Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


es waren dramatische Stunden gestern auf dem Nato-Gipfel in Brüssel: Trump drohte mit dem Rückzug der Amerikaner aus dem Bündnis. Die USA, sagte er, würden "ihr eigenes Ding" machen, wenn die Partner nicht mehr zahlten. Gemeint waren natürlich vor allem die Deutschen, die für den mächtigsten Mann der Welt immer mehr zum Feindbild Nummer eins werden.

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Heft 28/2018
Wie Liebe gelingt

Um Trumps Obsession mit Deutschland geht es in unserer Titelgeschichte "Friendly Fire", die Sie heute ab 18 Uhr digital lesen können. Meine Kollegen Matthias Gebauer und Peter Müller haben dafür recherchiert, wie es in Brüssel hinter verschlossenen Türen zum Eklat kam. Am besten gefällt mir die Schlussszene, mit der sich Trump auf dem Gipfel von Kanzlerin Merkel verabschiedete. Zwei Tage lang hatte er Deutschland attackiert, doch zum Abschied gab er der Kanzlerin vor der großen Nato-Runde ein Küsschen, grinste und sprach: "I love her."

Heute empfängt die Queen den US-Präsidenten und seine Frau auf Schloss Windsor, und ich habe mich gefragt, ob eigentlich auch Trump einen Knicks machen muss, wenn die britische Königin ihn begrüßt, ich muss zugeben, ich kenne mich da nicht so aus. Offensichtlich ist das nicht der Fall. Schade eigentlich.

Quer durch Russland

AFP

Es sind die letzten Tage der Fußball-WM in Russland, höchste Zeit, Sie auf zwei Projekte hinzuweisen: SPIEGEL-ONLINE-Korrespondentin Christina Hebel und Fotografin Ekaterina Anokhina sind während der WM quer durch das riesige Land gereist. Sie haben zum Beispiel eine Bernsteinkünstlerin in Kaliningrad besucht, einen Bierbrauer in Moskau und einen Travestiekünstler in Sotschi. Sämtliche Teile des Projekts "Gesichter Russlands" finden Sie hier.

Auch der Journalist Moritz Gathmann und der Fotograf Christian Frey sind zur WM durch verschlafene Provinzstädte und wilde Dörfer Russlands gereist, sie waren zu Besuch bei Datschenbewohnern, Käsebauern und Russlanddeutschen. So sind spannende Texte und Foto-Reportagen entstanden. Absolut lesenswert, nicht nur für Russlandfans. Hier ist der Link.

Gewinner des Tages...

DPA

... ist Markus Söder, der bayerische Ministerpräsident. Können Sie sich vorstellen, dass er fordern würde, die Grünen-Bundestagsfraktion einem Drogentest zu unterziehen? Oder eine staatliche Förderung für Eltern, die ihren Sprösslingen deutsche Namen geben, Klaus statt Kevin? Hand aufs Herz, Sie trauen es ihm zu. Und mit Ihnen viele meiner Kollegen. Denn so stand es in der "Süddeutschen Zeitung" zu lesen, sogar in der "New York Times". Dabei ist das alles frei erfunden. Schuld ist mein Kollege Stefan Kuzmany. Warum sogar Söder glaubt, dass er das mal gefordert haben könnte, lesen Sie in Kuzmanys Geschichte im neuen SPIEGEL.

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Und damit wünsche ich Ihnen einen ruhigen Freitag und ein erholsames Wochenende.

Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Mach999 13.07.2018
1.
Der US-Präsident muss vor der Queen weder einen Knicks machen, noch sich verbeugen. Die Queen steht auf derselben protokollarischen Ebene wie der US-Präsident. Woher kommt eigentlich immer die Vorstellung, Queen und Papst würden über allen anderen Staatsoberhäuptern stehen?
Flachlandprophet 13.07.2018
2. Zuckerbrot und Peitsche
Zuckerbrot und Peitsche, das ist nun mal Trumps Strategie - warum man (Politik und Medien), obwohl man das weiß, immer noch so hysterisch darauf reagiert, das ist mir ein Rätsel. Er sagt doch selbst, dass er ein Dealmaker ist. Jeder, der schon mal etwas (erfolgreich) auf dem Flohmarkt verkaufte hat vermutlich ähnlich agiert wie Trump. Ich will 5 Euro erzielen...also fordere ich 10. Nichts anderes macht Trump.
cruisemissile 13.07.2018
3.
Wie ein Fanal wirkte gestern auch Junckers Auftritt: Europa taumelt...
i.dietz 13.07.2018
4. Jeder vernünftige Mensch
hat Trump doch schon lange erkannt bzw. "verstanden", wie er tickt: er provoziert und das nicht zu knapp ! Warum viele Politiker immer noch eine Art "Hasenfußpolitik" ihm gegenüber vertreten bzw. in Schockstarre fallen, verstehe wer will: ich nicht !
garfield53 13.07.2018
5. mmm
Wir Europäer müssen Trump nicht in den ***** kriechen, nur weil er weder über fachliche Mindestkenntnisse oder auch nur über Spuren von Diplomatie verfügt. Ein minderbemittelter "Hinterwäldler", welcher weder kaufmännich, mehrere Pleiten, noch menschlich, irgend welche positiven Wesenszüge, zeigt. Der Intelligenz mit Frecheit, mentaler Brutallität und aggressiver Gefühlskälte gegen Alle und Jeden verwechselt. Das mögen vielleicht Charakterstärken des "Wilden Westens" in grauer Vorzeit gewesen sein, obwohl, der Wilde Westen war ja auch nur ein Fake aus Märchen und dem frühen Hollywood. Trump ist eine "temporäre" Erscheinung, wie Pest, Cholera und andere "Seuchen", wenn die Amerikaner "aufwachen", ist das Trauma, welches sich wie "Mehltau" über alle internationalen Beziehungen gelegt hat, am 20. Januar 2012 hoffentlich zu Ende. Bis dahin müssen wir Alle und vor allen wir Europäer, gemeinsam mit Russen und Chinesen einen Konsenz für eine friedliche einvernehmliche Zusammenarbeit finden. Es ist fünf vor zwölf und es ist nicht erkennbar, das dieser Mann irgend wie berechenbar wird. Von was palavern unsere Politiker immer so gern, wenn sie keine eigene Meinung haben, von klarer Kante zeigen und von roten Linien, welche nicht überschritten werden dürfen. Dann reisst euch zusammen, zeigt Rückgrat, benehmt euch endlich wie die gewählten Repräsentanden eurer Völker. Wir sind Europa!
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