Die Lage am Mittwoch Liebe Leserin, lieber Leser,


die Große Koalition hat sich in der Nacht auf ein Rentenpaket verständigt. "Paket", das hört sich erst mal groß an, in Wahrheit fährt auch diese Koalition wegen der dramatischen Alterung der Gesellschaft bei diesem Thema nur auf Sicht. Nun werden einige Wohltaten verteilt. So sollen alle Mütter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, zusätzlich einen halben Rentenpunkt gutgeschrieben bekommen. Zudem soll das Rentenniveau bis zum Jahr 2025 mindestens auf dem heutigen Stand von 48 Prozent gehalten werden, der Beitragssatz soll nicht über 20 Prozent steigen.

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Heft 35/2018
Die richtige Flüchtlingspolitik - ein Plädoyer

Das ist besser als nichts, bedeutet aber auch, dass es eine längere Festschreibung des Rentenniveaus (zum Beispiel bis 2040) vorerst nicht geben wird. Dann hätten sich die Koalitionäre entscheiden müssen: Entweder erhöhen sie die Steuern und Beiträge oder sie verkürzen die Bezugsdauer der Renten. So können wir sicher sein, dass das Thema bald wieder auf der Tagesordnung steht. Das nächste "Rentenpaket" kommt bestimmt - und es wird teuer.

Kanzlerin Merkel besucht Afrika

DPA

Bundeskanzlerin Angela Merkel bricht heute zu einer mehrtägigen Reise nach Afrika auf. Erste Station ist Senegal, danach folgen Ghana und Nigeria. Im Kern geht es hier um das Mega-Thema Migration: Merkel will mit den Regierungschefs in allen drei Ländern darüber sprechen, wie die wirtschaftlichen Perspektiven für junge Menschen verbessert werden können, damit sie sich gar nicht erst auf den Weg in Richtung Europa machen. Sie wird von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, die Chancen für mögliche deutsche Investitionen ausloten soll, etwa in den Bereichen Elektrifizierung, Digitalisierung, Infrastruktur, Wasserwirtschaft und erneuerbare Energien.

Die Korea-Show ist zu Ende

DPA/ The Straits Times/ Singapore Government

Der große Nordkorea-Gipfel in Singapur im Juni, bei dem sich US-Präsident Donald Trump als Friedensfürst feierte, entpuppt sich nun endgültig als inhaltsleere Show. Die Verhandlungen über eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel zwischen den USA und Pjöngjang kommen nicht voran, Diktator Kim Jong Un droht Trump sogar mit einem Abbruch der Gespräche. Und die Amerikaner ihrerseits wollen nun doch wieder (auch größere) Militärmanöver in Südkorea abhalten, eigentlich sollte damit Schluss sein.

Kim Jong Un ist nun eindeutig in der besseren Lage als Trump: Lockern die Chinesen und Russen die Sanktionen, wäre sein Regime stabilisiert. Die US-Diplomatie wäre wieder am Ausgangspunkt der Krise angekommen. Nur mit dem Unterschied, dass Nordkorea dann wahrscheinlich noch mehr Atomraketen hat.

Gewinner des Tages...

DPA

... sind für mich all jene Jugendlichen, die auch diesen Sommer wieder freiwillig in Camps der Aktion Sühnezeichen verbringen. Sie treffen zum Beispiel Holocaust-Überlebende, pflegen Gedenkstätten für NS-Opfer und setzen sich mit den Ursachen von Rassismus und Völkermord auseinander. Sie sind für mich stille Helden, weil sie einen Kontrapunkt setzen zu dem lauten Mob, der sich gerade in Chemnitz austobt. Zwei Wochen bei der Aktion Sühnezeichen würden bestimmt auch vielen anderen Jugendlichen gut tun. Das impft für das ganze Leben - gegen politische Verblödung.

