Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


die europäischen Politiker haben versagt. Es ist ihnen in drei und mehr Jahren nicht gelungen, ein Konzept für eine ihrer wichtigsten Aufgaben zu finden. Wie mit den Flüchtlingen umgehen? Eine der großen Fragen unserer Zeit bleibt einstweilen unbeantwortet: Wer darf rein?

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Heft 35/2018
Die richtige Flüchtlingspolitik - ein Plädoyer

Wir vom SPIEGEL verstehen uns als Kritiker der Politik, aber wir machen auch Vorschläge, wie es vielleicht gehen könnte, ohne dass wir uns deshalb als Berater verstehen. Das gehört nicht zu unserer Rolle. Da trennen wir strikt.

Flüchtlinge im syrischen Twahina Camp
Christian Werner / DER SPIEGEL

Flüchtlinge im syrischen Twahina Camp

In der neuen Ausgabe, die heute ausgeliefert wird, finden Sie unseren Vorschlag für eine sinnvolle Flüchtlingspolitik, die zwei Leitideen folgt: Sie soll human sein, sie soll für die große Mehrheit der Bürger akzeptabel sein.

Im Video: Menschen im Abseits - SPIEGEL-Reporterin Nicola Abé in einem fast vergessenen Flüchtlingscamp in der syrischen Wüste

DER SPIEGEL

Meine Kolleginnen Nicola Abé und Katrin Elger haben mit Unterstützung von Fritz Schaap monatelang recherchiert. Sie waren in Flüchtlingscamps, in Transferzentren, haben sich auf der Fluchtroute in Niger umgesehen und mit Experten gesprochen. Aus ihren Recherchen haben sie Ideen für eine gute Flüchtlingspolitik entwickelt. Ihr Plädoyer hat uns so überzeugt, dass wir es zur Titelgeschichte gemacht haben.

Schulz über Müller

Die SPD ändert mal wieder ihren Kurs, zurück zur Klassik, das soziale Profil schärfen. Damit will man die schrecklichen Umfragewerte verbessern und Einbrüche bei den kommenden Landtagswahlen abwenden. Unser Hauptstadtbüro kennt die Details und analysiert die Aussichten der neuen Strategie.

Parteivorsitzender Müller in Berlin 1920: "Solange man schnaufen kann, muss man kämpfen"
bpk / Otto Haeckel

Parteivorsitzender Müller in Berlin 1920: "Solange man schnaufen kann, muss man kämpfen"

Außerdem haben wir einen ehemaligen Parteichef als Autoren gewonnen. Martin Schulz bespricht für den SPIEGEL eine neue Biographie über einen seiner Vorgänger, Hermann Müller, der in der Weimarer Republik Parteivorsitzender, Außenminister, Fraktionschef und Reichskanzler für die SPD war. 1930 trat er als Kanzler zurück, weil ihm die Fraktion die Gefolgschaft verweigerte. Schulz weiß ja, wie kompliziert Sozialdemokraten sein können. Vor diesem Hintergrund schaut er auf Müller.

Taxi in den Himmel

Der Traum des Autofahrers im Stau ist das Fliegen. Die Horizontale verlassen und sich in der Vertikalen davonmachen. Habe ich zuletzt am vergangenen Wochenende geträumt, Ferienende in Berlin, Rückreiseverkehr auf der Ostseeautobahn, im Fond ein schreiendes Kind. Ein Königreich für einen Hubschrauber.

Volocopter beim Jungfernflug in Dubai 2017: "Ein ganz normaler Teil des Nahverkehrs"
Nikolay Kazarov/ Volocopter

Volocopter beim Jungfernflug in Dubai 2017: "Ein ganz normaler Teil des Nahverkehrs"

Es gibt sie schon, die Lufttaxis, als Prototypen, die Testflüge machen. Eines Tages sollen sie uns abholen und autonom durch die Städte tragen. Simone Salden und Marcel Rosenbach haben in der neuen Branche recherchiert und einen Science-Fiction-Report geschrieben. Wann, frage ich mich, gibt es den ersten Stau in der Berliner Luft?

Hand weg

Ich schreibe mit zehn Fingern und muss dabei nicht auf die Tastatur schauen. Jetzt werfe ich aber doch hin und wieder einen Blick auf meine Hände. Sind sie noch da oder fehlt schon eine? Sie merken, ich bin ein bisschen verstört. Und das liegt an einem spektakulären Gespräch, das Johann Grolle in den USA mit Barbara Lipska geführt hat.

Forscherin Lipska in Hirnbank-Kühlkammer: "Ich verlor meine Gefühle, meine Empathie"
Greg Kahn/ Grain

Forscherin Lipska in Hirnbank-Kühlkammer: "Ich verlor meine Gefühle, meine Empathie"

Sie ist Neurowissenschaftlerin und erforscht die Gehirne von Geisteskranken. Dann entwickelte sich ein Tumor in ihrem Kopf und Lipska wurde selbst wahnsinnig. Inzwischen ist sie geheilt und kann natürlich so kompetent wie niemand sonst über den Wahnsinn erzählen.

