DIE LAGE am 18.2.2016 Liebe Leserin, lieber Leser,


der EU-Gipfel in Brüssel heute wird anders laufen als erwartet. Der türkische Ministerpräsident Davutoglu war als Gast vorgesehen, sagte aber wegen der Explosion in Ankara ab. Es ist entsetzlich, was die Türkei an Anschlägen zu ertragen hat. Das ist der erste und dominierende Gedanke an diesem Tag.

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Heft 7/2016
Sensationelle Signale: Das Universum erzählt sein Geheimnis

Der zweite: Davutoglu sollte nach Brüssel kommen, weil sich Bundeskanzlerin Merkel in eine fatale Abhängigkeit von seinem Land begeben hat. Die Türkei soll ihr helfen, den Zuzug der Flüchtlinge zu begrenzen. Damit hat sie einen Partner, der Krieg gegen die Kurden führt und den Fall Syrien vor allem aus diesem Blickwinkel betrachtet: Die Kurden dürfen nicht erstarken. Merkel muss aufpassen, dass sie nicht stille Komplizin einer Regierung wird, der unsere Werte nichts bedeuten, wenn es um die Kurdenfrage geht.

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Emma Watson und Daniel Brühl bei der Filmpremiere in Berlin
AFP

Emma Watson und Daniel Brühl bei der Filmpremiere in Berlin

Deutscher Sexualfaschismus

Heute startet ein Kinofilm, auf den ich besonders gespannt bin: "Colonia Dignidad - Es gibt kein zurück" mit Emma Watson und Daniel Brühl. Es geht um jene Sekte deutscher Auswanderer, die bis zum Anfang dieses Jahrtausends abgeschottet in Chile lebte. Mich fasziniert daran eine Frage: Was machen Deutsche, wenn sie machen können, was sie wollen, wenn sie nicht in Bündnisse und eine Staatengemeinschaft eingebunden sind?

Die Antwort der Colonia Dignidad ging so: Sie unterwerfen sich einem ruchlosen Diktator und totaler Kontrolle, sie leben rückständig, leben im Sozialismus und gründen ein Folterlager. Der Anführer Paul Schäfer missbrauchte regelmäßig Kinder. Man kann das auch Sexualfaschismus nennen. Ich will das Gebaren dieser Sekte natürlich nicht verallgemeinern, aber ein bisschen gruselig finde ich es schon (hier lesen Sie im neuen SPIEGEL den Artikel meines Kollegen Martin Knobbe über die Colonia Dignidad).

Nationalflagge der Ukraine in Kiew
AFP

Nationalflagge der Ukraine in Kiew

Das betrogene Volk

Es gibt Völker, die werden ständig betrogen. Dazu zählen auch die Ukrainer, ob nun im Westen oder im Osten. Die im Osten leben verarmt unter dubiosen Machthabern, die im Westen leben etwas weniger verarmt unter nur etwas weniger dubiosen Machthabern. Die einen erhofften sich ihr Heil von Russland, die anderen von der Demokratie. Die Russen haben andere Sorgen, als ihre Nachbarn aufzupäppeln. Und die Demokratie braucht nun einmal aufrechte Demokraten. Davon gibt es viel zu wenige in Kiew, wo Korruption und Unfähigkeit regieren. Ich finde es manchmal albern, woran der Westen alles schuld sein soll. Hier hat er sich schuldig gemacht, indem er die Ukraine anlockte, statt erst einmal einen Reifungsprozess zu fördern.

Auch beachtenswert

# Historischer Besuch: Präsident Barack Obama reist US-Medien zufolge im März nach Kuba

# Ölpreisverfall: Venezuela erhöht zum ersten Mal seit fast 20 Jahren die Benzinpreise

# Papst Franziskus beklagt an der US-mexikanischen Grenze die "menschliche Tragödie" der Zwangsmigration

# Homophobe Äußerungen: Nike kündigt Boxstar Manny Pacquiao

Gewinner des Morgens

"Wichtig ist auf dem Platz", sagte Cristiano Ronaldo bei einer Pressekonferenz vor dem Spiel von Real Madrid beim AS Rom am Mittwochabend. Es ging um die Frage, wie er sich mit seinen Sturmkollegen Bale und Benzema zwischen den Spielen versteht.

