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der Sieger heißt Kim Jong Un. Beim Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Herrscher und US-Präsident Donald Trump ist in Singapur eingetreten, was viele befürchtet hatten: Kim verpflichtet sich zu nichts, Trump hingegen ist Nordkorea weit entgegengekommen.

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Heft 24/2018
Das Zeitalter der Autokraten

Zwar unterzeichneten die beiden Staatschefs ein vier Punkte umfassendes Dokument, doch Nordkorea gibt darin nicht etwa sein Atomwaffenprogramm auf, sondern bekräftigt nur seine Absicht, an der Denuklearisierung der ganzen koreanischen Halbinsel arbeiten zu wollen. Das ist sehr vage und geht keinen Schritt weiter als frühere Erklärungen Kims oder seines Vaters und Großvaters. Trump dagegen stoppte sofort die militärischen Übungen der USA mit Südkorea. Es ist erstaunlich, dass die USA einen solchen Schritt ohne eine substanzielle Gegenleistung Kims unternehmen. Denn bereits die Tatsache, dass Trump Kim überhaupt traf, erfüllte alle Träume des nordkoreanischen Diktators - eine solche Anerkennung, einen solchen Auftritt auf der Weltbühne, auf Augenhöhe mit den USA, hatten sich die Nordkoreaner stets gewünscht. Das Beste: Sie mussten nichts dafür tun.

Trump und sein Buddy Kim

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Trump ist die Show wichtiger als der Inhalt, außerdem scheint er ernsthaft überzeugt davon, dass sein gutes persönliches Verhältnis zu Kim alles richten werde - das kann man nur als naiv bezeichnen. Trump machte deutlich, dass er sich mit dem jungen Diktator persönlich identifiziert, der mit nur 26 Jahren das Familiengeschäft habe übernehmen müssen und den er als "sehr talentiert" bezeichnete. Trump sprach über die "Leidenschaft", die das nordkoreanische Volk seinem Führer angeblich entgegenbringe - einem Mann, der seine Gegner in Arbeitslager steckt und Familienmitglieder umbringen ließ.

Es ist atemberaubend, dass ein US-Präsident einem brutalen Diktator derart schmeichelt, nachdem er Amerikas traditionelle Verbündete beim G7-Gipfel wie Feinde behandelte. Absurd ist auch, dass Trump sich bei Nordkorea auf vage Absichtserklärungen einlässt, aber die viel weitergehende Vereinbarung mit Iran aufkündigt, die einen realen Verzicht auf ein Atomprogramm samt strenger Kontrollen beinhaltete. Natürlich gilt weiterhin: Gespräche sind angesichts der nuklearen Bedrohung durch Pjöngjang grundsätzlich richtig - es bleibt auch zu hoffen, dass Trump eines Tages die Denuklearisierung Nordkoreas erreicht. Große Skepsis ist allerdings angebracht.

Merkel mit Kurz gegen Seehofer

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Der österreichische Regierungschef Sebastian Kurz ist seit gestern Abend in Berlin zu Besuch. Ausgerechnet dieser Liebling der deutschen Konservativen und große Kritiker der Merkel'schen Flüchtlingspolitik springt der Bundeskanzlerin im Streit mit Horst Seehofer um dessen "Masterplan" bei: Auch Österreich will nicht, dass Deutschland einen Teil der Asylbewerber direkt an der Grenze abweist - viele blieben dann in Österreich.

Einmal mehr zeigt sich aber, dass Angela Merkel ihre Politik einfach nicht erklären kann. In der Tat würden die übrigen Europäer eine Grenzschließung als erneuten deutschen Alleingang in der Migrationsfrage sehen, doch weder in der Union noch in der Öffentlichkeit dringt die Kanzlerin mit diesem Argument so richtig durch. Seehofer hält auf der anderen Seite stur an seinem Plan fest.

Der Streit ist für Merkel hochgefährlich. Er bedroht die Fraktionsgemeinschaft der Union, die Regierung, aber auch Merkel selbst. Nicht nur in der CSU, sondern auch in der CDU steigt der Druck auf die Kanzlerin. Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist nicht zu erkennen. Der Streit lässt sich kaum mehr beilegen, ohne dass entweder Merkel oder Seehofer einlenken und eine schwere Demütigung erfahren.

Mazedonien soll Nord-Mazedonien heißen

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Nach mehr als einem Vierteljahrhundert soll der absurde Namensstreit zwischen Griechenland und dessen nördlichem Nachbarland Mazedonien gelöst sein. Die Regierungschefs von Griechenland und Mazedonien, Alexis Tsipras und Zoran Zaev, haben sich auf einen Kompromiss geeinigt. Mazedonien, das international bisher meist nur "FYROM" (die englische Abkürzung für "Frühere jugoslawische Republik Mazedonien") heißen durfte, wäre demnach künftig die "Republik Nord-Mazedonien".

Griechenland verhinderte durch seine EU-Mitgliedschaft seit Jahren, dass sich das Nachbarland nennen kann, wie es will und blockierte auch dessen Nato-Mitgliedschaft. In Athen werden einerseits Gebietsansprüche befürchtet, man sieht sich vor allem aber selbst als Erbe der historischen Region Makedonien (der auch Alexander der Große entstammt). In Griechenland haben die konservative Opposition und die Partei von Verteidigungsminister Panos Kammenos Widerstand gegen die Vereinbarung angekündigt, Tsipras wird also die Unterstützung von Teilen der Opposition brauchen.

