Die Lage am Freitag Liebe Leserin, lieber Leser,


Außenminister Heiko Maas besucht Tansania. Doch wahrscheinlich wird die Visite an seinen derzeit aufmerksamsten Beobachtern vorbeigehen. Seit Monaten widmet sich der deutsche Boulevard mit besonderer Hingabe dem SPD-Minister - nicht wegen des Nahost-Konflikts oder der Russlandfrage, sondern wegen seiner Liaison mit der Schauspielerin Natalia Wörner.

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Heft 18/2018
Kopftuch, Kreuz, Kippa: Das deutsche Ringen um Identität - der Glaube und sein Missbrauch

"Bild" berichtet (Achtung Wortspiel!) über "maasvolle Zärtlichkeiten". Die "Bunte" fragt, ob die Schauspielerin ihren "Partner wohl bald auf Reisen begleiten wird?" Und die "Gala" prophezeit, dass die beiden "als internationales Glamour-Couple eine große Zukunft haben könnten". Wie heißt es im Volksmund? "Wer im Gespräch bleiben will, muss aufpassen, dass er nicht ins Gerede kommt."

Alle wollen Marx

AP

Heute beginnt die Wallfahrt der weltweiten Linken nach Trier. Dort, wo normalerweise im Mai Pilgertruppen zu Ehren des Heiligen Rocks oder zum Ruhme des heiligen Matthias eintreffen, wird am Samstag des 200. Geburtstags von Karl Marx gedacht. Eine 2,3-Tonnen-schwere Skulptur des Philosophen (Geschenk der Volksrepublik China) wird aus rotem Tuch gewickelt. Die DKP und die Linke veranstalten einen Umzug. Die AfD will schweigend durch die Stadt stapfen - Protestmarsch. Ein Bürger Triers will aus Wut über den Marx-Hype in den Hungerstreik treten, die Falun-Gong-Sekte demonstriert für Meinungs- und Religionsfreiheit. Die SPD versammelt sich zum Parteikongress, Kurt Beck eröffnet die neue Ausstellung im Marx-Museum, und, ja, Günther Jauch verliest zur Feier des Tages die Geburtsurkunde des Jubilars. Was hätte Karl Marx dazu gesagt? "Jeder Schritt echter Bewegung ist wichtiger als ein Dutzend Programme."

Trump und die Waffen

AFP

17 Schüler starben vor wenigen Monaten bei dem Massaker in einer Highschool in Parkland, Florida. Donald Trump versprach, dass er alles unternehmen werde, um eine solche Tat künftig zu verhindern. Doch was ist seitdem geschehen? So gut wie nichts. Heute besucht der US-Präsident das Jahrestreffen der "National Rifle Association" in Dallas, Texas. Mein Kollege Roland Nelles wird über den Auftritt bei SPIEGEL ONLINE berichten. Er ist überzeugt: "Amerikas Waffenlobby ist so stark wie eh und je."

Der Nobelpreis und der Sex

DPA

Heute wird in Stockholm bekanntgegeben, ob es in diesem Jahr überhaupt einen Literaturnobelpreis geben kann. Hintergrund ist ein ungewöhnlicher Plot aus Sex and Crime hinter den Kulissen des zuständigen Komitees. Der Ehemann eines seiner weiblichen Mitglieder hatte offenbar in der Vergangenheit Frauen sexuell belästigt, Namen von Nobelpreisträgern vorzeitig verraten und zu allem Überfluss noch undurchsichtige Geschäfte gemacht. Darüber kam es zum Eklat in der Runde der auf Lebenszeit gewählten 18 Mitglieder. Immer mehr von ihnen erklärten, sie machten nicht mehr mit. Bis nur noch zehn aktive Mitglieder übrig waren. Zum Aussuchen eines Preisträgers sind aber zwölf Entscheider vonnöten. Nun muss die Schwedische Akademie entscheiden, ob und wie es weitergeht - frei nach dem Wahlspruch der Jury: Snille och smak (Talent und Geschmack).

Blogger im Spiegelsaal

Auf Plattformen wie Instagram, Snapchat oder YouTube entstehen neue Medienformate für ein junges Publikum. Darüber diskutieren kommenden Dienstag im Berliner Spiegelsaal die Blogger und Bloggerinnen Tilo Jung, Sophie Passmann und Eva Schulz. Wenn Sie dabei sein möchten, schicken Sie bis heute 12 Uhr eine Mail an julia.parker@spiegel.de. Wir verlosen Gästelistenplätze. Ansonsten gibt es Karten an der Abendkasse oder über unsere Veranstaltungsseite www.spiegel-live.de.

Gewinnerin des Tages...

... ist meine Kollegin Ann-Katrin Müller. Sie hat gestern den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten erhalten, für eine Reportage über zwei Männer, die als Pflegekinder in die Obhut pädosexueller Männer gegeben wurden. In dem Bericht sagt die zuständige Berliner Familiensenatorin: "Was damals mit Wissen der Senatsverwaltung geschehen ist, ist ein Verbrechen an den Betroffenen."

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Ihr Michael Sauga

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mirage122 04.05.2018
1. Was soll das?
Anstatt einmal die wirklichen Kompetenzen und Fähigkeiten unseres neuen Außenministers zu beleuchten, wird immer wieder auf seine "Verbundenheit" mit Natalie Wörner hingewiesen. Und SPON steigt nach Manier der Boulevard-Medien ein. Wäre doch auch mal schön, wenn er sie auf seinen Auslandsreisen mitnehmen würde. Möglicherweise steigt dann das Ansehen Deutschlands in der Welt. Denn nur mit Merkel kann man ja wirklich keinen Blumentopf gewinnen.
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