Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


Donald Trump und Kim Jong Un sind in Singapur eingetroffen, wo sie sich in der Nacht auf Dienstag um 3 Uhr morgens deutscher Zeit begegnen werden: Der Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und dem Mann, den dieser vor Kurzem noch als "little rocket man" verhöhnte, ist das Ereignis der Woche - und hat bei aller Vorsicht vor Superlativen eine historische Dimension.

Es ist einzigartig, dass es zu einem solchen Gipfeltreffen kommt, ohne dass die Mitarbeiter der beiden Staatsführer zuvor über Eckdaten vorverhandelt haben. Deshalb ist der Ausgang vollkommen ungewiss. Es gibt Chancen, aber auch enorme Gefahren. Trump wird dem Nordkoreaner zu Beginn offenbar von Mann zu Mann, ganz ohne Berater gegenübertreten. Das ist deshalb riskant, weil Trump selbst zugibt, dass er sich auf das Treffen kaum vorbereitet hat ("Ich bin sehr gut vorbereitet. Ich denke nicht, dass ich mich besonders vorbereiten muss.")

Lesen Sie auf SPIEGEL+ die umfassende Analyse unseres US-Korrespondenten Christoph Scheuermann und unseres China-Korrespondenten Bernhard Zand - es geht darin auch um die entscheidende Rolle, die China im Hintergrund spielt.

AP

Trump erfüllt Kim bereits mit dem Treffen den alten Traum, den USA auf Augenhöhe zu begegnen - so weit haben den seine Atomwaffen gebracht. Dass Kim sie ernsthaft aufgeben will, ist deshalb unwahrscheinlich. Viele Experten fürchten, dass der US-Präsident - der sich mit den Details des Koreakonflikts nicht auskennt - dem Nordkoreaner mit einem unbedachten Zugeständnis einen symbolischen Sieg ermöglichen könnte, ohne dass Nordkorea eine nachvollziehbare Gegenleistung erbringt.

Die andere Gefahr: Trump könnte - falls das eine Treffen keinen aufsehenerregenden Erfolg bringt - wieder auf seinen Droh- und Kriegspfad zurückkehren. Seriöse Diplomatie sieht jedenfalls anders aus, sie funktioniert nicht nach den Gesetzen des Reality-Fernsehens und des Speed Datings. Natürlich ist der Welt ein Erfolg dennoch zu wünschen.

Trump und das Ende des Westens

DPA/ Bundesregierung

Die dramatischen Ereignisse des Wochenendes werden uns noch lange beschäftigen: Donald Trump hat beim G7-Gipfel in Kanada den Anfang vom Ende des Westens eingeläutet. Noch nie hat sich ein US-Präsident den traditionellen Alliierten gegenüber so feindselig verhalten. Trump kennt keine Allianzen, er kennt nur den aggressiven Wettstreit. Weil der kanadische Premier Justin Trudeau seine Aussage wiederholte, dass Kanada auf die US-Strafzölle mit eigenen Zöllen reagieren werde, zog sich Trump per Tweet tobend von der bereits veröffentlichten gemeinsamen Schlusserklärung des Gipfels zurück - ein bisher einzigartiger Eklat. "Die Rücknahme per Tweet ist natürlich ernüchternd und auch ein Stück weit deprimierend", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern bei "Anne Will".

Trump will die bisherige Weltordnung aufkündigen, die auf Freihandel, Multilateralismus und Regeln beruht. Deutschland ist neben China der Hauptgegner von Trumps Handelspolitik. Als Nächstes werden die USA wohl Zölle auf den Import von Autos erlassen, daran ließ Trumps Handelsberater Peter Navarro in einem Gastbeitrag für die "New York Times" wenig Zweifel.

Zu Fox News sagte Navarro die unglaublichen Worte: "Es gibt einen speziellen Ort in der Hölle für jeden ausländischen Anführer, der Donald Trump mit arglistiger Diplomatie täuschen und ihm ein Messer in den Rücken stoßen will." Er nannte den kanadischen Premier "schwach und unehrlich". Ist Deutschland vorbereitet auf das, was noch kommen kann? Es sieht momentan nicht so aus. (Lesen Sie dazu auch auf SPIEGEL+: Wie Donald Trump deutsche Unternehmen attackiert)

Nach der Wahl Donald Trumps im November 2016 erschien der SPIEGEL mit der Titelzeile "Das Ende der Welt (wie wir sie kannten)". Wir sind damals von Kollegen und Lesern der Hysterie bezichtigt worden. Die Kritiker sagten: So schlimm werde es bestimmt nicht werden. Mir wäre es lieb gewesen, wenn diese Kritiker recht behalten hätten - doch es ist anders gekommen. Der US-Präsident ist dabei, die bisherige Weltordnung zu zerstören. Sollte er in zwei Jahren abgewählt werden, wäre der angerichtete Schaden vielleicht reversibel. Doch falls er zwei Amtszeiten an der Macht bleibt - alles ist denkbar - könnte es das Ende der Nato bedeuten.

