Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


was sich in der italienischen Stadt Genua abspielte, ist kaum zu fassen: "Ich bin mit dem Auto ins Leere geflogen", erzählte ein Mann den Rettungskräften, "keine Ahnung, warum ich noch lebe." Nicht alle hatten so viel Glück, als gestern am späten Vormittag eine Autobahnbrücke in Genua zusammenstürzte.

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Heft 33/2018
Wie der Reisende zerstört, was er liebt

Bis jetzt zählten die italienischen Behörden mindestens 25 Tote, genaue Angaben gibt es bisher nicht. Noch ist auch unklar, was die Morandi-Brücke, wie die Genueser sie nennen, kollabieren ließ. Der italienische Verkehrsminister Danilo Toninelli äußerte den Verdacht, dass die Brücke nicht richtig gewartet wurde, aber mehr als eine Mutmaßung ist das offenbar nicht. Fest steht aber, dass nun nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland eine Debatte beginnen wird, ob nicht viel zu wenig Geld in den Erhalt der Verkehrs-Infrastruktur gesteckt wird.

The Art of Dämlichkeit

AFP

Donald Trump, der selbsterklärte größte Dealmaker aller Zeiten, ist gerade dabei, es sich mit allen zu verderben, mit denen er doch eigentlich ins Geschäft kommen will. Gerade hat er wieder ein Stückchen an der Eskalationsschraube mit dem sogenannten Nato-Partner Türkei gedreht - und die Lieferung von 100 F-35-Kampfjets in das Land gestoppt.

Nun kann man lange darüber streiten, ob es richtig ist, einem Land wie der Türkei Waffen zu liefern (in Deutschland sind wegen dieser Frage beinahe schon Regierungen zerbrochen). Nur hat Trumps Türkeipolitik bisher nur Verheerungen angerichtet: Sie schickte die Lira auf rasante Talfahrt, gefährdet die Nato und lässt den türkischen Präsidenten Erdogan darüber nachdenken, ob Moskau nicht doch der bessere Partner für ihn sei. Wenn man einen Kurs belegen will, wie man mit seiner Politik maximalen Schaden anrichtet: Im Weißen Haus sind immer Plätze frei.

Als in Deutschland die Immobilienblase platzte

DPA

Wer sich gerade eine Wohnung in Berlin oder in einer anderen deutschen Großstadt gekauft hat, der sollte, um seine Nerven zu schonen, vielleicht lieber nicht die Geschichte meines Kollegen Nils Klawitter lesen. Denn er hat aufgeschrieben, dass in Berlin, wo gerade der Immobilienmarkt heiß läuft, schon einmal eine Blase geplatzt ist. Klawitter erzählt die Geschichte des Heinrich Quistorp, der im Berliner Westend groß in das Baugeschäft einstieg - so groß, dass sogar König Wilhelm I. die Projekte besuchte. Quistorp wollte immer höher hinaus, am Ende gründete er sogar eine eigene Bank - deren Bankrott dann im Oktober 1873 der erste Dominostein jenes Börsencrashs war, der als "Gründerkrise" in die Geschichte einging.

Gewinner des Tages...

DPA

... ist Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Während die CDU noch so tut, als könne sie vor der Realität einfach die Augen verschließen, macht der Linken-Politiker klar, dass er - falls nötig - natürlich ein Bündnis mit den Christdemokraten eingehen würde. "Es ist höchste Zeit, die ideologischen Scheuklappen abzulegen", sagte Ramelow und meinte damit die CDU, deren Chefin doch immer so für ihren Pragmatismus gelobt wird. Angela Merkel aber hat mit einem "Machtwort" Bündnisse mit der Linkspartei ausgeschlossen, ganz so, also könne sie die demoskopische Realität in Ostdeutschland mit ein paar Kanzlersätzen verscheuchen. Ramelow ist da weiter. In seiner persönlichen Sammlungsbewegung ist auch Platz für Christdemokraten.

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insgesamt 26 Beiträge
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stadtmusikant123 15.08.2018
1. devot ist auch keine Lösung
Nachdem die Türkei die Beschaffung des russischen Luftabwehrsystems beschlossen hat, ab diesem Zeitpunkt war Ankara nicht mehr als zuverlässiger Nato-Partner anzusehen. Alles andere ist dann logische , sicherheitspolitische Abfolge. Die Entscheidung , dass Kampfflugzeug nicht zu liefern wird jetzt unnötiger Weise kritisiert, die Entscheidung ist alternativlos und hat Ankara ganz alleine zu verantworten. Nachdem immer noch Deutsche unrechtmäßig in Ankara inhaftiert sind, muss man den Herrschaften da definitiv nicht mit Puderzucker kommen.
alex56 15.08.2018
2. Das mit Trump ist falsch !
Der Beitrag über Trump ist so ziemlich daneben. Das Trump mit der Türkei ruppig rumspringt, ist voll und ganz Erdogan geschuldet. Er ist derjenige, der Menschen ohne Anklage im Gefängnis einsperrt, Kriege in Syrien führt, mit Putin und Iran beste Beziehungen pflegt. Die Türkei ist nur auf dem Papier in der Nato, übrigens, der Nato Generalsekretär, diese Oberpfeife, hat bisher zu den schwersten Verletzungen eines Natomitgliedes immer schön geschwiegen. Endlich, dass einer mal mit diesem Sultan, politisch zwar nicht korrekt, seine Grenzen aufzeigt.
haralddemokrat 15.08.2018
3. Es ist halt nur schade,
Dass Bodo Ramelow nur für die Thüringer Linke steht und nicht gesamt. Er würde der Linken das notwendige Gesicht geben.
thequickeningishappening 15.08.2018
4. # Trump - Tuerkei
In Dem Fall handelt Trump genau richtig. Wenn Einer Das Verhältnis zur NATO gefährdet dann ist Das Ergogan. Die Lira waere auch ohne Trump abgestürzt, Die Zoelle auf Alu und Stahl wegen dem inhaftierten Pastor waren lediglich Ein Beschleuniger und nicht Die Ursache!
cougar60 15.08.2018
5. Damit das Trump den Türken
keine F-35 liefern will, damit schadet er nur dem Hersteller. Trump ist meines Erachtens kein Deal Maker, da er von Diplomatie offensichtlich so viel Ahnung hat wie ein Blinder von Farben. Das Einzige zu was Trump fähig ist, das ist zu drohen.
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