Die Lage am Montag Liebe Leserin, lieber Leser,


noch schneller als die Blätter von den Bäumen fällt in Berlin derzeit das Spitzenpersonal in Koalition und Regierung: Erst die Abwahl von Fraktionschef Volker Kauder, dann der angekündigte Rückzug Angela Merkels vom CDU-Vorsitz, und nun soll Hans-Georg Maaßen, über den sich die Große Koalition so leidenschaftlich zerstritten hat, womöglich doch in den einstweiligen Ruhestand versetzt werden. Wie mein Kollege Florian Gathmann recherchiert hat, soll Maaßen in einer Rede behauptet haben, "linksradikale Kräfte" in der Regierung hätten versucht, ihn als Vehikel zu benutzen, um die Koalition platzen zu lassen.

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Heft 45/2018
Geheimsache Luxus-Liga. Neue Football Leaks Enthüllungen

Wenn man so will, ist Maaßen der Vater aller Probleme. Hätte die Große Koalition den Verfassungsschutzpräsidenten gleich vor die Tür gesetzt, wäre ihr viel Ärger erspart geblieben. Es ist schwer zu sagen, welchen Anteil die Causa Maaßen am Absturz von Union und SPD bei den Landtagswahlen in Bayern und Hessen hatte. Aber ganz gewiss nahmen die Bürger den Eindruck mit in die Wahlkabine, dass die Koalition nicht einmal mehr fähig ist, einen Spitzenbeamten in die Schranken zu weisen, der seinen Posten dazu missbraucht, Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen.

Seehofers Debakel

REUTERS

Vor allem für Horst Seehofer ist der Fall Hans-Georg Maaßen ein Desaster. Der Innenminister hatte vor allem aus Angst vor dem Zorn des rechten Lagers davor zurückgeschreckt, Maaßen zu entlassen. Am Ende stand er als ein Minister da, dem alle Maßstäbe verloren gegangen sind und der bereit war, wegen eines illoyalen Beamten das Schicksal einer Regierung aufs Spiel zu setzen. So gesehen hat sich Seehofer mit seinem langen Festhalten an Maaßen sein eigenes politisches Grab geschaufelt. Gestern kündigte der Parteichef an, dass er sich Mitte November über seine politische Zukunft äußern wird. In der CSU gibt es kaum noch Zweifel daran, dass sie hinter Seehofer liegt.

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Die Saga von "Damn ManCity"

Die jüngste Titelgeschichte des SPIEGEL über die verkommene Fußballwelt war noch gar nicht auf dem Markt, als andere Medien sie bereits aufgriffen. Die "New York Times" hatte Wind davon bekommen, die "Bild" berichtete vorab. Als der SPIEGEL dann am vergangenen Freitag 18 Uhr digital erschien und SPIEGEL ONLINE die ersten Meldungen daraus veröffentlichte, sorgten die Artikel über die detaillierten Pläne des FC Bayern München von 2016, Bundesliga und Champions League womöglich zu verlassen und eine Super League mitzugründen, weltweit für Aufsehen. Auch Gianni Infantinos fragwürdiges Verhalten bei der Uefa und der Fifa wurde weit über fußballinteressierte Kreise hinaus diskutiert. Hier finden Sie einen Überblick.

SPIEGEL-Redakteur Rafael Buschmann fasste die Recherchen so zusammen: "Im Fußball wird mehr gelogen als auf jeder Beerdigung." Das dürfte auch für den britischen Klub Manchester City zutreffen, der noch vor wenigen Jahren ein Underdog in der Premier League war und finanziell kaum über die Runden kam. Bis 2008 der Scheich von Abu Dhabi den Verein übernahm. Seither kann Manchester Spitzenspieler für dreistellige Millionensummen zusammenkaufen, der Verein verpflichtete mit Pep Guardiola den wohl besten Trainer der Welt.

All das klingt wie Stoff für ein Drehbuch, wie der Plot für eine Netflix-Serie. Genau das dachten meine Kollegen auch: Ab 13 Uhr können Sie auf SPIEGEL+ die Saga von "Damn ManCity" nachlesen. In vier Episoden erzählen wir den wundersamen Aufstieg des Klubs - und was die Football-Leaks-Dokumente über die dunklen Seiten des Vereins verraten.

Gewinner des Tages...