Ukraine-Treffen in Berlin

DPA

Erstmals nach 16 Monaten treffen sich heute wieder die Außenminister der Ukraine, Russlands, Frankreichs und Deutschlands im sogenannten Normandie-Format, um über den Konflikt im Osten der Ukraine zu sprechen - dort sterben nach wie vor täglich Soldaten bei Kämpfen. Es soll bei dem Treffen nach dem Willen von Bundesaußenminister Heiko Maas um die alten Streitthemen gehen: eine Waffenruhe und den Abzug schwerer Waffen. Aber auch die Einrichtung einer bewaffneten Uno-Mission soll diskutiert werden.

Verlierer des Tages

DPA

Die SPD. Die Partei hat eine Expertenkommission eingesetzt, die heute die Frage beantworten soll, warum die SPD in der Krise steckt und bei den vergangenen Bundestagswahlen so schlecht abgeschnitten hat - die Ergebnisse werden am Nachmittag präsentiert und sollen in den Erneuerungsprozess der Partei einfließen. Ich möchte Ihnen dazu das Porträt von Juso-Chef Kevin Kühnert auf SPIEGEL+ ans Herz legen. Auf die Frage, ob er seine Politik eines Tages auch ohne die SPD erreichen könnte, sagt er da: "Ich finde die Frage superschwer zu beantworten." Und fügt hinzu: Derzeit "komme ich zu dem Schluss, dass ich meinen Zielen nicht näherkomme, wenn die SPD weg ist". Wenn selbst das eigene Spitzenpersonal so wenig Enthusiasmus für die eigene Partei aufbringt, kann einen die Krise kaum verwundern.

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StefanZ.. 11.06.2018
1. Wandel durch Trump
Dieser psychopathische Mann bringt durchweg viele Arrangements im internationalen und US nationalen Politikgeschäft durcheinander. Höfliche und dezente Umgangsformen hat er nie gelernt, was dann glücklicherweise auch dazu führt, dass er die politischen Allmacht- und Größenwahnfantasien, daraus resultierende Tricksereien und Übervorteilungen, die ihm sein Beraterumfeld einredet, für Außenstehende sehr leicht erkennbar ungeschminkt durchzieht. Selbst Frau Merkel merkt nun, dass der große Bruder überm Teich mit dem Anstreben von Partnerschaft in Wirklichkeit das Kleinhalten von Konkurrenten um die Macht, das Sagen und maximales Geschäftemachen meint. Was wir unter Partnerschaft und gemeinsamem Fortschritt verstehen läuft in diesen Kreisen unter Sozialismus und Schwäche. Genau diese Begriffe konnte man ja dann auch nach dem G7 Gipfel lesen. Ich verstehen die Wahl ihres 2 Amtszeiten Supergau Beispiels nicht. Sie haben vielleicht auch die kürzlichen Statistiken der Kriegswaffenanwendungen unter Bush, Obama und Trump gelesen. Dort wurden die durchschnittlichen jährlichen Bombenabwürfe in fremden Ländern dieser 3 Herren verglichen. Diese Statistik führt Herr Trump (nein, nicht Kriegsverbrecher Bush, sondern der Friedensnobelpreisträger Obama liegt auf dem zweiten Platz) schon jetzt mit weitem Abstand. Alle 12 Minuten fällt eine hernieder, bevor er auch nur seinen ersten offiziellen Kriegseintritt angekündigt hat. Wer braucht eine Nato, solange sie uns nicht vor solchen Ländern schützt?
Drassanes 11.06.2018
2. Das Ende der Welt wie wir sie kannten ...
war eine vollkommen richtige Einschätzung doch damals konnte man die Veränderungsgeschwindigkeit nur schwer erahnen. Das Spekulieren über die nächsten zwei oder sechs Jahre ist in diesem Licht ein sehr langer Zeitrahmen. Die Veränderungsgeschwindigkeit Entwickelt sich momentan exponentiell und in kommenden 12 Monaten werden wir größere Veränderungen erleben als in den vergangenen 100. Be prepared!
echoanswer 11.06.2018
3. Mann gegen Mann?
Das soll doch wohl ein Witz sein. Richtige Männer denken und benehmen sich anders. Primär stehen sie zu ihrem Wort. Für die Beiden sollte ein Sandkasten aufgebaut werden.
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