Die Lage am Dienstag Liebe Leserin, lieber Leser,


zum ersten Mal wird Donald Trump heute vor beiden Häusern des Kongresses eine Rede zur Lage der Nation halten. Für US-Präsidenten ist das jährliche Ritual seit jeher eine schöne Möglichkeit, ihre Pläne und Visionen auszubreiten und sich als Vater der Nation zu präsentieren. Nach allem, was man in Washington hört, will Trump natürlich erstmal sich selbst loben. Darüber hinaus ist völlig offen, was uns sonst noch erwartet.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 5/2018
Die Pflegekatastrophe: Deutschland lässt seine Familien im Stich

Der Mann ist bekanntlich unberechenbar. Es ist gut möglich, dass er den Versöhner gibt und die oppositionellen Demokraten zur Zusammenarbeit einlädt, zum Beispiel beim Thema Zuwanderung oder bei seinem Plan zur Erneuerung der Infrastruktur. Genauso gut kann es aber auch passieren, dass er die Gelegenheit nutzt, um seine Kritiker zu attackieren oder einen neuen Handelskrieg mit China auszurufen. Wir lassen uns überraschen, die Rede beginnt um 21 Uhr Ortszeit. Mittwochfrüh lesen Sie dann bei SPIEGEL ONLINE unsere Analyse.

Getty Images

VW übt die Vorneverteidigung

Volkswagen wird für die nun bekanntgewordenen Affen-Experimente zurecht scharf kritisiert. Es ist grotesk, mit welchen Methoden die Herren aus der Automobilbranche jahrelang versucht haben, ihre Diesel-Autos zu einer Art Öko-Technik hochzujubeln. Interessant ist bei diesem Fall aber auch, wie der VW-Konzern reagiert: Statt die Affäre wie früher zu leugnen oder wegzudiskutieren, gehen Aufsichtsrat und Vorstand zur Vorneverteidigung über. Vorstandschef Matthias Müller nennt die Tierversuche "falsch, unethisch, abstoßend". Chef-Aufseher Hans Dieter Pötsch sagt, er distanziere sich nachdrücklich von den Tierversuchen. Die Taktik ist klar: Beide hoffen darauf, dass sich der Sturm bald legt und sie weiter ungestört Autos verkaufen können. Das könnte funktionieren, denn die meisten Kunden scheint der gesamte Diesel-Skandal ohnehin eher kalt zu lassen. Im vergangenen Jahr verkaufte VW trotz Diesel-Affäre fast elf Millionen Autos - vier Prozent mehr als im Vorjahr.

REUTERS

Kommt Puigdemont doch nach Barcelona?

Dem Drama um Kataloniens Unabhängigkeit wird heute ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Im Parlament in Barcelona soll am Nachmittag die Debatte über den Kandidaten für die Regionalpräsidentschaft, Carles Puigdemont, beginnen. Laut einer Entscheidung des Verfassungsgerichts kann die Sitzung nur stattfinden, wenn Puigdemont persönlich erscheint und sein Regierungsprogramm vorstellt. Er hält sich aber in Brüssel auf, um einer drohenden Festnahme durch die spanischen Behörden zu entgehen. Die Möglichkeit, das Programm per Videoschalte zu präsentieren, hat das Gericht ausgeschlossen. Das Parlamentsgebäude soll zudem schwer bewacht werden, um zu verhindern, dass sich Puigdemont über Hintereingänge in den Saal schleicht.

Gewinner des Tages...

... sind die Frauen in Iran, die nicht länger vom Staat dazu gezwungen werden wollen, ihre Haare mit einem Tuch, dem sogenannten Hidschab, zu bedecken. Erneut haben Frauen in Teheran an belebten Straßenkreuzungen gegen die strengen religiösen Regelungen in dem Land protestiert, indem sie auf Stromkästen kletterten und ihre Kopftücher abnahmen. "Ich will mir nicht länger von der Regierung vorschreiben lassen, was ich mit meinem Körper zu tun habe", sagte eine der Frauen. Das ist mutig und zeigt, dass sich die Protestbewegung in Iran offenbar nicht von der Staatsmacht unterkriegen lässt.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL-Plus-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag,

Ihr Roland Nelles

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
StefanZ.. 30.01.2018
1. Falsch, unethisch, abstoßend
Klar, doch, hochentwickelte Säugetiere zu vergiften für die Entwicklung und den noch für viele weitere Jahre geplanten Verkauf von Verbrennungsmotoren ist genau das. Es ist genauso falsch, unethisch und abstoßend ohne mit der Wimper zu zucken Klimaschädigung sowie die Luft- und damit Menschenvergiftung bei der Weiterproduktion der veralteten Antriebe in Kauf zu nehmen. Hiermit nominiere ich Herrn Mueller zum Verlierer des Tages.
StefanZ.. 30.01.2018
2. 2. Verlierer
Den hätte ich beinahe vergessen. McCabe steckt tief im Schlamassel um die Management Machenschaften der letzten beiden Jahre im FBI. Seine gestrige Kündigung deutet an, dass die Abläufe des tatsächlichen Skandals im Zusammenhang der beiden Wettbewerber fürs das US Präsidentenamt bald das Licht der Öffentlichkeit erblicken werden. Man darf auf die entsprechenden neuen Ermittlungen und Gerichtsverfahren gespannt sein. Die gerade zur Veröffentlichung freigegebene House Intelligence Committee Memo bringt den Stein ins Rollen.
keine Zensur nötig 30.01.2018
3. schlimm, schlimm - die Lage
unser aller Trumpolino wird wieder vollkomen losgelöst reden. Nix Neues, inzwischen gekebte Normalität. Dass er in seinem ersten Jahr für seine Amis doch etwas tat, geht leider vollkommen unter. Seine Isolationspolitik schaffte es zumindestens die Arbeitslosigkeit deutlich zu senken. Dass der Kerl unberechenbar ist - wissen wir genauso, wie seine Ex-Kontrahentin berechenbar war. Mit den entsprechenden Geschenken - äh, Spenden haben sich die Russen als Erzfeind mal fix 20% des US-Urans vereinnahmt - siehe Uranium One Deal, von dem man in Deutschland verdächtigt wenig lesen kann. Mein Verlierer des Tages - die spanische Regierung, die ein klares Votum des Volkes abermals mit Gewalt unterdrückt. Ein klares Zeichen der Schwäche. Und eine dazu schweigende EU - scheußlich. Die Gewinner des Tages - ja, die Frauen! Im Iran wehren sie sich gegen staatliche Bevormundung, aber auch hier bei uns. In Kandel gingen immerhin 1000 Frauen auf die Straße, um unseren Staat an seine Pflicht zum Schutz von Frauen und Mädchen vor Übergriffen zu erinnern.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.