Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


gehören Sie zu jenen zwei Milliarden Menschen, die das soziale Netzwerk Facebook nutzen? Und wenn ja: Denken Sie in diesen Tagen auch darüber nach, ihr Profil zu löschen? Ein Datenskandal von immensem Ausmaß beschäftigt weltweit Politiker, Behörden, Staatsanwälte und Investoren: Die dubiose Politikberatungsfirma Cambridge Analytica soll illegal die Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern missbraucht haben, um die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen - zugunsten von Donald Trump. Facebook wusste seit 2015 davon - doch es warnte seine Nutzer nicht. Einige von ihnen starteten nun eine Kampagne, die sich viral verbreitet: #DeleteFacebook. Und Facebook verlor innerhalb von zwei Tagen 60 Milliarden Dollar an Wert.

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Heft 13/2018
Wie der allmächtige Konzern noch zu stoppen ist - und wie sich die Nutzer schützen können

In der Titelgeschichte der neuen SPIEGEL-Ausgabe beschreibt mein Kollege Thomas Schulz, Wirtschaftskorrespondent in San Francisco, wie der allmächtige Internetkonzern durch eine Häufung von Fehltritten, Missmanagement und Arroganz in eine existenzielle Krise schlitterte. Und was wir Nutzer tun können, um uns zu schützen.

Im Video: SPIEGEL-Korrespondent Thomas Schulz über den Facebook-Skandal und Recherchen im Silicon Valley.

DER SPIEGEL

An dieser Stelle habe ich schon manches Mal vom schönsten Beruf der Welt geschwärmt, denn es gibt ja keinen anderen Beruf, der größeres Entdeckerglück oder mehr Gestalterfreude mit sich brächte als jener des Journalisten. Manchmal staunen wir Journalisten zwar über andere Journalisten: wenn diese, hier und dort, skrupelfrei vor sich hin denunzieren, ohne die Denunzierten zu befragen, da sie sich ihre intriganten Geschichten durch Recherche halt nicht beschädigen möchten. Aber es gibt auch, glücklicherweise öfter, die Ernsthaften, die Könner. Jene, die es genau wissen wollen. Und die deshalb Zeit und noch mehr Zeit in ihre Recherche stecken.

Mit Präzision, Leidenschaft und Mannschaftsspiel entstanden im vergangenen Jahr SPIEGEL-Geschichten wie "Das Kartell" über die Autoindustrie oder "Made in Germany" über den angeblichen Flughafen BER. Eine dritte SPIEGEL-Geschichte, "Die Schulz Story" meines Kollegen Markus Feldenkirchen, war für mich der Text des Jahres 2017, weil diese Reportage über das glorreiche und katastrophale Jahr des Kandidaten Martin Schulz etwas Erleuchtendes hatte: Sie erzählte und erklärte das Wesen von Politik, sie erläuterte all die Schwächen der SPD und die Fehlentscheidungen des Kandidaten, ohne diesen vorzuführen, sie wurde die politische Erzählung unserer Zeit.

Im neuen SPIEGEL schreibt Markus Feldenkirchen die Geschichte nun fort. Wie erlebte Martin Schulz das eigene Scheitern? "Die ersten Wochen waren schön, aber auch surreal. Und danach ging's steil bergab", so Schulz. Wie lebt er mit der Niederlage? "Gott, bin ich müde. So unfassbar müde! Ob ich jemals wieder fit werde, weiß ich nicht." Wie blickt er auf seine Sozialdemokraten? "Jetzt geht die ganze Partei in die Regierung, nur der Parteichef darf es nicht." In diesen Tagen erscheint das Buch "Die Schulz-Story - ein Jahr zwischen Höhenflug und Absturz" (DVA/SPIEGEL-Buchverlag, 314 Seiten, 20 Euro), und am Sonntag um 13 Uhr stellen der Kollege Feldenkirchen und der Grüne Robert Habeck das Buch im ausverkauften Tipi am Kanzleramt vor.

Hermann Bredehorst/ DER SPIEGEL

Im neuen Heft finden Sie noch vieles mehr. Horst Seehofer treibt den Konflikt mit Angela Merkel weiter und zweifelt deren Richtlinienkompetenz an: "Wie soll das gehen?" Wir erzählen Ihnen von Martin Luther King, der vor 50 Jahren ermordet wurde, und sprechen King dennoch nicht heilig, sondern beschreiben ihn so, wie er war: klug, mutig, engstirnig und lasterhaft. Wir reden mit dem Basketballer Dirk Nowitzki über die Kunst und die Mühen des Aufhörens. Wir enthüllen weitere Details der schwer zu ertragenden Affäre um den Weißen Ring von Lübeck. Wir schreiben die Geschichte der schwarzen Kassen beim Deutschen Fußball-Bund fort.

