Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


meine Heldinnen und Helden dieser Tage sind die Schülerinnen und Schüler der USA. Sie fragen den Senator Marco Rubio so lange, ob er künftig noch Geld der Waffenlobby annehmen werde, bis Rubio stammelnd blamiert ist; sie gehen auf die Straße; sie fahren ins Weiße Haus und blamieren ihren Präsidenten, der sich die Worte "I hear you" tatsächlich auf Spickzettel schreiben muss, weil er ansonsten hilflos wäre.

Donald Trump mit Spickzettel
REUTERS

Donald Trump mit Spickzettel

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Heft 9/2018
Macht, Gewalt und Rache in der Filmindustrie

17 Menschen starben in Parkland in Florida, weil wieder der falsche Jugendliche viel zu leicht an jene Waffen gekommen war, die eigentlich für den Krieg gemacht sind - und weil Donald Trump und das gesamte politische Establishment es nicht schaffen, die Macht der Waffenindustrie zu brechen. Weil sie es nicht wagen und nicht versuchen.

Es gab schon viele Bewegungen, die überraschend entstanden und am Ende doch die Kraft hatten, die USA grundlegend zu verändern. Wie grandios wäre es, wenn Emma González und Ryan Deitsch und alle anderen durchhielten und gewännen. Dann müssten nicht auch noch Lehrer bewaffnet werden (wie es der Präsident will), weil Amerikas Täter dann nicht mehr viele Hundert Schuss pro Minute abgeben könnten.

Corbis via Getty Images

Hollywood ist ein überschaubares Trabantenstädtchen südlich von Beverly Hills; Hollywood ist tatsächlich verblüffend klein. Und in wenigen Stahl- und Glastürmen konzentriert sich die kreative und finanzielle Macht der US-Filmindustrie: Hier wird über Filmbudgets im dreistelligen Millionenbereich entschieden, über Karrieren und den Erfolg von Schauspielern, Agenturchefs, Produzenten. Es ist ein Ort, an den es die Talentierten dieser Branche zieht, auch die Egomanen; und es ist ein Ort, an dem Männer sehr viel Macht besitzen.

Wie Hollywood mit den Konsequenzen des Weinstein-Skandals, mit #MeToo und "Time's Up" lebt, das recherchierte mein Kollege Philipp Oehmke dort im Großraum Los Angeles. Es war eine ungewöhnlich mühsame Arbeit, anfangs blieben viele Türen verschlossen, kaum jemand wollte reden, zu heikel das Ganze. Aber so etwas ändert sich, so ist es ja oft, wenn man Geduld hat und die ersten Verbindungen aufbauen konnte. Unser Titel beschreibt dieses Dorf namens Hollywood und zugleich die Welt und die Gegenwart, in der wir leben. "Hollywood ist ein Ort am Rande des Nervenzusammenbruchs", sagt Oehmke.

Im Video: SPIEGEL-Redakteur Philipp Oehmke über sein Gespräch mit Cheli Clayton, in dem sie ihm von Übergriffen des Regisseurs Oliver Stone erzählte.

Wenn der SPIEGEL in Bestform ist, erzählt er die großen Geschichten unserer Zeit und liefert zugleich die Enthüllungen, all die exklusiven Nachrichten, die seit 71 Jahren das wesentliche und allererste Ziel unserer Arbeit sind. Im neuen Heft erfahren Sie, dass und wie in Deutschland Online-Sprechstunden, also die medizinische Behandlung via Computer, möglich werden sollen. Sie erfahren von seltsamen Arbeitsweisen und entsprechend seltsamen Geschäften des mächtigsten Mannes des deutschen Handballs, Bob Hanning. Ähnliches (seltsame Arbeitsweisen und Geschäfte) lässt sich auch über Günther Krause sagen, den nach der Wende hoch gestiegenen und schon bald tief gefallenen einstigen Verkehrsminister. Und Sie lesen die wahre Geschichte der Inhaftierung und der Befreiung Deniz Yücels. Warum geriet der Kollege von der "Welt" wirklich in die Fänge des türkischen Regimes? Wie wurde Yücel befreit? Die Kollegen Matthias Gebauer, Maximilian Popp und Christoph Schult klären es auf.

