Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


nun also Singapur. Der Treffpunkt für das groß angekündigte Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ist so gewählt, dass er gerade noch in der Reichweite des betagten Flugzeugs des Koreaners liegt. Der Stadtstaat ist außerdem sehr sicher und politisch einigermaßen neutral, ähnlich wie die Schweiz.

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Heft 18/2018
Kopftuch, Kreuz, Kippa: Das deutsche Ringen um Identität - der Glaube und sein Missbrauch

Auffällig ist in diesen Tagen, welche Wertschätzung Trump dem nordkoreanischen Diktator entgegenbringt. Trump nannte die Freilassung von drei Amerikanern durch Kim eine "wunderbare Sache" und lobte, Kim habe die Männer "exzellent" behandelt. Während Trump die Menschenrechtsverletzungen in Iran permanent anspricht, bringt er sie im Fall von Nordkorea praktisch gar nicht mehr zur Sprache. Das kann man Verhandlungstaktik nennen - oder einfach nur: Gedankenlosigkeit.

Merkel beim Katholikentag

AP

Während alle geübten Brückentag-Experten unter den deutschen Arbeitnehmern heute ihr langes Wochenende genießen, wird die Bundeskanzlerin arbeiten. Angela Merkel besucht den Katholikentag in Münster. Die Kanzlerin diskutiert mit dem Friedensforscher Tilman Brück und dem Kurienkardinal Peter Turkson über das Thema "Deutschland in einer veränderten Weltlage - Wie umgehen mit Konfliktherden und aggressiven Regimes?". Vor dem Hintergrund der Irankrise ist natürlich interessant, was die Kanzlerin dazu zu sagen hat. Bereits am Donnerstag bei der Verleihung des Karlspreises an Emmanuel Macron waren von ihr durchaus besorgt klingende Worte zu hören: Es gehe im Nahen Osten derzeit "wahrlich um Krieg und Frieden", erklärte sie.

Wutbürger Lagerfeld

AFP

Nochmal Angela Merkel: Der Modemacher Karl Lagerfeld hat ein Interview mit der Zeitschrift "Le Point" geführt, in dem er die Kanzlerin für ihre Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. In der Zusammenfassung geht Lagerfelds Kritik ungefähr so: Merkel hat eine Million Zuwanderer aufgenommen, um ihr Image zu verbessern, das war falsch. Und dann hat sie dadurch auch noch die AfD ins Parlament gebracht. Das war auch falsch. Zwischendurch erklärt er noch, dass er Merkel nun "hasse" und womöglich seinen deutschen Pass abgebe. Alles in allem also ein typischer Lagerfeld. Er macht sich ein bisschen wichtig, provoziert, holt zum Rundumschlag aus, alle sind doof, nur einer nicht, der Meister selbst. Ist ja klar. Das alles wirkt sehr eitel und irgendwie auch wirr. Deshalb ist es am besten, man schenkt seinen Kommentaren einfach nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Tja, ist leider auch hier wieder einmal nicht gelungen.

Verliererin des Tages...

... ist Kelly Sadler, Mitarbeiterin in der Kommunikationsabteilung des Weißen Hauses. In Washington gibt es gerade ein politisches Ringen um die Frage, ob Gina Haspel, die am früheren Folter-Programm der USA beteiligt war, CIA-Chefin werden darf. Der hoch angesehene Senator John McCain, der schwer an Krebs erkrankt ist, lehnt dies ab. Dazu gab es nach mehreren US-Medienberichten eine interne Strategiedebatte im Weißen Haus. Während dieses Treffen erklärte demnach die Trump-Mitarbeiterin Sadler, McCains Meinung sei in der Sache überhaupt nicht entscheidend: "Er stirbt doch sowieso."

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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 11.05.2018
1. Der Zweck heiligt die Mittel
Die Charakterisierung als hoch angesehen für John McCain gilt wohl eher nur für begrenzte Kreise. Dazu hat er schon zu viele scharfmachende Falken Positionen in Militär- und Außenpolitik forciert. Allerdings ist ihm anzurechnen, dass er aus eigener Erfahrung beurteilen kann auf welch ein barbarisches Niveau sich ein Staat begibt, der Mitmenschen gezielt der Folter aussetzt. Es ist mir in den letzten Tagen nicht mehr gelungen Sean Hannity, dem inoffiziellen Sprachrohr der Trump-Regierung, länger in seiner täglichen Sendung zuzuhören. Die wiederholte Verherrlichung der Heldin, Superchefin etc. Gina Haspel wegen ihrer Anwendung von ein bisschen Foltern im Interesse des Gemeinwohls war schlicht zu penetrant. Dazu noch als einzige Rechtfertigung der angebliche Tipp der um 3 Ecken herum dann irgendwann zum Aufwinden der Bin Laden Villa in Pakistan führte. Dabei hätte ein Gespräch mit der pakistanischen Regierung gereicht, da er ja mit deren Wissen jahrelang in der Abbottabad Nachbarschaft von Regierungsstellen wohnte.
echoanswer 11.05.2018
2. Kelly Sadler
bringt den Geist der USA auf den Punkt. Menschenleben sind keinen Pfifferling wert. Außer man kann Geld mit ihnen machen. Widerlich, dieses ganze Land.
peter-k 11.05.2018
3. Singapur
wurde gewählt, weil sich Singapur seit vielen Jahren um ein normalisiertes Verhältnis zu Nord-Korea bemüht. Man entsendet Spezialisten wie Ingenieure oder Wirtschaftsfachleute, anstelle von Worthülsen oder Beleidigungen. Macht nur weiter so.
hrlehmann 11.05.2018
4. Karl Lagerfeld
mag auf dem Gebiet der Mode Maßstäbe gesetzt haben. Seine politischen Aussagen sind aber höchst zweifelhaft. Dass Deutschland aufgrund seiner Vergangenheit der Judenverfolgung keine Muslime aufnehmen kann und soll weil diese die Feinde der Juden sind ist eine Erklärung die ich für meinen Teil nicht nachvollziehen kann. Natürlich hat die Aufnahme von Flüchtlingen der AFD in die Hände gespielt - Aber sollen wir uns von der rechten Brut in Geiselhaft nehmen lassen und deswegen Schutzsuchende an unseren Grenzen abweisen. Von einer Aufnahmepolitik kann bei der derzeitigen Praxis davon abgesehen überhaupt keine Rede mehr sein. Daß er gleich von "Hass" auf Merkel spricht ist einfach nur armselig. Von mir aus kann er gerne seine Staatsbürgerschaft ablegen. Es gibt ja auf der Welt auch so viele Staaten, die so freiheitlich geprägt sind wie Deutschland.
Papazaca 11.05.2018
5. Kann Lagerfeld verstehen, teilweise
Seinen deutschen Pass abzugeben ist natürlich Tobak. Und Merkel hassen? Der Meister überzieht, klar. Aber Merkel ist sicher die Mutter der AfD, alte Nazis sind aus ihren Löchern gekrochen und Flüchtlinge haben auch ihren Anteil am alten/neuen Antisemitismus. Ansonsten macht sein neuer Bart den inzwischen betagten Meister noch älter und das Alter birgt offensichtlich die Gefahr für noch rigidere Standpunkte. Die SPON-Redaktion kann das sicher bestätigen. Rentner haben eben mehr Zeit für einen letzten, lauten Protest.
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