Bei ihr begann es damit, dass beim Schreiben eine Hand fehlte. Sie war nicht mehr da, abgeschnitten am Handgelenk. In Wahrheit existierte die Hand noch, nur Lipska konnte sie nicht mehr sehen, wegen des Tumors.

Halbkartoffel

An die WM denkt niemand mehr gern zurück, jedenfalls in Deutschland, aber es fehlt noch die Erklärung für dieses Debakel. Warum ist die Nationalmannschaft, die nicht schlecht besetzt war, so eingebrochen? Meine Kollegen vom Sportressort sind dieser Frage nachgegangen und haben eine große Analyse geschrieben.

Nationalspieler Marco Reus im WM-Spiel gegen Südkorea: "Der Mannschaft den Stecker gezogen"
GES/ Thomas Eisenhuth

Nationalspieler Marco Reus im WM-Spiel gegen Südkorea: "Der Mannschaft den Stecker gezogen"

Besonders interessant fand ich, dass es mehrere Lager in der Mannschaft gibt. Da sind die sogenannten "Kanaken", die Deutschen mit Migrationshintergrund wie Boateng, Rüdiger, Özil, und die "Kartoffeln", das sind die anderen, die Urdeutschen, also Hummels oder Müller. Viel verbindet die beiden Lager nicht.

Lustig ist, dass sich Draxler bei den "Kanaken" einsortiert hat, wird dort aber offenkundig nicht so ganz ernst genommen. Jerome Boatengs Halbbruder George macht sich deshalb über ihn lustig: "Dieser eine Deutsche, der immer mit Ausländern abhängt." Integration ist in jeder Hinsicht eine komplizierte Angelegenheit.

Hand da

Die letzten Worte, ein letzter Blick auf die Tastatur. Alles okay.

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Ihr
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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
kajosch55 25.08.2018
1. "Wer darf rein ?" ist die falsche Frage.
"Wer muss gehen ?" wäre erst mal die richtige. Religöse Eiferer und Erdogan-Fans, um zwei Gruppen zu nennen, haben in einer laizistisch-demokratischen Gesellschaft keinen Platz und sollten konsequent in ihre Heimat abgeschoben werden. In anderen EU Ländern gibt es sicher auch noch ein paar ähnliche Gruppen. Die frei gewordenen Pläze können dann an Menschen vergeben werden, die vor eben diesen vorgenannten Leuten fliehen müssen.
jozu2 25.08.2018
2. "europäischen Politiker haben versagt"
Das Versagen liegt schon Jahrzehnte zurück, als die EU konzeptlos gegründet wurde. Die EU ist sich selbst ihr einziger Zweck. Es fehlt von Anfang an das Aufbauen einer gemeinsamen europäischen Nationalidentiät IN DER BEVÖLKERUNG. Deshalb gibt es auch nichts, was Europa nach Außen ausstrahlt, was Zuwanderern und Flüchtlingen als Leitfaden hilft einzuschätzen, was sie hier überhaupt erwartet. Was erwartet umgekehrt Europa? Solange die Frage nicht beantwortet ist, kann man auch kein Zuwanderungskonzept erstellen. Ich würde von Zuwanderern erwartern, dass sie Englisch in Grundzügen beherrschen oder sich zügig aneignen, die Landessprache kontinuierlich lernen bis ein gewisses Level erreicht ist. Und am wichtigsten: Akzeptanz von Freiheitlichkeit, Demokratie und bedingungslose Unterordnung anderer Weltanschauungen oder Religionen unter diese Prinzipien.
willi.thom 25.08.2018
3.
was mich an der Debatte stört, sind die geschönten oder wertenden Statistiken. IN einer offenen Gesellschaft, wo jeder sein Gesicht zeigt, haben Frauen mit Vollverschleierung keinen Platz, auch wenn es, wie in Dänemark, angeblich nur 200 sind. Niemand ist gezwungen, hier zu leben. Es wird gesagt, daß Flüchtlinge nicht krimineller sind als Einheimische. Diese Aussage empört mich immer wieder. Ich erwarte, daß sich Flüchtlinge, die hier auf Kosten der Steuerzahler aufgenommen werden, an unsere Regeln halten, und wer das nicht tut, muß abgeschoben werden, ohne Ausnahme. Und auch kriminelle Araber-Clans und Erdogan-Fans haben hier nichts verloren.
TrollfIüsterer 25.08.2018
4. Es kann keine
europäische Lösung geben ! Sobald man anfängt geregelt zu verteilen übernehmen die jeweiligen Länder nicht nur die Obhut sondern auch die Verpflichtung den aufgenommenen Flüchtling im Zweifelsfall lebenslang mit Hartz 4 oder ähnlichem zu versorgen, und sobald man damit anfängt setzt man gleichzeitig auch für alle die noch in den Heimatländern ausharren das Signal dass es eine legale Chance gibt, und es wird erneut ein Millionenfacher Run gestartet werden. Deshalb lautet die einzige Antwort so dass man konsequent die Grenzen dicht macht.
wolke:sieben 25.08.2018
5. Niemand darf rein...
...der unser soziales System ausnutzen will und nur deshalb den Kriegsflüchtlinge oder den Verfolgten spielt, darum erst mal draußen lassen und dies auch konsequent durchziehen !!!
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