt für den Libanon, der nächsten Station von Merkels Nahost-Reise. Hier leben fast eine Million Flüchtlinge aus Syrien - und das bei einer Gesamtbevölkerungszahl von gerade einmal sieben Millionen Menschen.

Gewinner des Tages...

Chevrolet

... sind alle Freunde amerikanischer Mega-Autos. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal" schlagen die deutschen Autohersteller im Handelsstreit mit US-Präsident Donald Trump vor, dass künftig alle Zölle auf Autos zwischen Amerika und der EU entfallen sollen. Das soll ein Friedensangebot sein, um deutsche Marken wie VW oder BMW vor US-Strafzöllen zu bewahren. Heißt: Die großen US-Marken könnten dann umgekehrt in Europa ihre Monster-Pick-ups wie den Chevrolet Silverado (Foto) oder den Ford F-150 deutlich günstiger anbieten. Im Vergleich zu diesen Wagen sind der Cayenne oder der X5 regelrechte Zwerge. In deutschen Parkhäusern braucht ein solches Auto locker zwei Plätze - und zwar nicht nur in der Breite, sondern auch in der Länge. Als Extra kann man einen Träger für sein Gewehr bestellen. Und: Manche dieser Modelle schlucken bescheidene 20 Liter Super auf 100 Kilometer. Wer freut sich darauf? Ich nicht.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Flachlandprophet 21.06.2018
1. nicht gerade fair
Werter Herr Nelles, halten Sie ihren Kommentar wirklich für fair? Trump nahm eine falsche Entscheidung zurück. Punkt. Von wie vielen deutschen Politiker könnten Sie gleiches behaupten?!? Sie bringen das sofort wieder in einen Kontext...schreiben vom Großen und Ganzen. Ich mag den Trump auch nicht - aber ob seine Entscheidungen nun richtig oder falsch sind...er trifft wenigstens welche. mir wäre deutlich lieber unsere Journalisten würden sich mehr mit den Missständen in unserem eigen Land befassen. Da gibt es Baustellen genug...die Rechte wie Linke gleichermaßen als solche ausmachen...die kein Spaltungspotenzial haben.
dermarkusb 21.06.2018
2. Warum immer BMW?
Warum wird BMW eigentlich immer als einer der Hauptverlierer möglicher Importzölle angeführt? Wenn man bei SPON mal ernsthafte Recherche betreiben würde, dann wüssten Sie, dass BMW weitaus mehr Autor in den USA produziert und von exportiert, als importiert. BMW wäre also einer der Gewinner möglicher Zölle. Das größte BMW Werk in Spartanburg, South Carolina, könnte theoretisch sogar den gesamten US-Bedarf herstellen.
nasodorek 21.06.2018
3.
Zitat von FlachlandprophetWerter Herr Nelles, halten Sie ihren Kommentar wirklich für fair? Trump nahm eine falsche Entscheidung zurück. Punkt. Von wie vielen deutschen Politiker könnten Sie gleiches behaupten?!? Sie bringen das sofort wieder in einen Kontext...schreiben vom Großen und Ganzen. Ich mag den Trump auch nicht - aber ob seine Entscheidungen nun richtig oder falsch sind...er trifft wenigstens welche. mir wäre deutlich lieber unsere Journalisten würden sich mehr mit den Missständen in unserem eigen Land befassen. Da gibt es Baustellen genug...die Rechte wie Linke gleichermaßen als solche ausmachen...die kein Spaltungspotenzial haben.
Er hat die Entscheidung zurück genommen, nachdem er keine 24 Stunden zuvor noch erklärt hat (via Twitter) wie super die Entscheidung sei, und das America smart sein müsse, dass man quasi nicht auf die gefühlsduseligen Liberalen hören soll. Außerden hat er (auch via Twitter) noch Lügen über die deutsche Kriminalstatistik verbreitet, um seine kruden Theorien zum Zusammenhang von Einwanderung und Kriminalität zu untermaúern. Das passt aber in das Bild, dass der Präsident seit dem Wahlkampf abgibt: Fakten- und beratungsresistent, unehrlich und heuchlerisch.
don_spon 21.06.2018
4.
Zitat von FlachlandprophetWerter Herr Nelles, halten Sie ihren Kommentar wirklich für fair? Trump nahm eine falsche Entscheidung zurück. Punkt. Von wie vielen deutschen Politiker könnten Sie gleiches behaupten?!? Sie bringen das sofort wieder in einen Kontext...schreiben vom Großen und Ganzen. Ich mag den Trump auch nicht - aber ob seine Entscheidungen nun richtig oder falsch sind...er trifft wenigstens welche. mir wäre deutlich lieber unsere Journalisten würden sich mehr mit den Missständen in unserem eigen Land befassen. Da gibt es Baustellen genug...die Rechte wie Linke gleichermaßen als solche ausmachen...die kein Spaltungspotenzial haben.
Trump hat die Entscheidung getroffen dem öffentlichen Druck nach zu geben. Zu Mitleid ist er gar nicht fähig. Das Ganze natürlich wieder per Dekret ,wichtig vor laufender Kamera, als Sieg erkauft.Entscheidungen hat er aber tatsächlich viele getroffen.Aus meiner Sicht fast ausschliesslich falsche. Und da sind mir unsere Politiker die Entscheidungen in einem Prozess treffen müssen doch deutlich lieber. Wer kann denn solche Dekrete zu unterzeichnen. Da kommt die amerikanische Verfassung dem Präsident der lieber Diktator wäre, doch sehr entgegen. Jedenfalls wird Trump in dem Artikel genau richtig beurteilt.
neue_mitte 21.06.2018
5.
Zitat von FlachlandprophetWerter Herr Nelles, halten Sie ihren Kommentar wirklich für fair? Trump nahm eine falsche Entscheidung zurück. Punkt. Von wie vielen deutschen Politiker könnten Sie gleiches behaupten?!? Sie bringen das sofort wieder in einen Kontext...schreiben vom Großen und Ganzen. Ich mag den Trump auch nicht - aber ob seine Entscheidungen nun richtig oder falsch sind...er trifft wenigstens welche. mir wäre deutlich lieber unsere Journalisten würden sich mehr mit den Missständen in unserem eigen Land befassen. Da gibt es Baustellen genug...die Rechte wie Linke gleichermaßen als solche ausmachen...die kein Spaltungspotenzial haben.
Whataboutism. Sehr schön, immer wieder dieselbe Leier der Trumpisten. Aber die anderen... "Unsere" Journalisten... Hört sich an, als hätten wir nicht nur Nationalspieler, sondern auch Nationaljournalisten. Und die dürfen sich nur und ausschließlich mit Deutschland beschäftigen. Aha. Das alleinige Treffen von Entscheidungen ist schon mal gut. Wie gut war denn die Entscheidung für Stuttgart21 so? Oder euer Lieblingsobjekt: Die Entscheidung von Frau Merkel in 2015 die Grenzen kurzzeitig zu öffnen? War das auch so eine Sache - Hauptsache eine Entscheidung, besser als keine? Nee, natürlich nicht. Für diese Entscheidung zerreißt ihr sie doch tagtäglich in der Luft. Also?
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