Und dann haben Christiane Hoffmann und Britta Stuff Arthur Schnitzlers "Reigen" in die Gegenwart transferiert: Sie führten neun Frauen und Männer zusammen. Es gab neun Gespräche über Sex und Sexismus, Gleichberechtigung und Penetration, Frauseinwollen und Mannseindürfen. Manche Paare stritten, andere flirteten und wieder andere waren sich ziemlich einig. Sie alle setzten sich mit den aktuellen Fragen auseinander: Wo verläuft die Grenze zwischen Flirt und Sexismus? Wie viel Gleichberechtigung wurde wirklich erreicht? Was wollen Frauen, und was macht das mit den Männern?

Im Video: SPIEGEL-Redakteurin Christiane Hoffmann über Geschlechterunterschiede und die Grundidee der "Reigen"-Interviews

Peter Rigaud / Der Spiegel

Wenn Sie das neue Heft, die Nummer 13/2018, aufschlagen (oder herunterladen), wird es anders aussehen als die Nummer 12/2018. Die letzte Layout-Reform des SPIEGEL liegt mittlerweile vier Jahre zurück, in dieser Woche ist es nun wieder so weit: Unser Magazin erscheint optisch erneuert, denn mit unserem Layout wollen wir ausgewählten Texten noch mehr Gewicht geben und unsere Leidenschaft auch für die Bildsprache ausdrücken. Bildstarke Reportagen erhalten mehr Platz, herausragende Fotografien oder Illustrationen werden gewürdigt. Ein größerer Satzspiegel und mehr Weißraum lassen die Seiten noch immer (oder sogar mehr denn je) spiegelig und zugleich eleganter erscheinen. Unser Layout-Team um Lynn Dohrmann, Nils Küppers, Jens Kuppi und Reinhilde Wurst hat auch die Meldungsseiten renoviert und unser Inhaltsverzeichnis neu gestaltet. Um Sie besser durch das Heft zu führen, wurden für unterschiedliche Textformen (Essay, Analyse etc.) eigenständige Designs entwickelt. Der niederländische Typograf Lucas de Groot hat dafür Schriften entworfen, die sich stärker am Logo des Nachrichten-Magazins orientieren. Durch die klarere Struktur wird es hoffentlich noch mehr Freude machen, den SPIEGEL zu lesen.

Zum Glück des Journalistenlebens zählt auch ein solches Projekt: Rund ein halbes Jahr lang haben wir so diskret wie begeistert daran gearbeitet; Anfang Januar haben wir Heft Nummer 13 zum Ziel erklärt; in dieser Woche wurden alle Computer umgerüstet, alle organisatorischen Hürden beiseite geräumt; und nun die Punktlandung.

Doch hat sich der Aufwand gelohnt? Schreiben Sie uns gern, wie Ihnen der neue SPIEGEL gefällt: chefredaktion@spiegel.de.

Die Nachrichten der Nacht:

Viertes Todesopfer: Französischer Polizist stirbt nach Geiselnahme

Länderspiele:Frankreich verspielt 2:0-Führung gegen Kolumbien

Appell an DB und ÖBB: Ministerin Barley verlangt schnelle Lösung bei Nachtzug-Tickets

Meine Lese-Empfehlung auf SPIEGEL PLUS:

Leitartikel zur Daten-Affäre: Wie Facebook die Demokratie gefährdet

Interview mit dem Basketballstar: Wie wollen Sie abtreten, Herr Nowitzki?

Insiderreport Weight Watchers: Wie sich der größte Diätkonzern der Welt neu erfindet

Gewinnerin des Morgens ...

DPA

... ist die Konstruktivität. Es gibt Firmen, Orchester, Sport-Mannschaften, die sehr genau wissen, was sie mit welchem Zeitplan erreichen wollen und wer welche Rolle hat. Und eben darum erreichen sie ihre Ziele und manchmal noch viel mehr. Vor einigen Wochen war die Eiskunstläuferin Aljona Savchenko meine Gewinnerin des Morgens, weil sie ihr ganzes Leben auf olympisches Gold ausgerichtet und gesiegt hatte; jetzt wurden sie und Bruno Massot auch noch Paarlauf-Weltmeister. Konstruktiver geht es nicht, auch diese traumhaft träumerische Kür sollte man gesehen haben.

