Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


Knast macht Männer. Das ist der Satz einer Mutter, als die Polizei einen ihrer Söhne abholt. Die anderen sitzen schon oder haben gesessen. Es geht um arabische Clans in Berlin, Thema der Titelgeschichte des neuen SPIEGEL, der ab heute am Kiosk liegt. Es geht um eine Parallelwelt, in der Waffen, dicke Autos und ein großes Maul zählen, eine Welt des Verbrechens, schwer zu durchdringen für die Polizei, da die Familien eng zusammenhalten.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 8/2019
Arabische Familienbanden haben den Staat lange verhöhnt - jetzt schlägt er zurück

Die Behörden haben lange zugesehen, hatten resigniert, ganze Straßen aufgegeben, doch vor ein, zwei Jahren nahmen sie den Kampf auf, gegen die Al-Zeins, die Rammos, die Abou-Chakers. Viele von ihnen haben libanesische Wurzeln.

Libanesen waren die ersten Ausländer, die ich kennengelernt habe, in den Siebzigerjahren. Eine Familie, die vor dem Bürgerkrieg geflohen war, zog in das Haus meiner Großeltern in Datteln. Sie wohnten unter dem Dach, nette Leute, hilfsbereit, von meiner Großmutter geliebt.

Arafat Abou-Chaker
SPIEGEL TV

Arafat Abou-Chaker

Was das mit den Clans zu tun hat? Nichts. Außer dass die erste Generation ebenfalls als Flüchtlinge in den Siebzigerjahren nach Deutschland kam. Ich weiß nicht, was aus jener Familie in Datteln wurde, ich nehme an und hoffe, dass diese Leute hier gut integriert sind und ein schönes Leben haben.

Die Titelgeschichte thematisiert genau diesen Punkt. Wenn von "arabischen" Clans die Rede ist, dann weckt das den Rassismusverdacht, dann klingt eine Verallgemeinerung an, als wären alle arabischstämmigen Menschen so. Sind sie natürlich nicht. Aber es muss ausgesprochen werden können, was einige Clans tun. Das macht unsere Titelgeschichte.

Im Video: "Für die Clans zählt nur die Familienehre"

DER SPIEGEL

Der Merkel-Malus

Die wohl größte Paradoxie der Merkel-Jahre ist, dass eine ostdeutsche Kanzlerin für Ostdeutschland eher ein Nachteil war. In ihren ersten Jahren als Parteivorsitzende wurde Merkel von den westdeutschen Konkurrenten in der CDU massiv bekämpft. Sie streuten lustvoll, dass eine Ostdeutsche die Bundesrepublik nicht verstehen könne, weil sie bei den großen politischen Schlachten der Siebziger- und Achtzigerjahre nicht dabei war, Ostverträge, Atomkraft, Nachrüstung.

Also könne Merkel nicht Bundeskanzlerin werden. Sie zog daraus die Konsequenz, sich zu neutralisieren, so wenig wie möglich über ihre Herkunft zu reden und schon gar nicht den Eindruck zu erwecken, sie tue besonders viel für die neuen Bundesländer. Das haben viele Ostdeutsche gemerkt und sind deshalb enttäuscht von "ihrer" Kanzlerin.

In diesem Jahr stehen Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen an. Die CDU dort möchte die Wahlkämpfe nicht mit Merkel bestreiten, weil sie einen Malus befürchtet, auch wegen der Flüchtlingspolitik, für die Merkel steht. Lesen Sie dazu im neuen Heft eine Geschichte meiner Kollegen aus dem Hauptstadtbüro.

Anti-Merkel-Demonstranten 2017 in Finsterwalde
Hermann Bredehorst

Anti-Merkel-Demonstranten 2017 in Finsterwalde

Die neue Sozialstaatsdebatte

Es ist nie gerecht. Das ist das Problem einer Politik, die Gerechtigkeit schaffen will. Und trotzdem muss man es immer wieder versuchen. Es ist deshalb gut, dass die SPD neue Vorschläge zum Sozialstaat gemacht hat, sie bringen wieder Schwung in die Sozialstaatsdebatte.

Unser Ressort Wirtschaft analysiert in einer großen Geschichte vor allem den Niedriglohnsektor. Er galt lange als Lösung, Hauptsache die Leute haben Arbeit, auch wenn sie wenig verdienen. Diese Sichtweise ändert sich gerade. Wer wenig verdient, braucht Hilfe vom Staat, auch als Rentner. Neue Vorschläge liegen auf dem Tisch. Das Problem, klar: Während sie hier eine Ungerechtigkeit abschaffen, schaffen sie dort eine neue.

