Die Lage am Freitag Liebe Leserin,


alles Gute zum Frauentag! Heute ruht die Politik in der Hauptstadt, weil der Internationale Frauentag in Berlin zugleich ein neuer Feiertag ist. Der wird mit diversen Veranstaltungen gewürdigt. Unter dem Motto "Kommt zusammen! Für ein Europa der Frauen" treten in Berlin etwa die Sozialdemokratinnen Katarina Barley, Svenja Schulze und Parteichefin Andrea Nahles auf.

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Heft 10/2019
Ein deutsches Desaster

Die meisten Frauen, mit denen ich rede, würden sich das Feiertagsspektakel übrigens gern schenken. Statt eines Ehrentages hätten sie lieber gleichberechtigte Aufstiegschancen und mehr Geld - zumindest genauso viel wie ihre männlichen Kollegen. Das Ziel muss also sein, diesen Tag überflüssig zu machen. Echte Gleichberechtigung gäbe es dann, wenn es keinen Feiertag mehr bräuchte, um auf etwas aufmerksam zu machen, das selbstverständlich sein sollte.

Botschafter wechsel Dich

AFP

Der deutsche Botschafter in Venezuela, Daniel Kriener, wird heute wohl zurück nach Berlin fliegen. Die Regierung von Machthaber Nicolás Maduro hat ihn zur unerwünschten Person erklärt und Kriener aufgefordert, das Land zu verlassen. Die Bundesregierung hatte sich im Machtkampf zwischen Maduro und seinem Widersacher Juan Guaidó klar positioniert und Guaidó als Interimspräsidenten anerkannt sowie rasche Neuwahlen gefordert.

Die Folgen dieser Einmischung in die inneren Angelegenheiten bekommt Kriener nun ganz konkret zu spüren. Vor seinem Abflug traf er sich mit Guaidó noch einmal zu Beratungen im Parlamentsgebäude (ein Interview mit Guaidó über den Fall können Sie hier nachlesen).

Der diplomatische Stellvertreterkrieg wird derweil in Berlin fortgesetzt. Guaidó will nun einen seiner Vertrauten als neuen Botschafter Venezuelas in Deutschland installieren. Der bisherige, von Maduro entsandte Botschafter, ist bislang jedoch nicht abberufen worden. Welcher Botschafter künftig für wen an welchem Ort sitzen wird, hängt allein vom Ausgang des Machtkampfes in Caracas statt. Und der ist weiter völlig offen. Aktuell wird das Land von einem gigantischen Stromausfall heimgesucht, zahlreiche Bundesstaaten haben derzeit keine Elektrizität, in der Hauptstadt Caracas bleibt es komplett finster. Der Stromausfall dürfte den Machtkampf verschärfen, denn Machthaber Maduro wittert "Sabotage".

Frühling oder Chaos in Algerien?

AFP

In Algerien werden heute nach dem Freitagsgebet erneut Demonstrationen im ganzen Land erwartet. Sie richten sich gegen die erneute Kandidatur des 82-jährigen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika und dessen Machtapparat. Algerien-Expertin Isabelle Werenfels sagt im SPIEGEL, nur der Tod Bouteflikas könnte die Krise beenden.

Wie zu Zeiten des Arabischen Frühlings sind viele Algerier, insbesondere die Jugend, begeistert vom Geist des Aufbruchs, den die Proteste atmen. In den europäischen Hauptstädten verfolgt man das Aufbegehren vor der Wahl am 18. April indes weniger begeistert. Dort herrscht die Angst vor, dass die Demonstrationen am Ende auch in Blutvergießen enden könnten und die Situation im Lande eskaliert. In Wahrheit fürchtet man sich wohl vor allem vor weiteren Flüchtlingen.

Warum so viele Abschiebungen scheitern

REUTERS

2018 war die Zahl der gescheiterten Abschiebungen aus Deutschland höher als die der durchgeführten. Woran das liegt, legen meine Kollegen Jörg Diehl und Roman Lehberger in einem ungewöhnlichen Interview offen. Es gelang ihnen, einen führenden Beamten in einer Ausländerbehörde zu sprechen, der für das sogenannte Rückkehrmanagement zuständig ist, für Abschiebungen also. Um die reale Lage ungeschönt schildern zu können, wurde ihm Anonymität garantiert. Sonst würde dem Mann jetzt wohl die Entlassung drohen.

Die Sanktionsmöglichkeiten der Ämter mache auf Betroffene, die sich der Ausreise verweigern, "keinerlei Eindruck", erklärt der Beamte im Gespräch. "Sie haben von uns so gut wie nichts zu befürchten." Es sei "lächerlich einfach, eine Abschiebung zu verhindern". Im Prinzip sei es so: "Wer sich nicht an unsere Regeln hält, wer uns nach Kräften sabotiert - gewinnt." Der Beamte fordert bundeseinheitliche Vorgaben und ein klares politisches Bekenntnis. "Ein bisschen Abschieben geht nicht."