Verlierer des Tages...

Mark Brake/Getty Images

... ist Elon Musk. Der Tesla-Chef entlässt 9 Prozent seiner Mitarbeiter, das sind mehr als 3000 Personen. Die Firma soll auf diese Weise endlich Gewinn machen, sie hat außerdem seit Monaten Probleme bei der Fertigung des neuen "Model 3". Musk hat in den vergangenen Wochen damit auf sich aufmerksam gemacht, dass er bis 2025 den Mars besiedeln will, auf Twitter schimpfte er ausgiebig über "die Medien", die er als unglaubwürdig brandmarkte. Steht er womöglich einfach zu sehr unter Druck? Musk ist wegen seiner ambitionierten Projekte zu einer schillernden Medienfigur geworden, er befeuert die Träume von Technikfans, doch nun kämpft er gegen ein relativ banales Problem, das auch andere Hersteller haben: Wie kann man mit dem Bau von Autos Geld verdienen?

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
haresu 13.06.2018
1. Operette in Singapur
Tragödie in Berlin. Die Gewichtung hier stimmt überhaupt nicht.
StefanZ.. 13.06.2018
2. In Südkorea ist die Stimmung eher gut
Ich hatte gestern die Gelegenheit einem koreanischen Professor mit einem ganzen Netz von Kontakten in die Politik zur Einschätzung des Zusammentreffens zuzuhören. Er fand einige von Kims Äußerungen extrem ungewöhnlich und darum vielversprechend, vor allem beim Eingestehen von falschen Wegen und Entscheidungen auf nordkoreanischer Seite. Und was den Mangel an Ergebnissen angeht, die riesige Geldverschwendung von fast ganzjährigen Großmanövern runterzuschrauben ist wohl kaum als Vorleistung zu bezeichnen, wenn Kim schon seit einem halben Jahr keinen Raketen mehr rumballert. Und es wurde im Gespräch klar, dass die schwerwiegenden Sanktionen bis zum technischen Atomabrüstungs-Point-of-no-return bestehen bleiben. Gemäß Trump wäre das im Zeitbereich von 20% des Gesamtabbaus, den er im worst-case nach 10-15 Jahren erwartet. Mit anderen Worten, Herr Kim muss in Vorleistung gehen und wohl noch 2 Jahre seine Bevölkerung unter Sanktionen leiden lassen. Ich sah den berüchtigten Bolton in der US Verhandlungdelegation. Damit ist auch sichergestellt, dass die Details, die nun verhandelt werden ganz nach seinem Weltbild einseitig zum Nachteil Nordkoreas ausfallen werden.
i.dietz 13.06.2018
3. Guten Morgen
Treffen: Kim - Trump Trump ist jederzeit für eine neue Überraschung gut ! Asylpolitik: Seit 2015 wird diskutiert - diskutiert - diskutiert ....... ! Prognose: ...... und wenn sie nicht gestorben sind, diskutieren sie immer noch !
schröderschröder 13.06.2018
4. was hat Trump...
.. eigentlich zu dem Fahrzeugtyp des Nordkoreaners gesagt? Er will diese Autos ja in Amerika nicht mehr sehen
m.gu 13.06.2018
5. Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung bewegt in dieser
Frage der Kampf zwischen Merkel und Seehofer. Natürlich geht es wieder um das Ausländerproblem wie seit ca. 3 Jahren. Die wahren in Probleme in Deutschland sind nicht die ca 3 Millionen Ausländer sondern vor allem der unmenschliche Zustand von ca. 18 Millionen deutscher Mitbürger, die im Monat weitaus weniger als 1 056 Euro für Mietzahlung und zum Leben zur Verfügung haben. Kein Ton dieser christlichen Politiker zu der wahren Lage von vielen Millionen Mitbürger siehe Beweis Quelle: "Studie mit präziseren Kriterien: Arme Familien sind ärmer als gedacht." Not und Elend für viele Menschen, so dass bereits ca. 1,5 Millionen Menschen zu den Tafeln in D. gehen müssen um satt zu werden. Im reichsten Land Europas sind die Auswirkungen verheerend, siehe Beweis Quelle: "Wohnungslosigkeit - 860 000 Menschen haben in Deutschland keine Wohnung." Jeder 2. wohnungslose Europäer ist ein deutscher Mitbürger, s. Beweis Quelle: "Deutschland hat die meisten Obdachlosen." Des weiteren siehe Quelle: "Deutsche Renten am niedrigsten in ganz Europa." Durch ein unsoziale Politik dieser Politiker wird die Schere zwischen arm und reich in Deutschland immer größer. Zu diesen Themen müsste weitaus mehr in unseren Medien diskutiert werden. Auch im Spiegel, denn die meisten Menschen haben ein Recht auf mehr soziale Gerechtigkeit in einem demokratischem Staat, mehr Recht menschlich von den Regierenden in Berlin behandelt zu werden.
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