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insgesamt 8 Beiträge
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Seite 1
interessierter Laie 29.08.2018
1. obwohl selbst betroffen...
finde ich das richtig so. Jede andere Entscheidung wäre eine große Belastung für die nachfolgende Generationen, denn einmal ausgesprochen wird man ein derartiges Versprechen nicht wieder zurücknehmen. Jetzt sollte man drüber nachdenken, wie man das System umstellt und nicht mit immer dickeren Flicken überklebt. Bspw. auch, indem man überlegt, was wir in Zukunft vielleicht nicht mehr im gleichen Maße brauchen, wenn Millionen Deutsche aus dem Arbeitsleben ausscheiden oder wie man das Potential vieler Älterer mittels digitaler Unterstützung besser nutzen können.
lalito 29.08.2018
2. Guten Morgen Herr Nelles,
wahrlich sind Impfungen solcherart empfehlenswert. Leider sind bei einigen aktuell Regierenden, bspw. beim größten Präsidenten aller Zeiten, sowohl Hopfen als auch Malz verloren. Da wird fröhlich im AfD-Stil gedroht, dass es besser sei vorsichtig zu sein. Die Kanzlerin tourt durch Westafrika und legt einen Spruch an, der völlig die Alterspyramide der dortigen Bevölkerung unberücksichtigt lässt. Letztlich meint Sie fast alle dort Lebenden mit den "jungen Menschen". Nigeria hat seit Mitte der 80er seine Bevölkerungszahl nahezu verdreifacht, also wovon redet die Dame da? DAS sind die aktuellen Rentenprobleme der dortigen Gesellschaften, denn wie soll diese Masse jemand Alten mitversorgen, wenn sie froh sein dürfen ab und an mal ein ausstehendes Gehalt zu bekommen? War lange in der Region und jetzt reist mal wieder ein Vertreter des gelebten politischen Eurozentrismus dort an. Um Aktivität in der Flüchtlingsfrage zu simulieren? Welches Rezept soll es denn sein, gegen explodierende Bevölkerungszahlen und ist der Papst dabei . . . ? Wünsche ebenfalls einen schönen Tag.
Kurt2.1 29.08.2018
3. .
Die Entscheidung der SPD bedeutet den Abschied von der Bürgerversicherung und somit einen weiteren Abschied etlicher Wähler von der SPD. Offensichtlich steht bei den Regierungsparteien die Luxusausstattung der Beamtenschaft auf Kosten der Bürger an erster Stelle. Die Bürger spielen (wenn überhaupt) eine untergeordnete Rolle.
richard-x 29.08.2018
4. Mehr, als nur 2 Lösungen für die Rente
wenn man mögliche Lösungsvorschläge für die Höhe der zukünftigen Rente liest, dann fällt einem auf dass die Fantasie der meisten Politiker und Journalisten extrem durch Scheuklappen begrenzt ist. Man sagt entweder sinkt die Rente oder man geht später in Rente. Wie wäre es, mal nach Österreich zu gucken, wo die Renten in Durchschnitt 800 (!) Eur höher sind? Oder in die Schweiz, wo die Beiträge deutlich geringer sind als in Deutschland, weil alle Einkommen rentenversicherungspflichtig sind und zwar in unbegrenzter Höhe nicht wie bei uns nur bis zu 1200 ? Beitrag im Monat. Liebe Journalisten, wenn ihr keinen Druck macht werden sich diese Alters starren CDU-Politiker sicherlich keine Gedanken machen nach Alternativen. Hauptsache sie werden wieder gewählt und alles was Unruhe verursacht macht eine Wiederwahl weniger wahrscheinlich.
demokrat2 29.08.2018
5. Das Rentenpaket ist schwer ....
.... wie der Name schon sagt. Die Belastzngen der Bürger mit Steuern und Abgaben muss den Generationenvertrag bei der Rente berücksichtigen. Deshalb ist es auch wichtig, das Rentenniveau langfristig in den Blick zu nehmen. Bis 2025 ist es jetzt gesichert. Dank der SPD, die dieses Thema vorantreibt. Neben der Rente hat die die Koalition weitere Reformen beschlossen, die von der SPD iniuiert waren. Darüber lohnt sich auch zu berichten.
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