Die Lage am Donnerstag Liebe Leserin, lieber Leser,


der Sommer 2003 war einer der heißesten der letzten hundert Jahre. Vielerorts kletterten die Temperaturen auf mehr als 40 Grad, auf den Feldern verdorrte das Getreide, und die betroffenen Landwirte erhielten laut Deutscher Presse-Agentur eine staatliche Soforthilfe von 72 Millionen Euro. In diesem Jahr ist es noch längst nicht so warm wie vor 15 Jahren, aber der Deutsche Bauernverband hat seine Forderung schon mal deutlich nach oben geschraubt: auf eine Milliarde Euro. Das erscheint auf den ersten Blick unverhältnismäßig, aber der erfahrene Agrarlobbyist weiß: Die Höhe der Staatshilfen bemisst sich weniger am tatsächlichen Schaden als am Ausmaß der öffentlichen Hysterie.

Die Sprachpolizei der CSU

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Heft 31/2018
Die Özil-Affäre und das Problem mit der Integration

Es lief nicht gut für Horst Seehofer in den vergangenen Wochen. Erst kam die Niederlage im Flüchtlingsmachtkampf mit Angela Merkel. Dann wurden ihm die miesen Umfragewerte für die CSU angelastet. Und schließlich räumten seine Parteifreunde ein, im Konflikt mit der Schwesterpartei verbal überzogen zu haben. Wörter wie "Asyltourismus", "Anti-Abschiebe-Industrie" oder "Obergrenze", die wochenlang die Stammtische im Freistaat zum Beben gebracht haben, stehen nun auf dem CSU-Index, nach dem Motto: Meina darfst des scho, aber sogn darfst des net. Heute tritt Seehofer als Wahlkämpfer im oberbayerischen Städtchen Töging auf, und in der Partei warten nun alle auf einen wichtigen Fingerzeig: Wie hält man eine Bierzeltrede, wenn man nicht mehr wie im Bierzelt reden darf?

Die Fehler der Boss-Bosse

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Sie wollten wie Gucci oder Zegna sein: Doch nach ihrem gescheiterten Ausflug in die Luxusregion der Modewelt setzten die Manager des Metzinger Bekleidungskonzerns Hugo Boss in jüngster Zeit wieder auf die klassischen Tugenden des Kostenmanagements. Läden wurden geschlossen, die Preise gesenkt, Schulden abgebaut. Heute stellt das Unternehmen seine neuesten Quartalszahlen vor, doch manche Branchenkenner fürchten, dass es die Boss-Bosse mit dem Kürzen und Sparen übertrieben haben könnten. Von "Langeweile" und "Mittelmaß" berichtete kürzlich das manager magazin und überschrieb seinen Report mit einem in der Branche höchst unbeliebten Begriff: "Grauschleier".

Der Blues in der Baugruppe

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Wie lautet die Antwort auf Wohnungsnot und steigende Mieten? Das Glück in den eigenen vier Wänden, so meinen zumindest Immobilienexperten und Anlageberater. Meine Kollegin Elke Schmitter weiß es besser, wie Sie ihrer heutigen Glosse auf SPIEGEL Plus entnehmen können: "Wer je eine Wohnung gekauft oder sich gar einer Baugruppe angeschlossen hat, weiß von der moralischen Regression Erwachsener und der hohen Kunst der Intrige anschaulich zu berichten."

Verlierer des Tages...

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ist das heute beginnende Rockfestival in Wacken. In den vergangenen Jahren wurde der Konzertmarathon meist von ergiebigen Regenfällen begleitet, weshalb die Bilder von matschbespritzten und im Morast tanzenden Lederwestenträgern zu Wacken gehörten wie der Bierkrug zum Oktoberfest. Diesmal aber wird die Konzertserie wegen der anhaltenden Hitze- und Trockenperiode wohl eher von "Staub als von Schlamm" geprägt sein, wie die Lokalpresse argwöhnt. Metal-Fans hoffen nun auf unerwartete Gewittergüsse sowie auf den Beistand jener höheren Mächte, auf den auch der diesjährige Wacken-Top-Act Judas Priest vertraut. "Verzweifle nicht", heißt es in ihren Songs, "Mutter Natur ruht nur in ihrem wohlverdienten Schlaf".

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    Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Start in den Tag.