Wir Gelassenen

Zum Schluss die gute Nachricht: Es gibt die "German Angst" nicht mehr. Das sagt der Historiker Frank Biess in einem SPIEGEL-Gespräch. Er muss es wissen, er hat ein Buch mit dem Titel "Republik der Angst" geschrieben. Biess sieht den Ursprung der deutschen Angst vor allem in der totalen Niederlage im Zweiten Weltkrieg. Es begann mit der Angst vor Vergeltung. Später waren es Ängste vor Atomkraft oder einem neuerlichen Krieg, die in der Bundesrepublik besonders stark waren. Warum wir inzwischen gelassener geworden sind, erfahren Sie im neuen SPIEGEL.

Demonstranten in Dresden 2018
Karsten Thielker

Demonstranten in Dresden 2018

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier:

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Die SPIEGEL+-Empfehlungen für heute

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.

Ihr Dirk Kurbjuweit

Mehr zum Thema
Newsletter
DIE LAGE: Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen


insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paul42 16.02.2019
1. Nur mal so zur Unterüberschrift
> "Es geht um eine Parallelwelt, in der Waffen, dicke Autos und ein großes Maul zählen,..." Bis auf die Waffen trifft das auch auf die hiesige Welt - und damit auf sehr viele nicht Clan Mitglieder zu!
HolmWolln 16.02.2019
2. Der Mann von Frau Künast, der Anwalt Portius verteidigt die Clans
...und könnte uns nach 20 Jahren als Anwalt des Vertrauens von einigen Berliner Clans, sicherlich einiges zu dem Thema vermitteln. Als Ehemann einer an Gesetzgebung seit Jahrzehnten beteiligten Parlamentarierin ist ein solches Mandat ja eventuel doch mit einem Gewissenkonflikt belastet. Obwohl, Gewissen bei Parlamentariern und Anwälten...
OhMyGosh 16.02.2019
3.
Wenn von "arabischen" Clans die Rede ist, dann weckt das den Rassismusverdacht? Doch wohl nur bei den Dumpfnasen, die nicht zu differenzieren wissen. Wenn gewisse arabischstämmige Familien ganze Straßen, ja Viertel in unseren Großstädten kontrollieren und u.U.gar terrorisieren, dann ist das Attribut "arabisch" mitnichten tendenziös-abwertend, sondern lediglich geopolitisch-benennend. BTX: Die Großkotz-Mentalität dieser Kerle gehört, im Gegensatz zum Islam, eben nicht zu Deutschland. wir sind immerhin noch Nachfahren des Volkes der Dichter und Denker, zu denen nicht zuletzt die Philosophen der Aufklärung gehören - eine Bewegung, die es in der islamisch geprägten Welt bislang nicht gegeben hat. statt dessen importieren die "Clans" mittelalterliche Rituale und Männlichkeits-Ideale. Dass die Organe der Strafverfolgung und der Rechtspflege sich endlich diesen Mob vornehmen, ist mehr als zu begrüßen.
OhMyGosh 16.02.2019
4.
Wenn von "arabischen" Clans die Rede ist, dann weckt das den Rassismusverdacht? Doch wohl nur bei den Dumpfnasen, die nicht zu differenzieren wissen. Wenn gewisse arabischstämmige Familien ganze Straßen, ja Viertel in unseren Großstädten kontrollieren und u.U.gar terrorisieren, dann ist das Attribut "arabisch" mitnichten tendenziös-abwertend, sondern lediglich geopolitisch-benennend. BTW: Die Großkotz-Mentalität dieser Kerle gehört, im Gegensatz zum Islam, eben nicht zu Deutschland. Wir sind immerhin noch Nachfahren des Volkes der Dichter und Denker, zu denen nicht zuletzt die Philosophen der Aufklärung gehören - eine Bewegung, die es in der islamisch geprägten Welt bislang nicht gegeben hat. Statt dessen importieren die "Clans" mittelalterliche Rituale und Männlichkeits-Ideale. Dass die Organe der Strafverfolgung und der Rechtspflege sich endlich diesen Mob vornehmen, ist mehr als zu begrüßen.
chiefseattle 16.02.2019
5. Dicke Autos, großes Maul
Wieso Parallelwelt? Das ist Deutschland! Zwischen St Pauli Zuhältern, Frankfurter Bänkern, Münchener Lobbyisten oder Berliner Araberclan gibt es nur minimale Unterschiede. Alle lügen wie gedruckt und machen böse Sachen. Und wenn wir den mathematischen Künsten eines pensionierten Lungenarztes mehr glauben als einem Dutzend wissenschaftlicher Analysen, haben wir das auch so verdient.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.