Im neuen SPIEGEL beginnen wir eine dreiteilige Gesundheitsserie. Erster Teil: Wie fastet man richtig? Im Kulturteil erzählt Ihnen Volker Weidermann die berührende Geschichte von Johann Scheerer, der 13 Jahre alt war, als sein Vater Jan Philipp Reemtsma entführt wurde. Im Deutschland-Teil begleitet Katja Thimm acht afghanische Jungs bei ihrem Versuch, ein neues Leben zu beginnen.

Annegret Kramp-Karrenbauer
Markus Hintzen/ DER SPIEGEL

Annegret Kramp-Karrenbauer

Auf zwei Gespräche möchte ich Sie auch noch aufmerksam machen. Annegret Kramp-Karrenbauer, Gewinnerin dieser Woche, erklärt Melanie Amann und Ralf Neukirch, wie sie als künftige Generalsekretärin die CDU wieder stärken will. "Ich habe Angela Merkel gesagt, dass ich wegen Heiner Geißler in die CDU eingetreten bin. Sie weiß also, worauf sie sich einlässt", so Kramp-Karrenbauer, die die These, dass sie Merkels Wunschnachfolgerin sei, "natürlich Unsinn" nennt.

Joan Baez
Stewart Volland

Joan Baez

Und der oben schon genannte Reporter Philipp Oehmke hat in Woodside bei San Francisco die große Sängerin Joan Baez, heute 77 Jahre alt, getroffen, was zu einer dieser Begegnungen führte, von denen Journalisten träumen. Denn Baez berichtete von ihren Männern, die Bob Dylan oder Steve Jobs hießen, von 1968, von ihren Liedern und den Tourneen, vom amerikanischen Rassismus; und sie bilanzierte vergnügt und zugleich wehmütig-weise ein großes Leben. Wer kann schon, ganz und gar ernsthaft, zwei Sätze wie diese über sich selbst sagen? "Wenn es so etwas gibt wie den spirituellen Sinn des Lebens, dann hat sich meiner darin erfüllt, dass ich etwas getan habe, was wahrscheinlich niemand anders hätte tun können. Die Kombination aus mir, meiner Stimme und meinem politischen Bewusstsein, das ich aus meinem Elternhaus hatte - es gab da niemand anders."

Die Nachrichten der Nacht:

Die besten Texte auf SPIEGEL PLUS:

  • Gewinner des Morgens...
Marco Sturm
DPA

Marco Sturm

...ist Marco Sturm. Der Mann ist 39 Jahre alt, und er hat über 1000 Spiele in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL überstanden, weil er in jeder Minute seiner amerikanischen Jahre genau dies sein wollte: NHL-Profi. "In Amerika können sich deine Karriere und dein Leben von heute auf morgen ändern. Ich kann nur meine Arbeit kontrollieren, und die werde ich hundertprozentig machen", so sagte es Sturm. Heute ist er Eishockey-Bundestrainer, jener Mann also, der Deutschland bei den Olympischen Spielen zu 4:3-Siegen über Schweden und Kanada und damit ins Finale führte. Ein stiller Trainer. Einer, der Teams formt, indem er vertraut und delegiert. Einer auch, der von seinem Umfeld Perfektion verlangt, immer. Die "SZ" zitiert heute einige seiner Leitsätze: "Die Jungs wissen, dass ich immer ein Teamspieler war. Das erwarte ich jetzt auch von meinen Jungs." Und: "Wir müssen wieder einen Kern der Mannschaft finden. Wir brauchen Leader. Die älteren Spieler müssen diesen Weg mit mir gehen." Und: "Ich will eine klare Nummer eins im Tor." Die Nummer eins im Tor heißt Danny aus den Birken, und auch dieser Mann, der Kanada stoppte, hätte der Gewinner des Morgens sein können.

Ich wünsche Ihnen eine so erhellende wie vergnügliche SPIEGEL-Lektüre und ein schönes Wochenende, herzlich aus Hamburg

Ihr Klaus Brinkbäumer

Chefredakteur
DER SPIEGEL

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ulrich.schlagwein 24.02.2018
1. Kalifornien
...ist nun einmal der Bundesstaat, in dem der Traum vom "Going West", wenn Hawaii ausgenommen wird, endet; und in CA sammeln sich seit Jahrzehnten die ruhe- und rastlosen Gegensaetze der Welt. Nicht verwunderlich, dass bedeutende gesellschaftliche Veraenderungen dort den Ursprung hatten und immer noch haben. Beispiele gibt es genug...
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