Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Donald Trump wird wohl keinen Friedensnobelpreis mehr bekommen, seitdem er zwei Streichhölzer in das Ölfass Naher Osten geworfen hat: die Kündigung des Iran-Abkommens, die Eröffnung der Botschaft in Jerusalem. Gleichwohl liegen weiter große Hoffnungen der Menschheit auf seinen Schultern. Er kann immer noch ein Teilzeit-Friedensfürst werden, wenn es ihm gelingt, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu einem Verzicht auf Atomrüstung zu bewegen.

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Heft 21/2018
Wie Verbrecher und Heilige eine Weltmacht schufen

Heute trifft Trump in Washington Moon Jae In, den Präsidenten Südkoreas, um das Treffen mit Kim Jong Un vorzubereiten.

Regieren - das kann doch jeder

AP

Das Rührende an Italien ist dieses unverwüstliche Vertrauen in Politiker, die keine sind. Dabei wurde die politische Ochsentour, damals cursus honorum genannt, schon im alten Rom praktiziert, wenn nicht erfunden. Man musste in der Regel Quästor, Prätor und so weiter gewesen sein, um Konsul, also Regierungschef werden zu können. Und nun nehmen sie als Regierungschef wohl Giuseppe Conte, einen Professor aus Florenz, der viele Universitäten, aber wenige Parteitage besucht hat. Das ist ungefähr so, als würde Professor Werner Lehmann Bundeskanzler. Den kennen Sie nicht? Eben.

Alle Augen richten sich nach Meck-Pomm

Parchim und Pasewalk, beide in Mecklenburg-Vorpommern gelegen, haben heute die Ehre, die Zentren der deutschen Politik zu sein. Bundeskanzlerin Merkel besucht ihren Wahlkreis, Finanzminister Scholz verschlägt es zu einem Empfang von Unternehmern. Parchim (Scholz) ist übrigens größer als Pasewalk (Merkel), 18.000 zu 10.400 Einwohner.

Luxusgut Pommes

DPA

Kleiner Bericht von einem Ausflug an einen Berliner See: Sonne, ein Biergarten, am Nachbartisch sitzt eine Mutter mit zwei kleinen Söhnen. Sie wollen Pommes, klar, und die Mutter gibt ihnen einen Zehn-Euro-Schein, damit sie sich ihr Lieblingsgericht holen können. Als sie zurückkommen, fragt die Mutter nach dem Wechselgeld. Wahrheitsgemäß sagen die Jungs, dass sie kein Wechselgeld bekommen haben, da zwei Portionen Pommes zehn Euro kosten. Entsetzen im Gesicht der Mutter, Entsetzen über den unverschämten Preis, aber wohl auch Entsetzen darüber, dass nun Geld fehlt, weil der Etat so klein ist. Die Jungs sind nun auch betroffen, weil sie im Gesicht der Mutter sehen können, dass ihr eigentlich doch kleiner Wunsch die Mutter aus der Bahn wirft. Still essen sie ihre Pommes.

Gewinner des Tages

DPA

Peter Merseburger, Günther Nonnenmacher, Juli Zeh und weitere Bürger bekommen heute von Bundespräsident Steinmeier einen Verdienstorden überreicht. Damit sind sie die Gewinner des Tages.

Anlass für die Verleihung ist der Verfassungstag der Bundesrepublik, der morgen gefeiert wird. Aber was heißt schon gefeiert. In Wahrheit ist kaum einem feierlich zumute, weil am 23. Mai 1949 das Grundgesetz in Kraft trat. Der Bundesrepublik fehlt der Gründungsmythos, jedenfalls war sie nicht in der Lage, aus ihrer Gründung eine große Erzählung zu machen.

Wie anders das in den USA ist, habe ich kürzlich beim Musical "Hamilton" in New York gesehen. Alexander Hamilton war einer der Gründungsväter der Vereinigten Staaten, und ich war extrem beeindruckt, wie großartig politische Geschichte auf der Bühne funktionieren kann. Es war herrlich zu sehen, wie die Gründungsväter Hamilton und Thomas Jefferson den Streit über die Ausrichtung des neuen Staats als Battle Rap ausgetragen haben.

So möchte ich das auch hierzulande sehen. Carlo Schmid von der SPD und Anton Pfeiffer von den Union rappen gegeneinander an, wie die Länderkammer und das Wahlrecht ausgestaltet werden. Aber wahrscheinlich würde das niemand sehen wollen. "Hamilton" dagegen ist seit Jahren ausverkauft.

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Herzlich,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 2 Beiträge
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bs2509 22.05.2018
1. Irgendetwas
scheint Kurbjuweit an Donald Trump nicht begriffen zu haben. Wie bitte schön kann so eine jounalistisch zweifelhafte Formulierung erscheinen. Der Teilzeit -Friedensfürst . . . zwei Sachen, Kurbjuweit, erstens, Teilzeit muss eher Vollzeit heißen und zweitens Friedensfürst ist ein Begriff, den selbst Trump sich verbitten würde.
M___K 22.05.2018
2. Korea braucht MEHR als nur Abrüstung!!
Ein großer Mangel der aktuellen westlichen Politik ist ihr Mangel an Ambitionen. Trump ist ein typischer 'Bully'? Viele Sprüche und wenig dahinter - und der SPIEGEL scheint diese Ambitionslosigkeit sogar zu stützen?. Natürlich ist es notwendig, dafür zu sorgen, dass Nordkorea keine atomare Bedrohung mehr darstellt. Es ist aber nicht hinreichend. Auch ohne Atomwaffen ist Nordkorea eine irre Diktatur, die ihre Bürger/innen einsperrt, gängelt und grotesk indoktriniert. Einen Erfolg kann man erst verbuchen, wenn Nord- und Südkorea demokratisch wiedervereinigt sind. Gerade Deutsche sollten Koreanern auch das gönnen, was in Deutschland und Europa erfolgreich umgesetzt wurde!
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