Ich wünsche Ihnen ein konstruktives und vergnügtes Wochenende, herzlich aus Hamburg

Ihr Klaus Brinkbäumer

Chefredakteur
DER SPIEGEL

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insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
wieissesdennnurmoeglich 24.03.2018
1. Weiter so!
Klar wird sich Facebook davon erholen. Die User sind viel zu süchtig, ihre Eitelkeiten zu veröffentlichen. Das perfekte Geschäftsmodell eben. Wie oeffentliches Klopapier. Da wird Komplettueberwachung gern in Kauf genommen, verdrängt, wenn man dabei sein, cool sein kann. War schon bei Apple so. Der berühmte Werbeclips von Ridley Scott gegen den Orwellschen Staat verschleierte genau das: die Möglichkeit der Total-Überwachung mithilfe von Apple (und den vielen anderen)
herkurius 24.03.2018
2. Facebook löschen?????
Nö, warum sollte ich? In meinem unmittelbaren Umkreis hält eine Oma Kontakt zu ihrer Tochter und ihren Enkeln in einer weit entfernten Großstadt. Man kann nicht dauernd am Telefon hängen. Ebenfalls kenne ich eine Anzahl Gruppen, z.B. von Behinderten oder von Eltern mit behinderten Kindern, die sich über Facebook organisieren und im Minutentakt austauschen, z.B. über die gesetzlichen Voraussetzungen für einen Schulbegleiter oder über empfehlenswerte Therapeuten oder Therapien. Was man in seinem Profil und seinen Postings über sich selber preisgibt, muß jeder selber wissen. Die Erkenntnis, daß das Geschäftsmodell von Facebook darauf beruht, daß sich Gleichgesinnte insbesondere über ihre Meinungsführer als Zielgruppe für Werbung oder gar politische Beeinflussung selber definieren, ist noch nicht sehr verbreitet, aber auch nicht geheim. Hier muss man der dreisten sozialen Erpressung, dass Facebook diese Beziehungen als "Freunde" bezeichnet und ihre Unterbrechung als "entfreunden" sozial stigmatisiert, widerstehen können. Kann man sehr gut. Ich muss auch nicht begeistert alles, was meiner politischen Meinung entspricht, als "Like" kennzeichnen. Ich stelle mich auch nicht auf den Marktplatz, wo vielleicht gerade eine mir politisch nicht sympathische Partei friedlich ein Fest oder eine Kundgebung betreibt, und Gegenparolen brüllen. Tue ich schon mal, aber ich überlege mir, wo es was bringt. Was bleibt, ist der Nutzen. Chat-Systeme gibt es viele, und alle miteinander haben gemeinsam, daß meine Freunde, Vereins- oder Geschäftspartner nicht Mitglied sind, im Gegensatz zu Facebook. Und ja, vertrauliche Dinge wie Passwörter schicke ich auch nicht über den Chat oder in einem Facebook-Posting, genausowenig, wie über ein Telefon oder öffentlich in der U-Bahn.
Hyacinth 24.03.2018
3. Wer braucht Facebook?
Dieser Vertrauensmissbrauch der hier begangen wurde, darf nur eine Konsequenz kennen: Löscht alle FB-Accounts und wartet auf seriöse Alternativen! Ich bin gut vernetzt, aber FB brauche ich dafür nicht. Wartet auch nicht auf staatliche Regulierung sondern tut selbst etwas, indem ihr FB löscht. Einfach, kostenlos und wirkungsvoll - wenn es alle täten!
thommy05 24.03.2018
4. schon durch
Als Antwort auf die erste Frage.Diesen Schritt habe ich schon vor mehreren Monaten vollzogen. Ebenso die FB und ähnliche vorinstalierte Apps wie zb. Instagram dahin geschickt, wo sie seit ihrer Erfindung hingehören. man mag mich für einen digitalen Neandertaler halten, aber was ich brauche und nutze möchte ich als selbständig Denkender auch selbst entscheiden
helmut.alt 24.03.2018
5. Diese Selbstprostitution, genannt facebook,
ist typisch für die menschliche Eitelkeit und es ist klar, dass letztlich überall Daten geklaut werden können. Alles eine Frage der Zeit. Da in facebook sowieso nur Albernheiten und Oberflächliches verbreitet werden, dürfte der Schaden nicht zu groß sein.
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