Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


war es Verrat? Das ist die Frage, die sich große Teile der US-Gesellschaft stellen, seitdem ihr Präsident Donald Trump bei einer Pressekonferenz mit Wladimir Putin die amerikanischen Geheimdienste bloßgestellt hat. Die Liberalen, und nicht nur die, sind up in arms, sind außer sich vor Wut. Die "New York Times" widmete diesem Thema gestern ein Dutzend Artikel. Hier ist ein Auszug aus dem Text des Kolumnisten Thomas L. Friedman:

"Meine lieben Landsleute, wir haben ein Problem, und wir müssen heute einige große Entscheidungen treffen. Dies war ein historischer Moment in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Es gibt überwältigende Beweise, dass unser Präsident, zum ersten Mal in unserer Geschichte, mit Absicht oder aus grober Fahrlässigkeit oder wegen seiner verdrehten Persönlichkeit ein verräterisches Verhalten an den Tag gelegt hat - ein Verhalten, das seinen Amtseid verletzt, 'die Verfassung der Vereinigten Staaten zu erhalten, zu beschützen und zu verteidigen'."

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 29/2018
Was es für Deutschland heißt, Donald Trumps Feind zu sein

Trump rudert mittlerweile zurück, wirkt vollends orientierungslos. Er ist, das wissen wir nun wirklich, der unfähigste und damit gefährlichste Präsident, den Amerika je hatte (außer vielleicht Lincolns Nachfolger Andrew Johnson).

Die Desinteressierten

Zwei Zitate von maßgeblichen Russen aus diesen Tagen:

Zwei Sätze ohne Zusammenhang, aber vielleicht doch ein Hinweis auf eine Haltung: Russland will mitmischen im Weltgeschehen, nicht immer fair, will sich aber mit Kritik nicht auseinandersetzen, bleibt dann für sich, hochnäsig, auf einem eigenen Planeten.

Madiba Magic?

REUTERS

Heute ist der 100. Geburtstag von Nelson Mandela. Ich habe unseren Korrespondenten in Kapstadt, meinen Freund Bartholomäus Grill, gefragt, was man zu diesem Jubiläum sagen kann, was noch nicht jeder gesagt hat. Das hat er mir geschrieben: "Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die radikale schwarze Jugend über den 'Vater der Nation' spricht. Sie kritisiert den Versöhnungskitsch und das Getue um die multiethnische Rainbow Nation und beklagt, dass Mandela durch seinen historischen Kompromiss die echte Befreiung behindert habe. Tenor: Madiba Magic? Was hat sein Zauber schon gebracht? Die politische Apartheid lebt in der ökonomischen fort, die Mehrheit der Schwarzen ist so arm wie eh und je. Und die Weißen sind billig davongekommen, fühlen sich durch die Wahrheitskommission entlastet und führen weiterhin ein privilegiertes Leben."

Ein feiner Mensch

DPA

Ich bin traurig, denn gestern ist Erardo Cristoforo Rautenberg gestorben. Er wurde 65 Jahre alt. Rautenberg war mehr als 20 Jahre lang Generalstaatsanwalt in Brandenburg. Bei der Wahl 2017 ist er für die SPD in Frank-Walter Steinmeiers ehemaligem Wahlkreis angetreten, hat es aber nicht in den Bundestag geschafft. Er konnte kaum Wahlkampf machen, da er in jener Zeit krank wurde.

Ich habe Rautenberg vor einigen Jahren kennengelernt, weil wir uns zusammen für ein Denkmal für die Forty-Eighters in Berlin eingesetzt haben. Das sind deutsche Demokraten, die an der Revolution 1848/49 teilgenommen haben und nach ihrem Scheitern in die USA emigriert sind, allen voran Carl Schurz, der dort später Innenminister wurde.

Rautenberg war ein feiner, überaus angenehmer Mensch, ein großer Demokrat, ein Staatsbürger im besten Sinne, der sich auch dafür engagiert hat, Brandenburger Jugendliche vom Rechtsextremismus fernzuhalten und für die Demokratie zu gewinnen. Kurz vor seinem Tod hat er sich gewünscht, dass wir weiterhin für das Denkmal kämpfen.