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... sind die Freien Wähler. Lange als etwas tumbe Schrumpfvariante der CSU verlacht, ziehen sie nun mit drei Ministern in die bayerische Landesregierung ein. Heute wird Parteichef Hubert Aiwanger zusammen mit Markus Söder den Koalitionsvertrag unterschreiben. Die Freien Wähler sind das Ergebnis der Arroganz einer CSU, die zwar viel von ihrem "Wurzelwerk" redet, aber dann im Zweifel doch nicht darauf hört, was den Wählern im ländlichen Bayern auf den Nägeln brennt. Der Absturz der CSU hatte viele Gründe, aber einen entscheidenden Hieb versetzten ihr die Freien Wähler, die mit 11,6 Prozent in den Landtag einzogen und dann mit dem entsprechenden Selbstbewusstsein die Koalitionsgespräche mit der CSU führten.

Zum Glück seien in den Tagen der Verhandlungen keine Details an die Öffentlichkeit gesickert, sagte Aiwanger, der als Superminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie in die Staatsregierung einrücken wird. "Ich glaube, dem Söder wären ansonsten Prügel angedroht worden."

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Herzlich,
Ihr René Pfister

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insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
ronald1952 05.11.2018
1. Oder besser gesagt,
eine Krähe hackt der anderen doch kein Auge aus. Dieser ganze Klüngel aus Regierung und Geheimdienst gehört schon lange mal Ausgemistet. Leider fehlen hierzu die normalen Demokratischen Instrument um diesen Misthaufen richtig aushebeln zu können. Warum wurden bisher nicht dahingehende Gesetze geschaffen zu Kontrolle? Genauso wie sich alle Regierungen bisher geweigert haben richtige tiefgreifende Gesetze gegen Korruption zu schaffen.Das was bisher durch den druck der EU geschaffen wurde ist doch nur Makulatur mehr nicht.Niemand sollte sich in unserem Land wundern das so viele an einer echten Demokratie glauben.Zu vieles liegt im Argen bei unseren Politiker/innen und es wird nicht abgestellt.Alleine die politische Beeinflussung durch Lobbyisten sollte unter Strafe gestellt werden. Nur eines der Dinge die zum Himmel stinken. Maaßen ist nicht das Problem aber eine der Ursachen.In jedem betrieb wäre so jemand wie ein Herr Maaßen sofort Entlassen worden und fertig. Der Verfassungsschutz sollte unsere Verfassung schützen und nicht die Bürger unter Generalverdacht stellen. seine Aussage das die SPD zu den Ultra linken gehöre ist wohl der Witz des Tages. schönen Tag noch,
gabriele_könig 05.11.2018
2. Schlechtes Drehbuch...
...mit einem schlechten Hauptdarsteller. Welch geistige Umnachtung plagt denn Herrn Maaßen? Kann man sich nicht ausdenken, was er von sich gibt. Wird Zeit, dass er in Pension geschickt wird und nach Patagonien auswandert, ohne Telefon- und Internetanschluss.
alternativlos 05.11.2018
3. Übervater-Komplexe
Was den Tatbestand Maaßen betrifft, so ist es offensichtlich, dass er als Präsident einer Bundesbehörde mehr Probleme geschaffen als gelöst hat. Ob sich diese mit seiner Demission in Luft auflösen, wie es Teile der Regierung gerne hätten, ist unwahrscheinlich. Aber ganz offensichtlich sind seit über 4 Jahren alle Kreise des Sicherheitskabinett sowie der parlamentarischen Kontrolle davon betroffen und schweigen sich zu Tode. Dabei ist Aufklärung ganz einfach, man muss Mut haben und Empathie zeigen. Weiterhin Alles Gute
frank57 05.11.2018
4. Der Herr Maasen
hat überzogen und muss gehen. Aber warum wirft man jemandem vor die Wahrheit gesagt zu haben? Warum stellen sich alle auf die Seite der Jäger? Weil sich jemand erdreistet hat gegenläufig zur Regierungsmeinung zu sein? Man muss Maasen und das gesamte Geheimdienstgedöhns nicht mögen, aber Wahrheit sollte Wahrheit bleiben, leider hat man es damit in diesem Land heutzutage nicht so mit der Wahrheit!
Edgard 05.11.2018
5. Irgendwas vermisse ich grad...
... ach ja: das Geschrei der AfD- nach "politischer Neutralität". Dafür werden sie wohl in Maaßens Verschwöridiotie einstimmen; verlieren sie doch grad einen ihrer wichtigsten Verbündeten an einer entscheidenden Position. Wer in dieser GroKo "Linksextremisten" verortet beweist dabei nur warum die rechtsextreme, gewaltbereite Szene in Deutschland dermaßen wachsen und gedeien konnte. Mit einem wirklich politisch neutralen Verfassungsschutzpräsidenten dürfte die Beobachtung der AfD nicht weit weg sein - unter dem rechten Verschwörungsfuzzi Maaßen hätte es sie m.E. wohl nie gegeben.
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