Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa geht in die nächste Runde. Seit heute Nacht gelten nun offiziell die Vergeltungszölle der EU auf ausgewählte US-Waren. Die Europäer belegen vor allem Produkte mit Zöllen von 25 Prozent, die aus Bundesstaaten kommen, in denen die Leute hauptsächlich Donald Trump und seine Republikaner wählen. Trump wird sich davon vermutlich nicht beeindrucken lassen, sondern nur weiter an der Eskalationsschraube drehen, ganz so, wie er es mit China tut.

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Heft 25/2018
Wie gehen wir mit Migranten um? Die Flüchtlingskrise gefährdet Merkels Kanzlerschaft

Auf der Strafzollliste der Europäer stehen zum Teil kuriose Produkte. Neben Bourbon, Jeans und Erdnussbutter findet sich da auch Augen-Make-up, der Weber-Grill, Kanus, Spielkarten und Schnupftabak. Der Gegenschlag der Europäer ist sicherlich gut und richtig, aber letztlich doch nur eine Verzweiflungstat. Besser wäre wohl, es gäbe in Europa ein Importverbot für politische Dummheit.

Was würde Franz-Josef Strauß wohl sagen?

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Im Streit zwischen Angela Merkel und der CSU treibt alles auf das große Finale zu - und die Bayern haben es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, die ohnehin schon hysterische Stimmung jeden Tag noch ein wenig mehr anzuheizen. Heute bietet sich wieder eine Gelegenheit dazu: Bayerns neuer Ministerpräsident Markus Söder will nach 100 Tagen im Amt eine Bilanz seiner bisherigen Arbeit ziehen und zwar mit einem großen Auftritt vor der Presse in München. Kann er dabei Parteichef Horst Seehofer toppen? Der hat gerade in einem Zeitungsinterview Angela Merkel vor seiner Entlassung als Innenminister gewarnt und indirekt mit dem Ende der Koalition gedroht. Mehr Drama geht kaum. Franz-Josef Strauß, der sich auch gern mit der CDU und Helmut Kohl verkrachte, wäre vermutlich stolz auf seine Mannen. Strauß wusste aber immer, wann es genug war mit dem Gezänk. Wissen Seehofer und Söder das auch?

Und Griechenland schafft es doch

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Wie Krisen in Europa gelöst werden, zeigt das Beispiel Griechenland: Es braucht viel Geduld und Spucke, europäische Zusammenarbeit und harte Arbeit. Mit Populismus und scheinbar einfachen Lösungen kommt man nicht weiter. Seit Jahren wird das Land mit Hilfskrediten der europäischen Partner und des IWF unterstützt, im Gegenzug haben die Griechen ein straffes Reformprogramm aufgelegt. Die Finanzminister der Eurozone haben sich nun auf die Bedingungen für eine Beendigung des Rettungsprogramms verständigt. Die Griechen erhalten eine Abschlusszahlung von 15 Milliarden Euro und bekommen mehr Zeit, um ihre Kredite zurückzuzahlen. Inzwischen wächst die griechische Wirtschaft wieder, der Staat erwirtschaftet sogar Überschüsse - der totale Zusammenbruch wurde verhindert. Das alles wurde nur gemeinsam erreicht, nicht gegeneinander.

Jackegate in den USA

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Okay, es ist nur eine Jacke. Im Streit um die Trennung von Migrantenkindern von ihren Eltern ist First Lady Melania Trump an die Grenze zu Mexiko gereist, um sich über die Lage zu informieren. Die Blitzaktion war offenbar der Versuch, den Schaden, den ihr Mann mit seiner "Null-Toleranz-Politik" angerichtet hat, irgendwie zu reparieren. Sie wollte Mitgefühl zeigen. Dummerweise trug sie dabei eine Jacke mit der Aufschrift: "I really don't care. Do u?" Was so viel heißt wie: "Es ist mir wirklich egal - und euch?"

Das ist natürlich reichlich unpassend, war aber vermutlich keine Absicht. Melania Trumps Sprecherin beeilte sich denn auch klarzustellen, dass es sich dabei auf keinen Fall um irgendeine versteckte Botschaft gehandelt habe. Der Melania-Fauxpas wäre damit eigentlich erledigt gewesen. Doch dann meldete sich Donald Trump zu Wort und verkündete: Der Spruch sei natürlich doch eine Botschaft gewesen - und zwar an die "Fake News"-Medien. "Melania weiß, wie unehrlich sie sind, und das ist ihr wirklich längst egal", twitterte er. Na, dann ist ja alles klar.

Gewinnerin des Tages...

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... ist Emily Haber, Deutschlands neue Botschafterin in den USA, also am Hofe des Donald Trump. Sie übernimmt damit einen der verrücktesten Posten, die das Auswärtige Amt derzeit zu vergeben hat. Gleichzeitig ist es aber natürlich auch einer der spannendsten. Die studierte Historikerin war zuletzt Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, zuvor arbeitete sie in gleicher Funktion im Auswärtigen Amt. Sie folgt auf Peter Wittig, der Deutschland in Washington exzellent vertreten hat und nun als Botschafter nach London wechselt. Heute wird Haber im Weißen Haus US-Präsident Donald Trump treffen und ihr Beglaubigungsschreiben überreichen. Wie sagen die Amerikaner so schön? "Good luck!"

