Die Lage am Samstag Liebe Leserin, lieber Leser,


ein Mann bastelt sich ein Verkehrsschild. Er schreibt "City" darauf, damit die Fußgänger auf dem Weg in die Stadt nicht mehr durch seine Straße gehen, sondern einen Umweg nehmen. Es nützt nichts. Das Schild wird entfernt.

Titelbild
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Heft 16/2018
Berechtigte Sorge, übertriebene Angst - die Fakten zur Debatte um Islam und Heimat

Die Fußgänger, die diesen Mann stören, sind Bewohner eines Flüchtlingsheims in Sigmaringen. Den Mann stört der Lärm, den sie offenbar nachts vor seinem Haus machen. Er sagt jetzt: "Ich bin ein Protestwähler, ein Angst- und Wutbürger."

Türkische Moschee in Duisburg
Hans Blossey / Euroluftbild.de/ Picture Alliance / DPA

Türkische Moschee in Duisburg

Fremd im eigenen Land? Manche Deutsche haben dieses Gefühl, seitdem die Zahl der Zuwanderer im Jahr 2015 stark angestiegen ist. Unsere Titelgeschichte widmet sich diesem Thema. Sie erzählt Geschichten von Deutschen, die sich nicht mehr wohl fühlen, von Deutschen, die daran arbeiten, dass die Integration funktioniert, von einer Deutschen, die Probleme hat, weil sie ein Kopftuch trägt. Es ist ein genaues, differenziertes Bild von der Lage des Landes, mit vielen Fakten und Zahlen, eine Grundlage für die Debatte um den Islam in Deutschland und die Grenzen der Zuwanderung. Der neue SPIEGEL liegt ab heute am Kiosk.

Scholz, Maas, Söder

So langsam bekommt die neue Regierung eine Kontur. Die ersten Kämpfe wurden ausgefochten, einige Minister haben schon eine Rolle für sich definiert. Olaf Scholz zum Beispiel, der Finanzminister, schielt nach Höherem. Der Sozialdemokrat aus Hamburg will die nächsten vier Jahre nutzen, um sich als Kanzlerkandidat zu profilieren. Ähnliche Gedanken dürfte Parteikollege Heiko Maas haben, der neue Außenminister.

Zu beiden haben wir große Geschichten im Blatt, einen Aufmacher zu den Ambitionen von Scholz und ein Gespräch mit Maas über den Syrienkonflikt und den Umgang mit Russland. Zudem gibt es ein Gespräch mit Markus Söder, dem neuen Ministerpräsidenten von Bayern, der natürlich vor allem über den Islam und die Integration redet. Diese drei Texte kann ich nur empfehlen.

Mir gefallen aber auch die Fotos von Maas und Söder. Ich musste lachen, als ich sie bei der Heftvorlage sah. Der eine (wer wohl?) tritt wie ein Filmstar auf, der andere erinnert ein wenig an Donald Trump, durch ein gewisses Detail. Schauen Sie genau hin, Sie werden es erkennen.

Der Massenmörder

103 Tote. Das könnte die schreckliche Bilanz einer Schlacht sein. Oder eines Flugzeugabsturzes. Aber es ist die mutmaßliche Mordbilanz von Niels Högel, der den an sich so nützlichen Beruf eines Pflegers ausgeübt hat. Aber er missbrauchte diesen Beruf, um Patienten zu töten. Högel gefiel sich darin, ihnen lebensbedrohliche Medikamente zu spritzen, um sie dann wiederzubeleben. Das gelang oft nicht, weil es alte und kranke Menschen waren.

Ex-Krankenpfleger Högel
DPA

Ex-Krankenpfleger Högel

Hubert Gude, Veronika Hackenbroch und Julia Jüttner haben Högels Morde und sein Leben nachrecherchiert. Sie sprachen mit Pflegern, die mit ihm gearbeitet hatten, mit einem ehemaligen Freund, mit Angehörigen seiner Opfer. Eine Erkenntnis: Viele Kollegen haben geahnt, dass Högel der Todesengel war, aber sie griffen nicht ein. Er wurde sogar von einem Krankenhaus ins nächste weggelobt. "In kritischen Situationen handelte er überlegt und sachlich richtig", hieß es in seinem Arbeitszeugnis.

Die Botschaft des Bücherregals

Er macht das mit Absicht. Er stellt bei Fernsehauftritten Bücher ins Regal, von denen die Welt wissen soll, dass er sie ernst nimmt. Und was Chinas Staatschef Xi Jinping ernst nimmt, muss die Welt ernst nehmen. Bei seiner letzten Neujahrsansprache war es das Buch "The Master Algorithm" von Pedro Domingos, einem Informatiker aus den Vereinigten Staaten, Spezialist für künstliche Intelligenz.

Pedro Domingos
Daniel Berman / DER SPIEGEL

Pedro Domingos

Christoph Scheuermann und Bernhard Zand haben mit Domingos über dieses Thema gesprochen, vor allem über Chinas gewaltige Anstrengungen, die führende Forschungsnation bei der künstlichen Intelligenz zu werden. Domingos ist gewiss kein Skeptiker, was Zukunftstechnologien angeht. Aber als er hörte, dass Xi Jinping seinem Buch hohe Bedeutung beimisst, fand er das auch "unheimlich, weil China von einem autoritären Regime regiert wird, das fest entschlossen ist, lernende Algorithmen zur Kontrolle seiner Bevölkerung zu nutzen".