    Herzliche Grüße

    Michael Sauga

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    insgesamt 26 Beiträge
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    ulrics 02.08.2018
    1. Bauernlobby jammern und Klima schädigen
    Das die Rübenernte schlecht ausfällt ist eine gute Nachricht fürs Klima. Der Zucker aus Rüben wird u.a. mit Braunkohlekraftwerken gewonnen...
    StefanZ.. 02.08.2018
    2. Wortakrobatik
    Ich habe in meinem Leben gelernt, dass man Missstände und Fehlverhalten deutlich beim Namen nennen muss, mit klaren Worten, ungeschönt, wenn man ernsthaft daran interessiert ist, die Zustände zu verbessern. Dabei muss immer deutlich sein, dass man Niemanden als Mensch entwürdigt, wie arg das jeweilige persönliche Fehlverhalten auch sein mag. Was sollen wir also daraus schließen, wenn CSU-Vordere, plötzlich wie ein Wetterwechsel Schmusekurs reden? Hatte man vorher geschauspielert und nur zum Schein von groben jahrelangen Politikfehlern und Unterlassungshandlungen mit bereits sichtbaren negativen Folgen in Deutschland geredet? Oder geht es der CSU Riege um Seehofer wie Herr Sauga wohl meint sowieso nicht darum wirksame Verbesserungen für die Menschen im Land zu erzielen, sondern um nichts anderes als egoistische Macht- und bestenfalls Parteiinteressen? Die Quittung wird bei der nächsten Wahl erfolgen.
    spon_3607221 02.08.2018
    3. Lieber Herr Sauga
    Ist dieser Sommer zu heiß? Nein, Hitze ist für Juli normal. Aber die elende Trockenheit ist schlimm für die Bauern. Hier im östlichen Teil von Niedersachsen ist auf den Feldern der Getreide verdorrt, weil es seit Mitte April fast keinen Regen gab. Der Mais muss dauerberegnet werden. Das ist keine Hysterie und kein Lobbygeschrei. In unserem Garten ist die Ernte dieses Jahr extrem bescheiden. Der Mais ist winzig und hat kaum voll ausgebildete Kolben. Mag ja sein, dass in Ihrem Hauptstadtstudio Milch und Honig fliessen wie eh und je, aber für die Bauern, die unser aller Nahrungsmittel anbauen, ist so eine Dürre existenzbedrohend.
    noalk 02.08.2018
    4. Agrarbeihilfen
    Längst nicht so warm wie 2003? Da fehlt gerade mal 1 °C. Aber es ist ja nicht die Hitze, es ist die lang andauernde Trockenheit mit Niederschlagsmangel, die den Bauern die Probleme bereitet. (Ich bin kein Landwirt).
    michael.mittermueller 02.08.2018
    5.
    Wer Land sagt meint heute Agrarkonzern. So zu mindestens die Auswirkung der sog. Biodiesel Förderung, die noch vor wenigen Jahren helfen sollte das CO2 Problem der Welt zu lösen. Damals, als die Deutsche Automobilindustrie noch Verbündete war, im Kampf um das Wohl der Welt. Der Schwenk kam abrupt und mit einer Heftigkeit, die jede Industrie schädigt. Globalisierung so die Behauptung schafft neue Arbeitsplätze. Ja, aber es sind Wanderarbeitsplätze. Solche die plötzlich in Mexiko auftauchen und dann wieder in Polen, bevor sie nach China oder Vietnam abdriften. Und auch die Arbeiter, sie wandern, etwa in China der Türkei, aber auch aus Polen . Wer sich ansieht wie mit Arbeitsplätzen umgesprungen wird, die man als Verschiebemasse in einem Spiel der Hedge Funds und Investoren quer über den Globus verteilt und verschachert, der bekommt ein Gefühl dafür worum es auch in der Agrarindustrie geht. Die Öffnung der Grenzen für einen Freihandel, sie hat dazu geführt, dass die Kaffeepreise derart in den Keller sausten, dass sich Kolumbiens Kleinunternehmer mit anderen Produkten beschäftigten. Solchen, die auch in anderen Staaten Lateinamerikas zu Kriminalität und Migration beitragen. Armut, so heißt das neue Geschäft. Und von wegen fair, wie uns die Werbelüge zu suggerieren in der Lage ist, oder gar umweltschonend.
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