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
eunegin 22.06.2018
1. (Straf)zölle sind kein "Importverbot"
Etwas mehr Genauigkeit in der Wortwahl und mehr Verantwortungsbewusstsein wäre schon angebracht. Die Produkte werden am Ende teurer, sind aber eben immer noch verfügbar.
Atheist_Crusader 22.06.2018
2.
"Auf der Strafzoll-Liste der Europäer stehen zum Teil kuriose Produkte. Neben Bourbon, Jeans und Erdnussbutter findet sich da auch Augen-Make-up, der Weber-Grill, Kanus, Spielkarten und Schnupftabak. Der Gegenschlag der Europäer ist sicherlich gut und richtig, aber letztlich doch nur eine Verzweiflungstat. Besser wäre wohl, es gäbe in Europa ein Importverbot für politische Dummheit." Ich will nicht mal anfangen zu verstehen was den Autor zu diesem letzten Satz bewogen hat. Ich hoffe mal er will nicht wirklich die politischen Meinungen diktieren oder glaubt, dass Ideologie sich mit Importgesetzen verbieten lässt. Oder dass Europa die HIlfe der USA bräuchte um asozialen Nationalismus zu entwickeln. Also verbuchen wir das mal unter einem fehlgeleiteten Versuch an den Straffzöllen zu nörgeln, doch statt eine andere Lösung vorzuschlagen versucht man sich in Humor.
kajoter 22.06.2018
3. Danke ..
.. für das Lächeln, das Sie mir am frühen Morgen bereitet haben. Ein Importverbot für politische Dummheit wäre natürlich begrüßenswert, aber leider zwecklos, da die hiesigen Produktionsstätten seit einiger Zeit auf Hochtouren laufen. Die CSU bemüht sich gerade bei der AfD um einen Franchise-Vertrag; die Grünen überlegen, ob sie nicht mit der Evangelischen Kirche per Aktientausch eine Fusion anstreben sollten und die FDP stellt überrascht fest, dass sie vor der Neuaufstellung am Markt völlig vergessen hatte, dafür ein Produkt zu entwickeln. Von den ewigen Querelen in den Aufsichtsräten der SPD und Linken ganz zu schweigen. Das größte Problem besteht aber darin, dass die derzeitige amerikanische Überproduktion an Dummheit derartige Volumina erreicht hat, dass diese unseren Markt über graue Umwege letztlich doch erreichen werden. In einigen Teilen unserer Bevölkerung sind sie schließlich hochbegehrt.
!!!Fovea!!! 22.06.2018
4. Strafzölle auf Kleinkram ist das
Erdnussbutter, Bourbon, Harley Davidson & Jeans...... Lachhaft, als ob die 100.-€ Jeans der Amis nicht jetzt schon überteuert wäre, ach ja, um das schlechte Gewissen nicht noch weiter zu belasten, kann man seine Jeans nicht bei "KIK" kaufen, da man die Kinderarbeit damit unterstützt..., schlimm, wenn man nur Gutes für die Welt will. Nun ja, Alkohol kann ich mir auch aus anderen Ländern kaufen, wenn es amerikanische Fusel nicht sein kann, da er zu teuer ist.... Harley Davidson, komplett überbewertet, Schraubermaschine, der Durchschnittsdeutsche fährt entweder BMW- oder japanische Motorräder. Erdnussbutter, naja, wer es mag....., der wird auch ein paar Cent mehr zahlen. Insgesamt gesehen, blinder Aktionismus, von wegen Importverbot politischer Blödheit. Ich würde eher sagen: Kindische Reaktion auf politische Blödheit, das hat nichts mehr mit intellektueller, diplomatischer Politik zu tun. Auch wenn jetzt einige schreiben, dass die Strafzölle für amerikanische Produkte die Trump Hochburgen treffen. Aber man sollte sich wirklich fragen, wieviel Jeans jemand kauft, wieviel Harley Davidson tatsächlich in Europa verkauft werden u.s.w., bevor man auf diese lächerlichen Produkte Strafzölle erhebt. Ich habe eher den Eindruck, dass die Länder anscheinend nix anderes von den USA importieren, da auf solche Ladenhüter Zölle erhoben werden.
demokrat2 22.06.2018
5. CSU droht mit Austritt aus der Koalition.
Was Besseres könnte Deutschland nicht passieren. Dann wäre endlich mehr Ruhe und Gelasssenheit zum Regieren. Merkel hat mehrere Optionen Kanzlerin zu bleiben. Seehofer würde von der politischen Bühne verschwinden, nachdem seine Parteifreunde ihn als Vorsitzenden abgewählt haben. Denn zum Vorzeigen ist er nicht mehr zu gebrauchen.
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