Ohr, Eis, Backenzahn

Der Mann, der einem anderen Mann im Boxring ein Ohr abbiss, kommt nach Deutschland. Mike Tyson macht eine Tournee, aber nicht als Boxer, sondern als Showstar. Er hätte der größte Kämpfer aller Zeiten werden können, aber da war diese Gier, nach Frauen, nach Drogen, nach Alkohol, nach Luxus. Er hat alles ruiniert. Gefängnis. Entzug. Usw.

Mike Tyson
Maarten de Boer/ Contour by Getty Images

Mike Tyson

Rühreier, eine große Portion Eis, drei Teller Pasta mit Tomatensauce, das hat Tyson gegessen, als ihn mein Kollege Juan Moreno in seiner Villa in Las Vegas besuchte, 757 Quadratmeter Wohnfläche. Es geht Tyson wieder besser, außer dass ihm gerade ein Backenzahn gezogen wurde. Mit Vollnarkose. Diese Information hilft mir. So wie bei Mike Tyson, sage ich demnächst meinem Zahnarzt. Er wird dann gnädiger gucken.

Skandal-Akademie

Wenn Sie darauf hoffen, eines Tages den Nobelpreis für Literatur zu gewinnen, müssen Sie sich jetzt große Sorgen machen. Die Schwedische Akademie, die den Preis vergibt, steckt in einer schweren, einer existenziellen Krise. Das hat vor allem mit den Belästigungsvorwürfen gegen den Gatten des Akademiemitglieds Katarina Frostenson zu tun.

Nun sind alle zerstritten, und die Akademie ist handlungsunfähig, kann also womöglich keinen Nobelpreis für Literatur mehr vergeben. Das wiederum ist ein Fortschritt für all die Schriftsteller, die seit Ewigkeiten jedes Jahr im Herbst auf einem Anruf aus Stockholm warten und immer vergeblich. Die können endlich entspannen. Georg Diez berichtet im neuen SPIEGEL über eine Akademie im Zwist.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende,

Ihr Dirk Kurbjuweit

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insgesamt 121 Beiträge
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Seite 1
hr.schnackermüller 14.04.2018
1. Dann.....
.....liegt das meiner Meinung nach nicht an "den anderen" sondern an einem selbst. Deutsch oder Deutscher zu sein heißt doch nicht sein Fähnchen in den Wind zu hängen und sich zu drehen und zu wenden wo dieser grad herkommt. Für mich ist das wie mit der Liebe, nämlich erst einmal eine Haltung. Die sich (gefühlt) immer mehr ausbreitende Misanthropie kann doch nicht das Ergebnis dessen sein was uns unsere Tatkraft, unsere Philosophen und unsere Geschichte lehren. Ich bin jetzt 61 Jahre alt und echt etwas enttäuscht. Aufgeben kommt aber sicher nicht in Frage.
manellobrown 14.04.2018
2. 1
Die Ergebnisse der letzten deutschen Regierung. Schade dass das Bild auf alle Muslime hier in Deutschland übertragen wird. Leute die in Deutschland geboren wurden müssen sich rechtfertigen.
_unwissender 14.04.2018
3. Fremd im eigenen Land?
Es ist absolut faszinierend: "Der Deutsche" ist Reiseweltmeister, nimmt sich das Recht hinzufahren, wo immer er will, hat wie selbstverständlich das Recht, sich in allen Gegenden der Welt zu bewegen. Die Einheimischen müssen servil sein, dem Reisenden das gute Gefühl geben, überall gern gesehen zu sein. Umgekehrt ist es natürlich anders. Wenn 10 Chinesen oder eine Truppe Australier in München in einen Biergarten stürmt, geht die Hatz los: "überall nunr noch Ausländer!" oder "Mia san gar nimmer mia". Das ist eben Deutsche Haltung zur Demokratie: ich darf - und Ihr dürft nicht. Eigentlich ganz einfach ...
Ein_denkender_Querulant 14.04.2018
4. Gefühl und Ursache
Das Gefühl ist da und muss ernst genommen werden, einzig die Ursachen sind offen. Meiner Meinung und Erfahrung nach bedingen Armut, Einsamkeit und ein Gefühl der Unsicherheit genau dieses "sich nicht mehr zuhause fühlen". Den Sündenbock bei anderen zu suchen, hat Tradition, denn eigene Fehler zui erkennen und zu korigieren Bedarf viel mehr Anstrengung. Unsere Medien verstärken die Effekte, weil sie punktuell für die Menschen Gefährliches völlig überhöhen. Z.B. sterben jedes Jahre tausende von Menschen im Straßenverkehr. Sterben zwei bei einem bewußten Unfall wie in Münster ist das Geschrei riesig und die Angst der Menschen steigt. Ausgewogrene Informationen sind der erste Schlüssel, um den Kreis zu druchbrechen. Und an dem Punkt darf sich auch jeder Journalist an die eigene Nase fassen.
ex rostocker 14.04.2018
5. Das eigene Land bedeutet uns nichts
Es sind Deutsche, die nicht mehr zur Wahl gehen. Es sind Deutsche, die ihren Müll aus dem Autofenster werfen. Es sind Deutsche, denen es egal ist, wer sie regiert. Und eine konkrete Zahl: Von den 6 Millionen Muslimen in Deutschland gehen 4 Millionen mindestens einmal pro Woche in die Moschee. Von den 50 Millionen Christen in Deutschland gehen weniger als eine Million am Sonntag in die Kirche.
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