Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


ich erinnere mich noch an eine gewisse Erleichterung, als ich vor vielen Jahren vor dem Standesbeamten saß und ein 'C' in dessen Namen entdeckte. Der eine Buchstabe schien die Wirkung dieses Namens abzumildern. Der Standesbeamte hieß Hencker. An den Namen des Notars, vor dem ich einige Jahre später saß, um eine Wohnung zu kaufen, erinnere ich mich nicht mehr. Ich weiß aber noch, dass ich in dieser Situation ans Heiraten und an Herrn Hencker denken musste.

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Heft 6/2018
Kaufen oder mieten? Was wo schlau ist

Hier wie dort geht es darum, mit einer Unterschrift eine große Entscheidung zu besiegeln. Ich bereue weder das eine noch das andere. Aber ich werde weder das eine noch das andere empfehlen. Jeder muss für sich selbst herausfinden, was richtig ist. Eine Regel aber gilt fürs Heiraten und für den Immobilienkauf: sich weder zu leicht hinreißen, noch abschrecken zu lassen. Beim Immobilienkauf heißt dies zurzeit: weder den Verlockungen der niedrigen Zinsen, noch dem Schrecken durch hohe Preise zu leicht nachzugeben. Mit den Immobilien beschäftigt sich unsere neue Titelgeschichte, in der etliche andere nützliche Hinweise stehen: "Teurer Traum. Kaufen oder mieten? Was wo schlau ist".

Im Video: Immobilienmarkt - Tipps gegen den Mietpreis-Wahnsinn

#MeToo 1

Es heißt immer, bei #MeToo gehe es um Rollenbilder. Das stimmt auch. Auf einer abstrakten Ebene ist das so. Auf einer konkreten Ebene aber geht es um Selbstbilder. Bei den Tätern, die aufgefordert sind, das Schreckliche in sich selbst einzugestehen. Bei den Opfern, sich die Ohnmacht vergegenwärtigen zu müssen. All jene, die nicht unmittelbar beteiligt sind, könnten es sich leicht machen und sich darauf beschränken, mit den Opfern mitzufühlen und über die Täter zu urteilen. Damit wäre auch schon manches erreicht. Sich aber zu fragen, ob das Schreckliche im Täter womöglich in einem selbst schlummert, das ist die wahre Herausforderung. Der Schauspieler Ulrich Tukur tut dies nun in einem SPIEGEL-Gespräch im neuen Heft: "Ich versuche, nicht selbstgerecht zu sein. Ich frage mich: Was könnte mir in meinem Leben passieren? Kann ich mich wirklich auf mich selbst verlassen? Kann ich mir selbst denn trauen?"

#MeToo 2

Schriftstellerin Despentes
Stephanie Füssenich / DER SPIEGEL

Schriftstellerin Despentes

Das Thema #MeToo-Debatte hat viele Facetten, sexuelle Gewalt ist eine, aber in den Weiterungen geht es um Macht und Missbrauch, Macht und Abwertung. #MeToo ist komplex. In einem anderen SPIEGEL-Gespräch zu diesem - ja, eben - Komplex äußert sich die französische Feministin Virginie Despentes über den latenten Machismus der Franzosen, aber erörtert auch die Frage, auf welche Weise dieser Machismus von den Frauen bedient wird. Sie denkt nach über die "Frauen, die sich einschränken, die leiden, um zu gefallen". Sie sagt: "Paris ist voller hungernder Frauen."

#MeToo 3

Grünes Spitzenduo Annalena Baerbock, Robert Habeck
Hannes Jung / DER SPIEGEL

Grünes Spitzenduo Annalena Baerbock, Robert Habeck

Eine andere Weiterung dieses Komplexes ist das Thema Gerechtigkeit. Wer mittendrin steckt in einer Debatte und die Missstände analysiert, sieht manchmal die Fortschritte nicht. Ein SPIEGEL-Heft ist ja nichts anderes als ein - hoffentlich stimmiges - Abbild der Gesellschaft. Vor gar nicht langer Zeit war es beim Blattmachen schwierig, auch weibliche Protagonisten zu bekommen. Das hat sich geändert. Im neuen Heft finden sich: Angela Merkel sowieso, aber auch die neue Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock.

Und dann:

Verlierer unserer Zeit...

...sind die Schichtarbeiter. Während früher privilegiert Beschäftigte ständig im Büro sein mussten, um sich auf ihren Posten zu behaupten, können sie sich heute die Arbeit freier einteilen. Erreichbar sind sie durch das Smartphone auch zu Hause oder auf dem Spielplatz. Das hat zwar auch Nachteile, von dieser Art Nachteile kann ein Schichtarbeiter aber nur träumen. Schichtarbeiter müssen in die Fabrik, zu ständig wechselnden Zeiten. Familienfreundlich ist das nicht. Der Anteil der Schichtarbeiter nimmt in Deutschland wieder zu. In der Industrie wird heute oft durchgehend produziert, es ist zu teuer geworden, Maschinen stillstehen zu lassen. Die Streiks in den vergangenen Tagen zeigen die neue Zwei-Klassen-Welt am Arbeitsmarkt. Der Aufmacher des Deutschlandteils im neuen Heft beschreibt sie.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ihnen eine anregende Lektüre und ein schönes Wochenende,

Ihre

Susanne Beyer

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insgesamt 4 Beiträge
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thequickeningishappening 03.02.2018
1. # Heirat, Hauskauf, Schichtarbeit
Die Heirat ist für's Leben, Der Hauskauf darf keine lebenslange Hypothek sein und Die Schichtarbeit sollte nur eine zeitlich begrenzte Option für's Einkommen sein! Alles mal gemacht. Verheiratet bin ich noch, ohne Hypothek und Schichtarbeit.
clausde 03.02.2018
2.
Die angesprochene Weiterung Macht und Abwertung ist nicht geschlechterspezifisch. Die Diskussion darüber kann nicht nur aus einer Position betrachtet geführt werden. Wer etwas verändern will, muss ernsthaft und aufrichtig alle Facetten beleuchten. Die Entwertung menschlichen Lebens findet täglich millionenfach statt. Egal wie jung und welchen Geschlechtes die Menschen sind.
dirk.resuehr 03.02.2018
3. Grundregeln und Grundrechenarten
Rel. Jung, zwei Verdiener, max. 1/3 des Nettoeinkommens duch monatliche Beastung durch Hypothek. Rechnen müssen Sie selber! Aber alles deutet bei Niedrigzins auf Kauf hin. Muß nicht Blankenese oder Harvestehude sein!
hansriedl 05.02.2018
4. Ich frage mich
Ich frage mich, wie soll Otto Normalverdiener sich ein Eigenheim leisten, bei diesen Preisen ist es kaum möglich, da die Raten derart hoch sein müssen das sich jeder der Gefahr aussetzt alles zu verlieren. Deshalb wundert es mich, um günstigen Wohnraum zu schaffen, verkauft der Bund Grundstücke an Immobilienhaie anstatt selbst für die Bonus-Gelder auf Bundes Grundstücken Wohnungen zu bauen? Klingt so funktional wie die Mietpreisbremse.
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