Ohne Sie, lieber E.C. Rautenberg, wird es noch schwerer, aber wir bleiben dran, das ist versprochen.

Verlierer des Tages...

DPA

...ist die ARD. Als Sportfan schaue ich hin und wieder in die App der "Sportschau". Gestern stand dort über Stunden ein Aufmacher mit den "Highlights der ersten Woche bei der Tour de France". Das Foto zeigte eine apokalyptisch anmutende Sturzszene. Ein Rad fliegt durch die Luft, ein Fahrer landet auf den Knien, ein anderer liegt auf dem Rücken, man sieht nur ein abgewinkeltes Bein.

Ist das ein Highlight? Der Schmerz, womöglich Verletzungen, verpasste Chancen. Von der "Sportschau" erwarte ich, dass der Sport dort in guten Händen ist. Hier aber waren Zyniker am Werk, die es für angemessen halten, sich an Stürzen zu delektieren.

DIE LAGE - der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Start in den Tag.

Ihr Dirk Kurbjuweit

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ayee 18.07.2018
1. Ja, Trump ist ein Verräter
Er führt Ameika in eine weltpolitische Isolation. Er sorgt damit dafür, dass andere Nationen sich von Amerika emanzipieren müssen. Er leistet damit Chinas Weg zur neuen weltpolitischen und -wirtschaftlichen Nummer 1 Vorschub. Damit richtet er langfristigen, irreparablen Schaden an. Allerdings wurde er gewählt. Seine Wähler sind genauso kurzsichtig, uninformiert und unstrategisch, wie er. Losereigenschaften.
ach 18.07.2018
2.
Da sind also in den USA ein paar Geheiemdienstleute beleidigt, weil ihr Präsident ein paar ihrer Aussagen mit Skepsis sieht. Und warum dominiert sowas die Berichterstattung über das Gipfeltreffen bei uns?
quark2@mailinator.com 18.07.2018
3.
Leider ist nicht nur Trump seltsam, sondern mithin auch das System, welches zu seiner Wahl führte. Man kann Russland ja viel vorwerfen, aber wählen mußten ihn die Leute am Ende ja nun doch selber - angesichts seiner irren Auftritte vorher ... RU hat Dokumente veröffentlicht, die Hillary nicht gerade gut aussehen ließen, aber wer hat denn die Anzahl wählbarer Kandidaten auf 2 begrenzt und dafür gesorgt, daß man ne Milliarde braucht, um Präsident zu werden ? Das ganze Uhrwerk sorgt nicht gerade für sinnvolle Ergebnisse. Wir haben eine ewige Kanzlerin, die als Umweltministerin massenhaft Atommüllfässer in ein nur teilweise aufgeklärtes Loch hat kippen lassen - gegen den Rat der Fachleute. Sowas sollte nicht möglich sein ... Also nicht immer nur auf Trump schauen. Der Mann hat einen noch schlimmeren Vize ...
omanolika 18.07.2018
4. Uneingeschränkte Nummer 1
Trump besitzt die Fähigkeit, zu wirklicher Gefährlichkeit, allerdings nicht absichtlich, denn scheinbar ist er geistig gebrechlich, und es gibt keinen Ersatz, er belegt den ersten Platz! Donald Trump greift sich in der Rangliste die Sterne, und Andrew Johnson ist hinter ihm, sehr in weiter Ferne...
die-metapha 18.07.2018
5.
Zitat von achDa sind also in den USA ein paar Geheiemdienstleute beleidigt, weil ihr Präsident ein paar ihrer Aussagen mit Skepsis sieht. Und warum dominiert sowas die Berichterstattung über das Gipfeltreffen bei uns?
Nein - nur deshalb, weil er die Souveränität des eigenen Landes demontiert und zum Selbstschutz gerne bereit ist, das eigene Land zu verkaufen. Nur deshalb. Außerdem war es ja - nach Trumps eigenen Angaben - ein „Verprecher“ Es ist schon irgendwie lustig, wie die Trumpisten in ihrer Argumentation ihrem Idol gleichen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.