Der Satz ist ein Plagiat. Das Original stammt von Adi Preißler, der in den Fünfzigerjahren mit Borussia Dortmund zweimal Deutscher Meister wurde. "Entscheidend ist auf'm Platz", hatte Preißler gesagt. Er ist daher für mich der Gewinner des Morgens. Seine Weisheit hält ewig und wurde sofort bestätigt. Ronaldo erwies sich bei derselben Pressekonferenz erneut als übelste Zicke des Weltsports. Nach einer kritischen Frage zu seiner Torausbeute verließ er beleidigt das Podium. Erträglich ist Ronaldo höchstens auf dem Platz.

Geburtstage

Armin Laschet, CDU-Chef von Nordrhein-Westfalen, 55.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Eisenbahner-Gewerkschaft GDL, 57.

Mit freundlichen Grüßen,

Dirk Kurbjuweit, stellvertretender Chefredakteur DER SPIEGEL

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insgesamt 26 Beiträge
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notbehelf 18.02.2016
1. Schlimm
"Was machen Deutsche, wenn sie machen können, was sie wollen, wenn sie nicht in Bündnisse und eine Staatengemeinschaft eingebunden sind?" Das was alle anderen Nationalitäten auch tun, wenn sie einem irren Sekteführer folgen. Warum muss da scon wieder mitschwingen, Deutsche wären ganz besonders anfällig dafür? Man muss seinen Blick mal nach Osten wenden, da gibt es genug Beispiele.
chjuma 18.02.2016
2. guten Morgen
Selten dass ich den Kolumnisten im SPON folgen mag, aber im wesentlichen kann ich nur bemerken, dass hier seltener Weise einer mal eigene Gedanken nachvollziehbar geäußert hat. Das lässt hoffen....guten Tag gewünscht
felisconcolor 18.02.2016
3. Ich dachte
es geht um eine Lagedarstellung und nicht um einen Kommentar. Zitat: "Mich fasziniert daran eine Frage: Was machen Deutsche, wenn sie machen können, was sie wollen, wenn sie nicht in Bündnisse und eine Staatengemeinschaft eingebunden sind? " Was machen andere Menschen wenn sie machen können was sie wollen? Ich sage nur Geheimgefängnisse oder Boko Haram oder IS. Aber nein es muss gleich wieder "Was machen Deutsche..." heissen. Was machen Menschen... hätte vollkommen genügt. Der Mensch verroht, wenn man ihn lässt. Und das weiss man nicht erst seit dem Film "Die Welle". Menschen sind nur Tiere die Auto fahren können.
catcargerry 18.02.2016
4. Was machen Deutsche ...
"Deutsche" machen, was Paul Schäfer gemacht hat, wenn man nicht auf sie aufpasst, aber bitte nicht verallgemeinern. Der Autor scheint mit der Reflexionsbereitschaft und -Fähigkeit eines Donald Trump gesegnet zu sein; der Herr vergebe ihm, ich kanns nicht und weiß nun genug über seine Professionalität. Da stimmt mich nicht einmal sein Volvo-Kombi-Fahrer-Gesicht milde, aber bitte nicht verallgemeinern. So einen Schwachsinn habe ich noch nicht einmal bei Berg oder Augstein jr. gelesen, trotz deren Bemühungen.
kasam 18.02.2016
5. Was soll die Polemik, Merkel hätte sich in eine fatale
Abhängigkeit begeben--Man muss die Möglichkeiten der Hilfe ausloten und da so viele europäische Länder, ja, wir helfen, gerufen haben, bleibt halt nur die Türkei. Europa muss darüber dankbar sein, leider Gottes, weil all die anderen sich bis jetzt, ausser ein paar Ausnahmen, weigern, sich den Tatsachen der heutigen Sachlage verweigern. Man kennt das Spielchen, was viele spielen, in guten Tagen wird fast alles versprochen, Solidarität, aber den eigenen Vorteil und Profit bleibt man dann doch treu. Feiglinge und Maulhelden gab es früher und wird es immer geben. Aber auch die Tatsache---Mit dem was da ist, muss man arbeiten und tun was möglich ist-----
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