Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


seit nun schon mehr als zwei Jahren wird kein Thema in Deutschland so leidenschaftlich und so kontrovers diskutiert wie die Flüchtlingsfrage. Die Flüchtlingskrise hat Merkels Kanzlerschaft geprägt und die politische Landschaft in Deutschland verändert. Und die große Frage ist weiter ungelöst: Wie kann eine Flüchtlingspolitik aussehen, die unseren Werten entspricht und die Gesellschaft nicht überfordert? Die zugleich human und mehrheitsfähig ist?

Titelbild
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Heft 34/2018
Heiler, Gurus, Scharlatane - Der Boom der Alternativmedizin

Meine Kolleginnen Nicola Abé und Katrin Elger haben sich mit der Frage beschäftigt und in unserer Titelgeschichte im neuen SPIEGEL eine Antwort versucht. Sie sollten sie lesen, heute ab 18 Uhr.

Geschlagen, getreten, beschimpft

Es war die Nachricht des gestrigen Tages: Der Demonstrant, der in Dresden ein Kamerateam des ZDF beschimpfte, ist ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes in Sachsen. Seit Tagen wird über das Vorgehen der Dresdner Polizei gegen die Journalisten diskutiert. Nun mischte sich sogar Kanzlerin Merkel von Georgien aus in die Debatte ein und verteidigte die Freiheit der Presse.

Mein Kollege, SPIEGEL-TV-Chefredakteur Steffen Haug, hat zu dem Vorfall für den neuen SPIEGEL einen Kommentar geschrieben. Darin berichtet er, dass auch seine Kamerateams immer wieder angegriffen und an ihrer Arbeit gehindert werden - "ob bei Pegida, Verschwörungstheoretikern, Neonazis oder Impfgegnern", schreibt er. Zuletzt seien Kameramann und Reporter bei einer Anti-Impf-Demo attackiert, geschlagen, getreten und beschimpft worden. Meistens erfülle die Polizei ihre Aufgabe, Journalisten die Arbeit zu ermöglichen, allerdings "vorbildhaft".

Putsch, Wodka, Unabhängigkeit

DPA

Am 24. August vor 27 Jahren war ich in der Ukraine. Ich war noch Studentin und ein paar Wochen zuvor nach Kiew gekommen, um dort beim staatlichen sowjetukrainischen Rundfunk ein Praktikum zu machen. Als ich am 19. August morgens aus der Dusche kam, wurde im Radio das Programm unterbrochen. Es folgte eine merkwürdige Ansprache. Ich konnte recht gut Russisch, dachte aber trotzdem zuerst, ich hätte etwas falsch verstanden. Aber später, im Bus, kannten alle nur ein Thema: In Moskau wurde geputscht.

Unsere Redaktion lag direkt am Platz, der heute Platz der Unabhängigkeit heißt. Tag und Nacht wurde dort demonstriert, wir gingen kaum noch nach Hause, trotz Ausgangssperre, es gab immer viel Wodka. Drei Tage später war der Putsch gescheitert, die Sowjetunion zerfiel. Am 24. August wurde auf dem Platz gefeiert, meine Kollegen und ich waren dabei. Und es gab sehr viel Wodka. Ich war von Deutschland in die Sowjetunion gereist und kehrte später aus einem anderen Land, der unabhängigen Ukraine zurück. Ich befürchtete damals, dass die Ukraine zerfallen könnte, zu verschieden erschienen mir der Osten und der Westen des Landes, der Donbass, die Krim, Lemberg. Ich sollte mich irren. Doch der Krieg, den ich befürchtet hatte, kam dann auf ganz andere Weise.

Verlierer des Tages...

FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

... ist der Schauspieler Terence Hill. Fast wäre in Worms eine Brücke nach ihm benannt worden, eine ziemlich verrückte Geschichte. Ein Musiker taufte das Bauwerk vor zwei Jahren im Internet nach dem Schauspieler, weil er in irgendeinem Nibelungenfilm mitgespielt hatte, der Name etablierte sich, obwohl die Brücke eigentlich schon nach dem Unternehmer Karl Kübel benannt war. Doch es gab Streit. Der Wormser Bürgermeister schlug im Juni einen Kompromiss vor, der fast aus einer Schildbürgergeschichte kommen könnte, quasi einen Doppelnamen: Karl-Kübel-Terence-Hill-Brücke. Doch nun eskalierte der Streit erst recht. Offenbar wollten die Angehörigen des wackeren Unternehmers ihn keinesfalls im Bindestrich mit dem Darsteller von Figuren wie "Nilpferd" sehen. Das war's für Terence Hill. Er kommt trotzdem heute nach Worms. Und der Volksmund macht ohnehin, was er will.

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Herzlich,

Ihre Christiane Hoffmann

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insgesamt 3 Beiträge
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StefanZ.. 24.08.2018
1. Gewalt gegen Journalisten
Dieser Berufsstand muß mit derart viel scharfer Kritik (da gehöre ich auch dazu) klarkommen, die dann auch oft das sachliche Niveau verläßt, daß es geradezu doppelt widerlich ist, wenn sich jemand auf das Niveau von physischer Gewalt begibt. Mir fiel vor ein paar Tagen dazu auf, daß es in den USA eine Datenbank über Vorfälle gewalttätiger Übergriffe gegen Journalisten gibt. Der Vorfall der meine Aufmerksamkeit erregte betrifft dabei noch nicht einmal die USA, sondern die Vereinten Nationen mit ihrem New York Hauptquartier, und damit uns alle: https://pressfreedomtracker.us/all-incidents/independent-journalist-matt-lee-forcibly-removed-un-stripped-press-credentials/ Als regelmäßiger Leser von Matthew Lees Blogs finde ich es gelinde gesagt schockierend wieweit diese Organisation gegenüber unbequemem investigativen Journalismus geht. Eine entsprechende Spiegel Recherche wäre wohl interessant und hilfreich.
uffta 24.08.2018
2. Chapeau
"ob bei Pegida, Verschwörungstheoretikern, Neonazis oder Impfgegnern" - bei linken Demonstrationen scheint die Presse also schadlos davon zu kommen. Mein Kompliment für den geschickten Schachzug, die Impfgegener in die Auflistung mit aufzunehmen. So kann niemand sagen, man hätte sich hier auf eine bestimmte Gruppe eingeschossen und kann auch gleich noch die Missetaten der Impfgegner der anderen unliebsamen Gruppe ankreiden.
thequickeningishappening 24.08.2018
3. Verlierer des Tages ist Peter Dutton
Am Ende Einer parteiinternen Tragödie Die am Dienstag mit Der Vertrauensfrage Des PM begann (Welche Er 48 zu 35 gewann) und Vertrauensbekundungen am Mittwoch wurden Die Messer gewetzt und Peter Dutton forderte am gestrigen Donnerstag (sich Einer Mehrheit sicher) PM Turnbull zu Einer erneuten Kampfabstimmung auf. Turnbull spielte ueber Bande und am Ende wurde Scott Morrison heute neuer australischer Premierminister.
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