Gewinner des Tages...

RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

... sind die Fans von Eintracht Frankfurt. Beim Achtelfinalspiel gegen Inter Mailand (Endstand 0:0) präsentierten sie nicht nur eine gigantische Choreografie, sondern feierten ihre Mannschaft, als ginge es um alles. Viele seelenlose Klubs, die von Ölscheichs, Oligarchen oder Konzernen gelenkt werden, bekommen nicht mal im Endspiel um die Champions League eine so leidenschaftliche Unterstützung wie die Eintracht in diesem Achtelfinal-Hinspiel der zweitrangigen Euro League.

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insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
parhornung 08.03.2019
1.
"Aber: Echte Gleichberechtigung gäbe es dann, wenn es keinen Feiertag mehr bräuchte, um auf etwas aufmerksam zu machen, was selbstverständlich sein sollte." Damit haben Sie vollkommen recht! Nebenbei gefragt: es fehlt doch dann aber auch ein Feiertag für die, die weder Mann noch Frau sind, die Diversen? Und: warum müssen die Männer ihren Feiertag mit Himmelfahrt teilen?
pelayo1 08.03.2019
2.
Bitte nennen sie ein Recht in Deutschland, das Männer haben, aber Frauen nicht. Mir fallen eigentlich nur Nachteile für Männer ein, wie etwa die Wehrpflicht oder die Schlechterstellung im Scheidungsrecht wenn Kinder da sind. Bitte nennen sie einen Arbeitgeber in Deutschland, der Frauen (bei gleichem Alter und gleicher Qualifikation) für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als Männer, er würde umgehend vom nächsten Gericht verurteilt.
ruhuviko 08.03.2019
3. Mit dieser Begründung:
"Das Ziel muss also sein, diesen Tag überflüssig zu machen. Echte Gleichberechtigung gäbe es dann, wenn es keinen Feiertag mehr bräuchte, um auf etwas aufmerksam zu machen, was selbstverständlich sein sollte." können wir ruhigen Gewissens auch den 1. Mai abschaffen.
meinseiner 08.03.2019
4. dann laßt uns den Frauentag abschaffen
Dann sollten wir den Frauentag einfach abschaffen. Nach allen mir bekannten Gesestzen in D-Land sind die Frauen nämlich bereits seit geraumer Zeit gleichberechtigt. Gleichberechtigt bedeutet nämlich zunächst einmal, Gleichbehandlung bei den Voraussetzungen, den Rechten und den Pflichten - oh Moment, sind Frauen dann nicht sogar schon "Übergleichberechtigt"? Was hier immer gefordert wird ist keine Gleichberechtigung, sondern vielmehr Gleichheit im Ergebnis, die kann es aber ohne Diskriminierung von jeweils mind. einer anderen Seite aber nicht geben. Alle Beispiele die so "durch die Landschaft geistern", laufen immer auf eine Gleichheit im Ergebnis hinaus. Sei es das s.g. PayGAP - da werden aus der Grundgesamtheit erstmal jede Menge Personen herausgenommen und über den Rest wird eine statistische Pampe der übelsten Sorte gekübelt (alle Einkommen der Frauen vs alle Einkommen der Männer) oder der neuest Schrei, die Feststellung, wir hätten im BT zu wenige Frauen, da diese ja nur zu ca. 30% vertreten seien. Ich bitte Sie, wenn in den Parteien der Anteil der Frauen - über alle Parteien gerechnet bei ca. 30% liegt, kann ich beim besten Willen nicht erkennen, wo hier ein Problem liegen soll! Also liebe Frauen, von meiner Seite herzlichen Glückwunsch, aber ihr habt bereits alle Chancen, nutzen müßt ihr sie schon alleine!
Alias iacta sunt 08.03.2019
5. Bitte mal ganz tastachengetreu berichten
In den Unternehmen bekommt bei gleicher Stelle , z.B. Sachbearbeiter, Projektleiter oder Bereichsleiter jede Frau oder Diverses exakt das gleiche Gehalt wie ein Mann. Sogar werden Frauen flächendeckend bevorzugt bei der Vergabe von Karrierepositionen; die Qualifikationen sind nicht entscheidend. Damit wir nicht die Realität aus den Augen verlieren: Natürlich verdient eine berufsausgebildete Abteilungssekretärin gutes Geld in 35h Woche, aber ein studierter Abteilungsleiter mit viel Verantwortung und 50+x h Woche ein gutes Stück mehr. (jeweils egal ob Frau, Divers oder Mann)
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