Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


täglich grüßt das Murmeltier: Auch heute früh sind die GroKo-Verhandlungen zwischen SPD und Union noch nicht abgeschlossen, erst an diesem Morgen soll offenbar die 91-köpfige "große Runde" abschließend tagen - und dann womöglich zu einem Ergebnis kommen. Bis tief in die Nacht wurde in verschiedenen Konstellationen verhandelt, zuletzt nur noch zwischen den 15 "Spitzenverhandlern". Es wurde um Spiegelstriche und Nebensätze gekämpft, als könne ein Koalitionsvertrag tatsächlich die gesamte künftige Regierungspolitik abbilden.

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Heft 6/2018
Kaufen oder mieten? Was wo schlau ist

Die gestern Nachmittag durchgesickerten Entwürfe des Vertrags waren bereits mehr als 150 Seiten lang. Ein besonders treffendes Symbol war, was darin unter der Überschrift "Eine neue Dynamik für Deutschland" stand: nichts als Blindtext. Falls es heute zu einer Einigung kommt, lautet die nächste Frage, wann denn nun der SPD-Mitgliederentscheid beginnt. Bis das Land eine neue Regierung hat, wird es in jedem Fall noch mindestens einen Monat dauern.

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Die Briten und der Brexit

Die britische Regierung soll heute und morgen eine Frage beantworten, die sie lange gescheut hat: Was für einen Brexit will sie? Zu diesem Zweck trifft sich das sogenannte Kriegskabinett der Regierung, die Hardliner um Außenminister Boris Johnson und die Befürworter eines weichen Brexit um Finanzminister Philip Hammond. Premierministerin Theresa May soll zwischen den Lagern vermitteln. Es soll zum Beispiel um die Frage gehen, ob Großbritannien in irgendeiner Form in der Zollunion verbleiben will - darüber streitet sich das Kabinett seit Tagen. Es ist gut möglich, dass die Briten auch künftig zu keiner klaren Haltung finden und die Minister sich nur auf nichtssagende Formeln einigen. Auf der anderen Seite baut die EU gerade eine Drohkulisse auf, um zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt: Sie erinnert deutlich an die Deadline im März 2019 - und will britische Firmen auch nach dem Brexit mit Sanktionen bestrafen, falls London sich nicht an Vereinbarungen hält.

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Elon Musks Rakete

Seit heute Nacht ist ein Tesla im Weltraum unterwegs: Eine privat finanzierte Rakete - die aktuell leistungsfähigste der Welt - der Firma SpaceX von Tesla-Gründer Elon Musk transportierte das Fahrzeug ins All. Der PR-Stunt hat einen ernsten Hintergrund: Die Firma von Musk möchte auf diesem Weg bald nicht nur Touristen ins All befördern, sie könnte auch mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa zusammenarbeiten. Denn diese hat von der US-Regierung den Auftrag erhalten, demnächst wieder zum Mond zu fliegen und könnte dabei an einer Kooperation mit einem privaten Anbieter wie SpaceX interessiert sein. In erster Linie hilft die Aktion aber Musk selbst: Wie kein Tech-Unternehmer seit Steve Jobs versteht er es, seinen eigenen Nimbus zu befeuern.

DPA

Zumas Ende

Südafrikas Präsident Jacob Zuma steht offenbar vor dem Abtritt. Er könnte schon heute oder in den kommenden Tagen zurücktreten - deutlich vor dem Ende seiner zweiten Amtszeit im Jahr 2019. Zuma steht in seiner eigenen Partei stark unter Druck. Er hat im Land massiv an Beliebtheit eingebüßt, weil er als Hauptverantwortlicher für den wirtschaftlichen Absturz Südafrikas und die Ausbreitung der Korruption gilt. Der neue ANC-Chef Cyril Ramaphosa könnte Zuma demnach als Staatschef baldmöglichst nachfolgen, er soll Reformen durchsetzen.

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Italiens Premier in Berlin

Eigentlich hat Angela Merkel heute mit den Koalitionsverhandlungen genug zu tun, aber es steht auch noch der Besuch des italienischen Premiers Paolo Gentiloni an - der wurde vereinbart, als offenbar noch keiner ahnte, wie lange alles dauern würde. Gentiloni wird heute zunächst eine Europarede an der Berliner Humboldt-Universität halten und sich anschließend mit Merkel zum Mittagessen treffen. Es könnte auch eine Art Abschiedsbesuch sein, denn in einem Monat wird in Italien gewählt - und im Moment liegt das Mitte-Rechts-Lager um die einwanderungsfeindliche Lega Nord und Silvio Berlusconis Forza Italia knapp vor den regierenden Sozialdemokraten.

Verlierer des Tages...

... ist Mercedes. Der deutsche Autokonzern warb auf Instagram mit einem Zitat des Dalai Lama: "Betrachte Situationen von allen Seiten und du wirst offener." Doch weil China den Dalai Lama als Staatsfeind betrachtet, weil auf chinesischen sozialen Medien ein Aufruhr folgte und insbesondere weil Mercedes rund elf Prozent seines Gewinns in China erwirtschaftet, war der Post schnell wieder gelöscht. Der Autobauer postete eine längliche und peinliche Entschuldigung auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo, in der man gelobte, die chinesische Kultur künftig noch besser verstehen zu wollen.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
StefanZ.. 07.02.2018
1. Mercedes Entschuldigung
Die Sache ist in der Tat peinlich. Allerdings auf eine noch andere Weise als die meisten es wohl annehmen. Mercedes hätte nämlich besser geschrieben, dass man gelobt sich zukünftig besser zu informieren über VIPs deren Zitate man verwendet. Es gibt genug recht objektive Literatur darüber was der Dalai Lama und seine Glaubensbrüder so im Heimatland gesagt und getan haben. Und das hat nicht mehr viel mit dem rosaroten Bild welches im Westen über Jahrzehnte hinweg gepflegt wurde zu tun.
i.dietz 07.02.2018
2. Die Lage am Mittwoch
ist genauso verfahren wie die Tage davor - es passt halt nicht zusammen, was nicht zusammen gehört ! Deshalb: No GroKo !
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