Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Donald Trump will heute im Rosengarten des Weißen Hauses offiziell seine Entscheidung verkünden, ob die USA das Atomabkommen mit Iran einseitig platzen lassen oder nicht. Trump ist geradezu besessen von der Idee, dass das Abkommen ein riesiger Fehler war, im Wahlkampf gehörte die Klage über den "miesesten Deal aller Zeiten" zu seinen wichtigsten Parolen.

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Heft 19/2018
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Da Trump seiner Basis vor den Midterm-Wahlen im Herbst beweisen will, dass er seine Wahlversprechen hält, und da er am liebsten alles zerstören möchte, was sein Vorgänger Barack Obama politisch erreicht hat, gilt es als wahrscheinlich, dass er den Deal heute tatsächlich aufkündigt. Alles andere wäre eine riesige Überraschung.

So oder so wird sich Trump sicherlich eine Hintertür offenhalten. Frei nach dem Motto: Wenn wir einen besseren Deal machen, bin ich mit dabei. Doch von diesem Budenzauber sollte sich niemand täuschen lassen: Bislang hat Trump in der Außenpolitik bekanntlich schon viele Deals kaputt gemacht, aber noch kein einziges großes Abkommen geschlossen.

Italienische Narzissten

AFP

Zwei Monate nach der Wahl hat Italien immer noch keine funktionsfähige Regierung, es gibt keine klaren Mehrheiten. Als Ausweg aus der Sackgasse schlägt Staatspräsident Sergio Mattarella nun eine neutrale Regierung vor, mit einer Respektsperson an der Spitze. Die könnte für eine Übergangszeit bis Dezember regieren und ein neues Wahlgesetz basteln, das bei Neuwahlen Ende des Jahres oder auch erst 2019 eine Mehrheitsbildung im Parlament leichter macht.

Ob das funktioniert, ist jedoch fraglich, die Parteien wollen lieber schon im Juli wählen, auch wenn die Gefahr groß ist, dass genau das gleiche unklare Ergebnis dabei herauskommt. Zu begreifen sei das alles nur, wenn man sich die Persönlichkeit der Frontmänner in Italien ansehe, schreibt mein Kollege Hans-Jürgen Schlamp. Also Politiker wie Silvio Berlusconi und Matteo Renzi. "Sie haben eines gemeinsam: Ein dickes Ego, mit unstillbarem Geltungsbedürfnis. Die Wähler haben Narzissten gekürt, und die blockieren sich nun gegenseitig."

Trumps Mann in Berlin ist da

AFP

Der neue US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, nimmt heute seine Arbeit auf. Im Schloss Bellevue überreicht er in der traditionellen Zeremonie sein Beglaubigungsschreiben an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Man kann Grenell getrost als konservativen Hardliner und außenpolitischen Falken bezeichnen. In den letzten Jahren war er dafür bekannt, dass er auf Fox News die "America First"-Agenda von US-Präsident Donald Trump herunterbetete.

Es wird interessant sein zu sehen, ob Grenell sich in Berlin in rechtspopulistischen Kreisen einbunkert und nur als Stimme seines Herrn auftritt oder ob er auch auf Kritiker von Trump zugeht und ernsthaft das Gespräch sucht. Jedenfalls wäre es gut, wenn er mithelfen würde, die aktuellen Spannungen im deutsch-amerikanischen Verhältnis eher abzubauen, als zu schüren. Kann er das? Wenn ich wetten müsste, würde ich tippen: nein. Aber ich hätte nichts dagegen, diese Wette zu verlieren.

Gewinner des Tages...

DPA

... ist das Auktionshaus Christie's in New York. Dort beginnt die Versteigerung der wohl wertvollsten privaten Kunstsammlung der Welt, Experten erwarten Rekordeinnahmen von mindestens 650 Millionen Dollar, manch einer rechnet sogar mit bis zu einer Milliarde. Die Sammlung stammt aus dem Besitz des 2017 verstorbenen Milliardärs David Rockefeller, ein Erbe des gleichnamigen Industrie-Imperiums. Rockefeller und seine Frau Peggy hatten über Jahrzehnte etliche Picassos, Monets, Hoppers und Miros gesammelt, insgesamt werden 2000 Werke angeboten. Viele ihrer Gemälde haben die beiden bereits vor Jahren an Museen gestiftet, auch die Einnahmen aus der Auktion sollen unter anderem an Kulturinstitutionen fließen, darunter das Museum of Modern Art in New York. Das Auktionshaus Christie's dürfte aber natürlich auch einen beträchtlichen Gewinn einstreichen.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
YourSoul Yoga 08.05.2018
1. Trump und kein Ende
Trump sowie die Isralische Regierung haben seit jeher eine Iran-Psychose. Hat Obama das Atomabkommen noch als besten Kompromiss zusammen mit China, Russland, England, Frankreich und Deutschland unter Dach und Fach gebracht, ist Trump natürlich auch ein leichtes Opfer der Israelischen Lobbyarbeit. Man darf sich aber fragen, wie sich Trump und Netanyahu einen Waffengang gegen den Iran vorstellen. Der Iran ist mit 1,6 Mio qkm drei mal so groß wie Irak, hat 80 Mio Einwohner und ist topografisch komplex. Die USA mit den NATO Verbündeten haben es bis dato ja nicht einmal geschafft, den Geröllhaufen namens Afghanistan zu befrieden. Scholl-Latour sagte einst, dass ein Waffengang gegen den Iran nur zum Desaster für die Angreifer ( und Angegriffenen ) werden kann. Es sind aber Psychopathen am Werk und keine Realisten, darin liegt die Tragik und wie schon in so vielen vorangegangenen Fällen, verursachen diese mit ihrer Ignoranz millionenfaches Leid.
roland.vanhelven 08.05.2018
2. hmmm, obsession ?
wenn ich mich recht erinnere, sagte Hillary Clinton "if i become president i will attack Iran". und dass sich die lage in Korea stabilisiert hat, war natuerlich nicht Trumps verdienst. na dann...
ihawk 08.05.2018
3. Atomabkommen mit dem Iran
Bei allem Respekt: Der US Präsident kann das Atomabkommen mit dem Iran nicht kündigen ... das kann nur der US Kongress. Der Präsident kann diesen Vorgang lediglich beantragen.
herbert 08.05.2018
4. Kriegstreiber Trump
Ein Krieg mit dem Iran wird ihm um die Ohren fliegen und die Welt steht Kopf
StefanZ.. 08.05.2018
5. Plan B in Sachen Iran
Weiß man etwas Genaueres darüber wie sich unsere Bundesregierung und die anderen Unterzeichner des Iran-Deals im Falle des heutigen Rückzugs der USA verhalten werden? Werde sie anfangen ihren eigenen Verstand zu benutzen? Ich habe dazu gelesen, dass der Iran durchaus willens ist, den Status quo ohne Arbeit an Atomwaffen mittels Kontrollen der IAEA etc. aufrechtzuhalten, wenn sich die Mitunterzeichner nicht an der erzwungenen US Willensdurchsetzung durch kriegerisch oder anderweitig gewaltsamen Regimechange beteiligen. Also von Erpressungs- und Erniedrigungsverfahren, hin zum wirtschaftlichen Ruin, dem Anstacheln von gewalttätigen Unruhen und dergleichen absehen.
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